31.1.06

Bruder Johannes

Nachrufe sind so eine Sache, zumal bei einem, den jeder irgendwie erlebt hat. Aber nachdem ich heute die Überschrift in Pfeffers PR-Newsletter zu ihm las (ein großer Kommunikator), muss ich doch was sagen.

Ich hab ihn immer gemocht, wirklich. Etwas zu salbungsvoll war er, finde ich, das nervte manchmal. Aber ich zumindest habe ihm immer abgenommen, dass er es ehrlich meint. Das geht mir ja nicht mit Vielen im Politikbetrieb so. Insofern sehe ich es ähnlich wie Lila.

Was mich an ihm immer irritiert hat, wenn ich ihm persönlich begegnet bin - ob in kirchlichen Zusammenhängen oder als Journalist -, war, dass er so umständllich und staatstragend gesprochen hat. Ich habe nie erlebt, dass er in der Lage war, eine Antwort zu geben, die in zwanzig Sekunden auf den Punkt kam. Kann man auch gut finden - für uns Radioleute war es unglaublich anstrengend. Und sein Presseheini war ein Kontrollfreak damals, als er noch Ministerpräsident war. Zumindest der, den ich kennen lernen durfte.

30.1.06

sehr späth

Ach ich weiß nicht. Nun habe ich ja damals die große Zeit verpasst wegen Dawarichnochnichtgroß und so. Aber irgendwie faszinierend, wenn Dotcomtod wirklich wieder jede Menge Leser haben soll. Was suchen die da? Ich mein: konkret?

Vielleicht auch nur so was, wie das, was ich ohne zu suchen gefunden habe in einem - äh - Artikel über dem Superpolitiker Lothar seine (wasweißich wieviel)letzte Firma. Denn fand ich den Spruch vom Leben, das man durch Spätkommen strafen täte, immer eigentlich nur ulkig, gefällt mir diese politisch-moralische Aussage doch gut:
Wer zu Späth kommt, den bestraft das Leben.

Folklore

Schon lustig irgendwie, als ich heute zum ersten Mal, seit ich hier in Berlin bin, geschafft habe, über Mittag raus zu gehen:

* Da ist der Vinylladen (auch ne Form von Antiquariat irgendwie) zwei Eingänge weiter, der eine Fahne raushängen hat mit St. Pauli gegen Rechts. Seeehr sympathisch.
* Und noch mal zwei Länden weiter ein sehr schräger, irgendwie uriger Brotladen - genau das, was ich suchte: nur Sauerteige, Vollkorn, Bio, frisch, kantig, handgemacht (und das bei Berliner Preisen).
* Dann um die Ecke am Südstern und rein in einen Naturkostladen, wie ich ihn seit bestimmt zwanzig Jahren nicht mehr gesehen habe: Klein, kaum Auslage, ein bisschen Gemüse - ungewöhnlich appetitlich, aber nicht viel -, hinter der Theke ein Naturkostler wie aus dem Bilderbuch entsprungen.

Ich fühlte mich an meine Kindheit erinnert, als meine Eltern mich in den 70ern mit nach Eimsbüttel in Hamburgs ersten Bioladen Schwarzbrot schleppten. Da roch es damals fast genau so wie in der Werkstatt 3, in der wir die Bestückung unseres Dritte-Welt-Ladens (damals hießen die EineWeltLäden noch so) eingekauft haben.

Entweder ich bin zu lange aus szenigen Ecken raus - oder hier ist wirklich die Zeit etwas stehen geblieben. Liebenswert und pittoresk und irgendwie fast wie im Museumsdingens in Turku, wo ich so gerne bin.

29.1.06

Ich hab da mal ne Frage wg. Au Pair

Dass wir das letzte Mal eine Au Pair hatten, ist lange her - und die Erfahrungen waren durchwachsen. Nun überlegen wir es doch noch einmal, denn mit den vier Kindern wäre es für B eine große Hilfe und Entlastung. Und die Räume könnten wir auch entsprechend aufteilen, Platz wäre also da.

Eigentlich wollen wir nicht noch einmal über eine der klassischen Agenturen gehen. Und am liebsten hätten wir eine junge Frau, die aus einem ähnlichen Kulturkreis kommt - also Nordwesteuropa, Kanada, Neuseeland, Israel oder so was. Bei den ersten Suchen sind wir auf Aupair-World gestoßen, ein Portal, das im Grunde wie ein Marktplatz funktioniert und Familien und junge Leute einander vermittelt.

Und darum die Frage an meine Leserinnen und Leser:
Kennt das jemand von euch? Oder hat damit gar Erfahrungen? Oder weiß sonst einen Rat oder eine junge Frau, die eine nette, laute Familie mit Baby und drei anstrengenden Jungs für ein Jahr oder so sucht?

Rat gerne in den Kommentaren oder per Mail....

lecker, lecker



Zwieback ist doch was Feines. Und wenn die Großen Pizza essen, hat man richtig was zu tun.

unchristliche Zeit

Einerseits finde ich es toll, dass unsere beiden Großen so gerne Fußball spielen, Spaß daran haben und auch immer wieder Erfolge. Andererseits ist Sonntag, 8 Uhr eine Zeit, die nicht wirklich sooo toll ist, um sich am Parkplatz zu treffen und loszufahren zum Turnier. Was für eine unchristliche Zeit...

27.1.06

Schock

So schnell kann es gehen. Das hätte ich ja nun doch nicht gedacht. Da ruft man in der alten Firma an, landet in der Telefonzentrale, da ist jemand neues - und die zuckt noch nicht mal, als ich meinen Namen nenne, sondern bleibt beim Sie. Was für ein Schock.

Rock me Amadeus

Heute also wird der kommerzielle Hype um Mozart seinen ersten Höhepunkt erreichen, denn heute ist sein Geburtstag. Selbst Lyrikmail kommt mit einem Mozart-Text raus. Wie gut, dass ich mich inzwischen mit ihm versöhnt habe.

Klar, als Kind fand ich ihn toll. Mit Mörikes Ein Kind reist durch Europa konnte ich sofort mitfiebern, es war neben Alfred Weidenmanns Detektiven ein Held meiner Kindheit. Dann kam die Kleine Zauberflöte am Kindertheater raus. Wunderbar und toll. Und dann endete es irgendwann, weil ich mit der Musik nichts mehr anfangen konnte. Allzu süßlich, zu verspielt, ich stand mehr auf Berg oder Hindemith, bis heute beginnt Musik für mich frühestens bei Bruckner, Gustav Mahler und Sofia Gubaidulina liebe ich wirklich.

Vor einigen Jahren habe ich dann zum ersten Mal das Albert-Berg-Quartett Mozart spielen hören. Und das kam nah an eine Offenbarung ran. Kein einziger süßlicher Ton, ironisch, kraftvoll, variable Tempi. Irre. Es hat mich mit Mozart versöhnt. Wenn Mozart, dann seine Quar- und Quintette - gespielt von diesem grandiosen Ensemble. Das ist wirklich ein Genuss....

26.1.06

Danke, dogfood

Ach ja. Da ist man ohne Fernseher in der Diaspora, wenn St. Pauli die Fahne hochhält und pomadige Bremer abledert*. Aber zum Glück gibts da verlässlich wie immer dogfood, der mitloggt, Spaß macht - und den Faden gegen Beckmann wieder aufnimmt, den Menotti dann wieder hat fallen lassen nach einem ersten Versuch.

Bei dogfood auch der Hinweis auf eine Analyse Beckmanns jenseits von Fußball. Lesenswert.

* Wie singt doch mein Jüngster (fast vier inzwischen) immer? Wea is grön und stünkt nach Füsch? Weada Breeeeemän. Jetzt, wo ich keinen Werder-Fan-Chef mehr habe (obwohl: Woher weiß ich das? Muss ich mal fragen...), kann ich das ja noch ungeschützter schreiben. Andererseits, was kann ich schon für die Vorlieben meiner Kinder....

Wienun? Relevanz?

Stellt sich doch immer wieder die Frage (und wird mir immer wieder gestellt - hey, wenigstens ein paar meiner Seminare sind irgendwie inzwischen die einzigen offenen, die überhaupt noch stattfinden), ob (und wenn ja: wie) relevant Blogs seien. Und gebe ich immer wieder die Antwort: Prinzipisch nein, wenn ich ein - sagen wir mal - klassisches Verständnis von Relevanz habe.

Die Diskussion um ein wirklich gutes Posting von DonA an der Blogbar zeigt das sehr plastisch und fast leerbuchhaft: Nein, die Klowand und Du bist Deutschland Diskussion in Blogs ist nicht an sich relevant. Aber sie ist in der Peergroup des matten Agenda Setters sehr wohl relevant. Um es klar zu sagen: Ich habe nicht nur exakt dieselben Erfahrungen wie Don mit nahezu jedem Blogpodium in 2005 gemacht, von denen ich das eine oder andere ja auch selbst moderiert habe, - sondern teile seine Einschätzung auch in den meisten anderen Punkten. Nachdenklich machen mich dann eher die teils schwachen Antworten mancher Kommentare drüber an der Bar von Leuten, die von sich selbst sagen, sie hätten was mit Kommunikation zu tun. Naja, deren Bier, nicht meins.

Und ja, Klaus, so sehr ich dich schätze: Der Satz
Insgesamt scheinen die Reaktionen auf Jean-Remy von Matts Schreiben dennoch eher positiv zu sein.
in deinem Posting gestern (jetzt ungefähr vorgestern, aber egal) stört mich auch. Vor allem, weil dich ja wirklich viele PR-Leute lesen und ihn vielleicht sogar glauben. Was blöd wäre, weil es einfach nicht stimmt, wie ein einfacher Blick in eine Suchmaschine zeigen würde. Verstehe ich nicht Recht, irgendwie.

Darum noch einmal der Hinweis auf die (zieht man mal die diesmal aber auch nicht gaaanz so martialische Sprache ab) wirklich spannende und gute Diskussion an der Blogbar...

25.1.06

Ich finde es toll, dass die Familienpolitik und die Frage, wie Familien von der Gesamtgesellschaft unterstützt und mitgetragen werden können, in den letzten Wochen wirklich in den zentralen Fokus der Politik gerückt sind - ganz jenseits aktueller Wahlkämpfe und dann ja auch in Wahlkämpfen. Worüber ich aber irritiert bleibe, ist die merkwürdige Unentschiedenheit über die Ziele und die Zielgruppen dieser Diskussionen und Vorschläge.

OK, ich sehe ein, dass wir als Gutverdiener mit vier Kindern und aktuell nur einem erwerbstätigen Erwachsenen aus dem Schema fallen, das Normalsterbliche auf der Rechnung haben. Und ich sehe auch ein, dass Betreuungskosten in meinem Fall nicht wirklich als Werbungskosten sinnvoll zu verstehen sind.

Was mir schwerfällt zu verstehen, ist, warum wir wieder einmal bisher durch jedes Rost fallen. So zahlen wir Höchstsatz bei allem, was denkbar ist, erhalten kein Erziehungs- und Elterngeld und so weiter. Nun hat uns diese Situation nicht davon abgehalten, einen Stall voll Kinder in die Welt zu setzen, weil ich andererseits auch nicht verstehen kann, wie bei Kinderwunsch jenseits von Armut es wirklich eine Frage sein kann, ob ich dann noch in den Urlaub fahren kann, um mich ggf. gegen Kinder zu entscheiden. Aber das Ziel, auch gut gebildete und gut verdienende Menschen zu Kindern zu motivieren, das immer wieder genannt wird, werde ich mit formal sozial ausgewogenen Maßnahmen nicht erreichen können. Wenn dann noch nicht mal der Pro-Kopf-Freibetrag bei der Einkommenssteuer kommt, wie ihn die CDU zentral versprochen hat (und wie er ein sinnvolles Steuerungsinstrument wäre imho), fühle ich mich ein bisschen verarscht. Und dann nutzt es auch nicht besonders viel, wenn von der Leyen mal wieder viel verspricht. Gegen das Scheingerechtigkeitsdingens der SPD wird sie es eh nicht durchsetzen.

24.1.06

inkonsequent

Das verstehe ich ja nicht. Da übernachtet man in einem so genannten Design-Hotel (The Pure direkt gegenüber der Veranstaltung) zum Sonderpreis, da ist alles sehr stylish, fast schon übertrieben. Immerhin: Die gleichen Lichtschalter und Steckdosen wie zu Hause.

Aber dann gibt es den Tee beim Frühstück nur in Teebeuteln. Was für eine Enttäuschung. Kann ich auch überhaupt nicht verstehen. Das macht den gesamten Eindruck kaputt...

Dafür war der Abend sehr angenehm. Und eine Reihe unserer Kunden erstmals in so einem Rahmen zu treffen, ist auch sehr schön. Insofern noch einmal: Danke für die Einladung.

23.1.06

Edelman Opening Frankfurt

Das ist doch fein und ein guter Zug, da eingeladen zu sein - und neben der Geschäftsführerin Cornelia Kunze, die ich schon so oft und so nett auf Podien hatte, endlich mal Björn Hasse persönlich kennen zu lernen.

Frau Kunze hat sich für unsere vielen Diskussionen rund um Blogs damit revanchiert, dass sie mich in die Diskussion vorher bei der Vorstellung des neuen Trust Barometer einbezogen hat, als es um Blogs ging. Das Hübsche bei PR-Leuten ist in dem Zusammenhang ja immer, dass sie zu Superlativen neigen. OK, halten mich jetzt ein paar wichtige Kommunikatoren dieses Landes für einen bekannten Blogger. Soll mir Recht sein. Hihi.

Nette Gespräche über Kulturunterschiede mit dem Europachef von Edelman und dem früheren Berater von Ronald Reagan. Witzig, dass der Feind der politische Gegner so kultiviert und freundlich und angenehm sein kann....

20.1.06

Wenn Maschinen Humor haben

... und dann ist da noch einer meiner bevorzugten Dienste Tinyurl, der heute sehr viel Humor an den Tag legt, wenn er den jambaesken Kommentar aus dem Hause JvM bei Jens mit dem Kurzlink avcac versieht. Und Patricks letztgültigen Eintrag zu c7lob macht. Das rettet mir doch den Abend und beflügelt die Arbeit am wöchentlichen Newsletter. Was für ein Fressen btw.

Reizreaktionsschema I


Nachdem alle drüber geschrieben haben und außerdem Patrick Breitenbach nicht mehr hinzuzufügen ist, weil er einfach Recht hat. Punkt. Nach all diesem also wollte ich nichts mehr sagen.

Aber dann hat Nico einfach eine zu gute Idee gehabt, und schnell das Metablogaggregationsdingens KLOWAENDE.DE - Ich sag meine Meinung hochgezogen. Sehr, sehr fein. Hingehn!

19.1.06

Wärmetherapie

Erst ein Taxifahrer, der im April endgültig nach Spanien übersiedelt,wo seine Frau schon seit einem Jahr lebt - und der sein Haus dort tatsächlich über die Gewinne mit Telekomaktien finanziert hat (Glück gehabt, würde ich mal sagen) -, und dann der Wartebereich für die Condor-Maschine nach Las Palmas: Ein Kleinkind mit seiner Mutter und sonst nur Rentner oder andere Grauschöpfe. Faszinierend.

Gleich gehts nach München jedenfalls...

18.1.06

jungfräulich

Es ist schon etwas besonderes, als erster in der Straße an einem verschneiten Morgen das Haus zu verlassen und im jüngfräulichen Schnee eine Fahrradspur zu hinterlassen. Das versöhnt auch für das allzu frühe Aufstehen.

Diese Woche bin ich einmal mehr nach Hause gefahren und war gestern abend bei der Familie, so dass ich heute wieder den 6:40 Uhr Zug nach Berlin zurück genommen habe. Aber das Lazarett brauchte mich und es war schön, dass ich da war. Schade, dass die Petersilienhochzeit ausfallen musste, aber so wäre wirklich keine Feierei - nicht mal mit dieser schönen Tradition des Keinearbeitdamithabens, weil alle alles mitbringen und wieder aufräumen - möglich. Mal sehen, ob sich das irgendwann nachholen lässt...

16.1.06

Webmontag

Mal sehn, ich bin ja kein Euphoriker, was die ganze Web2.0-Sache angeht, aber schon überzeugt, dass rund um dieses Thema auch für mich und für uns eine Menge Ideen für Dienstleistungen und Kundenbindungsdingsbums am entstehen sind. Nur mal an Webservices, Cross-Selling und so was gedacht. Also werde ich gleich zum Webmontag hier in Berlin gehen.

15.1.06

Bitte schön, gern geschehn

Vielleicht kann ich ja den einen oder die andere vor einem Fehler bewahren, dachte ich eben, als schon wieder jemand über die Suche "selbstständig mit eismann" bei mir im Blog - genauer auf meinem Eismann-Artikel war. Wobei ich, das sei für diese Besucher - so zwischen ein und vier am Tag über diese Suche - betont, keinen Anspruch auf irgendwelches Wissen oder gar Empirie erhebe, sondern nur beobachte, dass keiner, den wir kennen gelernt haben, durchhielt...

Übrigens war in der ersten Januarwoche auch jemand von Eismann selbst hier. Lustig.

Wenn Werbung Chefsache ist

B liegt krank im Bett (und die Geschichte vom Arzt in der Notfallpraxis ist noch mal eine ganz eigene, die das Bloggen wert ist, denn manchmal fragt man sich ja doch, warum eigentlich jemand Arzt geworden ist, wenn er keine Menschen mag) und liest im örtlichen Käseblatt. Ich entdecke über Kopf diese Anzeige:


Und frage mich, wo das wohl sein mag, dieses Lokal. In der Nähe tendenziell, denn das "redaktionelle" Umfeld schreibt über den Nachbarstadtteil Volksdorf. Aber: Glanzleistung! Keine Adresse. Wirklich nicht. Klasse Anzeige. Und so zielführend.

14.1.06

Asien

Lustig: Als Don Alphonso mir von den bayerischen Asiatinnen erzählte, von denen er auch geschrieben hat dann, muss ich wohl etwas ungläubig geguckt haben. Gestern auf dem Flug nach München saß ich dann neben einer. Zufall?

11.1.06

Inder und Kinder

Gestern bin ich ein bisschen rumgelaufen und mit einem netten Berlinhasser weg gewesen. Was ich ganz spannend fand: Es waren morgens und am späteren Nachmittag erstaunlich viele Kinder in diesem Teil Kreuzbergs unterwegs. Und abseits der Hauptstraße ist es hier richtig nett mit Buchhandlungen, Naturkostläden und Vollkornbäckern.

Am erstaunlichsten aber finde ich die unglaubliche Menge an Indern, also indischen Restaurants. Fast so wie zu Hause die Italiener. In Hamburg und auch in München sind Inder ja meist eher gehobene Gastronomie, hier das Lokal um die Ecke. Und für einen Westdeutschen sind und bleiben die Preise erstaunlich. Wir waren bei einem in der Zossener Straße. Und hey: Wo könnte man drüben für unter fünf Euro essen?

10.1.06

Unternehmer für Marx

Meine eigene marxistische Phase habe ich ja ungefähr mit der Geburt unseres Ersten abgeschlossen (ob das Zufall ist?) und hinter mir. Dennoch zehre ich bis heute von dem theoretischen und analytischen Rüstzeug, das ich in der Zeit mir habe aneignen können.

Jetzt nicht dieser Vulgärmarxismus der DDR oder gar der romantische Marixmus der bigotten Westlinken - sondern der klassische Marixmus und seine moderne, stark anarchistisch geprägte Version. Da habe ich von einem Freund und Vordenker der Berliner Autonomen Gewerkschaftsszene der 80er sehr viel gelernt. Noch meine große theologische Examensarbeit über die Option für die Armen aus lutherischer Sicht im Fach Sozialethik habe ich mit großen Rückgriffen auf die Analysen von Jacob und anderen bestreiten können.

Spannend finde ich aber zu beobachten, dass viele klassische Unternehmer heute wieder links stehen, so wie ich auch den Eindruck habe, dass meine Position wieder deutlich links von der Mitte angesiedelt ist, ohne dass ich mich groß geändert hätte in meinen Überzeugungen. Aber nicht nur liberale Geister sehen diesen grotesten Siegeszug des Neoliberalismus (müsste man auch mal ein neues Wort finden angesichts der Anmaßung, diese Poll-Position mit dem Wort liberal zu verbinden) massiv kritisch, sondern eben auch die eigentliche Zielgruppe der Gehirnwäscher an den deutschen Hochschulen: eben die Unternehmer. Ich erlebe viele klassische Unternehmer in ihrem Zorn auf die Auswüchse des Kapitalismus. Der Arbeitsheld mag nur als Beispiel stehen, er drückt aus, was ich in meinem Umfeld jeden Tag höre und erlebe.

Insofern ist mir auf lange Sicht nicht bange. Sie werden wieder verschwinden, die Jünger des Bösen. Irgendwann.

9.1.06

Verbrecher und andere Autofahrer

Ich bin ja passionierter Bahnfahrer und sehr stolz auf meinen neuen Dienstwagen von Bombardier. Und nachdem mir so viele Menschen den Link auf jenen Artikel in der Zeit über Berlin-Hamburg-Pendler geschickt haben, sind mir heute morgen auch wirklich gleich drei Leute aufgefallen, die auch schon Freitag im Zug nach Hamburg saßen. Eine Frau saß sogar auf dem gleichen Platz.

Gestern aber, als wir auf dem Rückweg mit dem Transporter waren, nachdem wir ein paar Dinge in die Unterwochswohnung geschafft hatten, durfte ich mal wieder die PKW-Pendler erleben. Die meisten entspannt, viele Polen auf dem Rückweg nach Hamburg, viele davon mit Kindern (heute begann erst wieder die Schule). Aber kurz vor dem Kreuz mit der A1 überholt uns doch, als wir gerade auf der linken Spur mit knapp 160 andere Wagen überholten, ein großer VW mit LWL-WE und zwei Ziffern. Der Transporter zitterte richtig, so nah fuhr er an uns vorbei und so schnell. Wo er gefahren ist, weiß ich nicht so Recht - es muss irgendwie auf dem linken Drittel der Spur und dem Grünstreifen gewesen sein. Ich glaube, wir können allesamt froh sein, dass wir noch leben.

6.1.06

Laufen

Ob ich mit dieser Stadt je wirklich warm werden werde, weiß ich noch nicht. Erstmal muss ich mich ja ohenhin zurecht finden. Gestern nacht bin ich zu Fuß einmal quer durch den westlichen Teil von Kreuzberg vom Büro zur Wohnung gelaufen, das ging erstaunlich schnell und war ganz interessant - so wie mir überhaupt auffällt, dass zumindest die Mitte hier viel kleiner ist als ich bisher dachte. Immerhin.

Heute morgen dann einen auf dem Weg liegenden Vollkornbäcker entdeckt. Frühstück gerettet. Fein.

5.1.06

Hinter den Bergen

Anlässlich der netten Klum-Sache macht Verkäufer-Kollege Gerold Braun einen Vorschlag:
Neue Management-Methode - Management by Heidi
Kuhle Idee...

Freischwimmen

Vieles auf einmal: Die Familie am anderen Ort, die Wohnung noch leer bis auf das so ganz und gar unbedingt nötige, die ersten Tage noch ohne wirkliches Wissen und mit einer Mischung aus Beobachten und Einmischen in Besprechungen.

Sehr spannend und für mich eigentlich auch richtig. Ich lerne ohnehin nicht gut aus Papier, sondern über die Begegnung mit Menschen, über Reden, Zuhören, Fühlen. Der Nebeneffekt der Schwimmtherapie: Ich fühle mich erstaunlich heimisch schon. Und wenn ich mir noch ein paar Tage ein bisschen Ignoranz bewahren kann, wird es dazu auch noch ein weiterhin kreativer Start sein.

Das, was ich bisher kennen gelernt habe, macht mir Mut. Und dass ich mich auf meine Familie freue, macht mich wirklich so beschwingt, wie es eine gute Freundin voraus gesagt hat...

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