27.11.06

zweite Chance

Seit rund einem Jahr haben wir also endgültig keine Lust mehr, meine Hemden zu bügeln und ich gebe sie in die Reinigung meines Vertrauens. Reinigungen haben mich immer fasziniert, schon als Kind. Mit ihrem Geruch. Ihren beschlagenen Scheiben. Dem Band Hakendingens, an dem auf Knopfdruck die eingetüteten Kleider durch den vorderen Raum gefahren werden, bis nach einem unbekannten System klar ist, dass da meine kommen. Den Büglerinnen, die gerade noch sichtbar im hinteren Raum stehen.

Ich habe den Eindruck, dass bei uns vor einem halben Jahr etwa die Besitzer gewechselt haben. Das jüngere Paar, dunkel, das jetzt abwechselnd vorne im Verkaufsraum steht, ist freundlich und nett und liebt unsere Lütte (die zumindestens Sonnabends meistens dabei ist, wenn ich auf dem Weg zum Metzger und zum Bäcker meine Hemden für die kommende Woche raushole).

Seit ein paar Wochen haben sie einen neuen Bügler, der auch ab und zu uns Kunden bedient. Ein Schweiger, sehr blass, älter, mit gepflegtem Rollkragenpullover und traurigen Augen. Seine ebenfalls sehr blassen Hände zittern leicht, wenn er den Abholschein durch die Kasse zieht. Dann guckt er hoch und lächelt und wünscht mir leise einen schönen Tag.

Ich werde es ihnen nicht sagen. Aber ich gehe seitdem noch lieber da hin und habe doppelt Respekt vor ihnen.

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