15.11.06

Der Versuchung widerstehen

Für jemanden, der sich wie ich schon immer für ethische Fragestellungen interessiert hat und sich leicht zu allgemein für gültig erklärten Sätzen hinreißen lässt, ist es spannend zu beobachten, wie wir alle, die wir irgendwie beruflich mit den neuen sozialen Netzen zu tun haben, tasten und ausprobieren. Was trägt und was nicht? Was ist erlaubt? Was fühlt sich falsch an? Was ist falsch?

Ich lerne da auch jeden Tag - in Gesprächen mit Kollegen, die Ideen mit mir besprechen, oder mit Kunden, die etwas verstehen wollen. Oder durch das, was andere ausprobieren.

Mein Londoner Kollege Stephen Davies hat gestern etwas ausgegraben, das eine britische Agentur mindestens berührt:

Ein Video von ihrem Umzug in neue Räume ist nicht nur extrem gut und professionell gemacht und bei YouTube hochgeladen, sondern da auch ungewöhnlich erfolgreich. Vor allem haben innerhalb der ersten Stunden sehr, sehr viele Nutzer von YouTube es zu ihren Favoriten gepackt...

Stephen kam das merkwürdig vor - und er hat sich den Fall genauer angeguckt: Sehr viele Nutzer, die den Film gut finden, haben genau einen Favoriten, sind neu bei YouTube und haben den fast gleichen Namen: OPSPL2, OPSPL3, OPSPL4, OPSPL5, OPSPL6, OPSPL7, irgendwann habe ich aufgehört, weiterzuzählen.

Die Agentur bestreitet, das Video hochgeladen zu haben. Nun ja. Aber irgendjemand betreibt da das, was auf englisch so hübsch niedlich gaming the system heißt. Denn durch die vielen Favoriten wird das Video unter den beliebtesten Filmen geführt und auf der Startseite angezeigt - was wiederum viele, viele Zuschauer bringt.

Und deshalb: Filme hochladen, auch eigene oder die der Kunden, ist ok - den Mechanismus der Bewertungssysteme auszutricksen, ist nicht ok, sondern Astroturfing.

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