12.9.06

Auch ein Weg: negative Beachtung

Sehr spannend, was da seit letzter Woche bei OpenBC passiert. Und ein Lehrbeispiel, wie ich ein Problem zu einer Krise aufwerten kann. Insbesondere lohnt sich ein Blick darauf, wie die Mitarbeiterin von openBC agiert in diesem Forum - und auf welche patzige und wenig sensible Art sie mit der Kritik öffentlich umgeht.

Spannend wird der Fall vor allem dadurch, dass er nicht nur von Bloggern entdeckt und weitergedreht wird (nur mal als Beispiel Wolfgang Müller im CIO-Blog, das ja sehr viel verlinkt wird, obwohl es zu diesem merkwürdigen Netzwerk gehört), sondern auch im eskalieren und deeskalieren halbwegs transparent ist:

* Zum einen verstummt die Mitarbeiterin zunächst im Forum ausgerechnet nach einem Beitrag, der im Ton sehr -äh - ungewöhnlich war. Später schaltet sie sich mit einer bürokratisierten Formulierung noch einmal ein. Mir stellen sich da schon die Fragen, ob sie zum einen zunächst verstummen musste und zum anderen das später folgende Posting absgestimmter formuliert war. Jedenfalls ein ungünstiger Bruch in der Kommunikation.

* Zum anderen war ich sehr erstaunt über das kryptische Posting von Daniela im offiziellen Firmenblog, das mich (ich war ein paar Tage unterwegs und quasi nicht online) neugierig machte und auf das Problem gestoßen hat. Sie macht nichts klar, deutet nur an, weckt Fragen...

* Und zum dritten finde ich spannend, wie Patrick offen darüber spricht, dass Daniela ihn angerufen hat und was sie besprochen haben. So Recht er mit seinem Punkten, Thesen, Ideen oder so hat - tut man das? Fest steht jedenfalls: Es kann passieren, wenn ich im Gespräch nicht ausdrücklich darauf hinweise, dass dieses non blogable sei.
Update 14.9.: Patrick bittet mich, klarzustellen, dass er natürlich Danielas Zustimmung hatte. Das hatte ich auch eher angenommen, ehrlich gesagt (falls das anders wirkte, sei das ausdrücklich widerrufen). Trotzdem finde ich es falsch und würde es an seiner Stelle nicht posten und an ihrer Stelle nicht erlauben. Das hat nichts mit (mangelnder) Transparenz zu tun, denke ich, sondern damit, dass man sich auch off the records beraten können muss. / Update

Die Kritik und die Diskussion ist nicht mehr einzufangen - und wie immer in der Krisenkommunikation zeigt sich auch hier sehr gut: Die Fehler, die in den ersten Minuten gemacht werden, lassen sich nicht mehr korrigieren (was meine These stützt, dass sich durch Blogs und so die Krisenkommunikation nicht eigentlich ändert, sondern dass die Regeln auhc hier genauso gelten, wie im richtigen Leben). Die Geschichte dreht sich weiter. Heute haben mir mehrere Leute ungefragt erzählt, wie doof und unprofessionell sie das Rechnungswesen und das Beschwerdemanagement von OpenBC finden. Das hätten sie ohne diesen Forumsfaden nicht getan.

btw: Ich nutze OpenBC durchaus, habe zurzeit sogar eine bezahlte Mitgliedschaft. Allerdings bin ich so gut wie nicht aktiv in den Foren, in denen sich nach meinem Geschmack zu viele Menschen mit zu viel Zeit bei zu wenig Arbeit tummeln. Die für mich spannendste Funktion ist weiterhin, dass ich gucken kann, wer sich mein Profil anschaut - das ist für Neugeschäft möglicherweise interessant. Die ungefragten Kontaktwünsche von Menschen, die ich im richtigen Leben nicht kenne, nerven mich allerdings massiv. Lehne ich aber ohnehin ab.

Hinweis per IM von Christiane

Kommentare:

  1. Hallo - was heißt denn bitte "merkwürdiges Netzwerk"? Creative Weblogging ist ein kommerzielles internationales Blog-Netzwerk mit z. Zt. weltweit 80 Weblogs (wie es in den USA mehrere davon gibt). Und was die Frage "tut man das?" (Veröffentlichen von Telefonaten zu Blog-Einträgen) angeht - ich habe das auch getan. Nachdem ich Daniela am Ende des Gesprächs darauf hingewiesen habe und sie nichts dagegen hatte. Ich nehme mal an, dass das bei Patrick ähnlich gelaufen ist. Und was ich auch gut finde. Denn die berühmten "Hintergrundgespräche", die PR-Agenturen gerne einfädeln und über die Journalisten dann aber nicht schreiben dürfen, brauchen wir in den Weblogs m.E. nicht unbedingt.

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  2. Netzwerk: Schon klar, Oliver Gassner verteidigt das auch immer, aber für das Adjektiv reichen mir persönlich schon ein paar der Diskussionen und Beobachtungen* aus den frühen Tagen (sowie die für Premiumcontent ungewöhnliche Verweigerung eines echten Impressums der einzelnen Blogs).

    Hingrundgespräche: Da bin ich komplett anderer Meinung, habe allerdings ja auch nicht deinen Beitrag angeführt, sondern bewusst Patricks. Ohne ein Vertrauen darein, dass ich nicht alles blogge, was ich bespreche, baue ich kein Netzwerk auf. Nur so erfahre ich viele Dinge, die mir nützen. Wer würde denn noch mit mir reden, wenn ich alles ausplaudern würde? Und selbst wenn Daniela zugestimmt hat, macht es das nicht besser. Ich würde ihr da beispielsweise abraten. Aber soll jeder machen, wie sie will...

    * siehe auch hier: (Calacanis)

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  3. Eine solche Diskussion geht schnell in eine ganz andere Richtung als ursprünglich gedacht. Aber eine Sache würde ich doch gerne richtigstellen: Alle Blogs von Creative Weblogging haben ein Impressum. Dazu stellt sich jeder Autor in seinem Blog persönlich vor. Wo liegt da das Problem? In einer Print-Zeitschrift gibt es z.B. auch nur ein einziges Impressum für das Gesamtheft und nicht für jeden einzelnen Redakteur. Creative Weblogging versteht sich quasi als "Verleger" - deshalb ein zentrales Impressum für alle Blogs im Netzwerk.

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  4. tja, genau das Impressum meinte ich ;-) Es tut mir leid, das empfinde ich als merkwürdig. Auch die Rechtsform Ltd. hilft mir nicht dabei, meine Meinung zu revidieren, die mit der Ausnahme des CIO-Blogs zusätzlich durch die Stichproben in den Inhalten gestützt wird...
    (aber ja, stimmt, darum sollte es ja eigentlich gar nicht gehen)

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  5. Hallo Wolfgang,

    ich habe Daniela Waschow natürlich um Erlaubnis gefragt, ob ich unser gemeinsames Gespräch so transparent kommunizieren darf. Ich bin doch nicht so irre und poste einfach irgendwelche Telefongespräche. So viel Verstand und Fingerspitzengefühl für Netwroking muss man mir schon eingestehen. Ich würde dich daher bitten das entsprechend zu vermerken. Lieben Dank!

    Patrick

    PS: Kleine Bemerkung am Rande: Kannst du die Gestaltung deines Blogs so anpassen, dass man die Kommentardiskussionen irgendwie übersichtlicher verfolgen kann? Die Texte kleben so aneinander. Das wäre super.

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  6. Also dass Beratung allgemein "off the record" ablaufen soll ist doch völlig klar. Ich muss meinen Kunden jedenfalls nicht andauernd hoch und heilig versprechen, dass unsere Gespräche ungefragt im Blog auftauchen. Könnte man sich auf Dauer auch nicht leisten.

    Aber wenn beide davon überzeugt sind, dass diese Art der transparenten Kommunikation wichtig ist, dann wüsste ich keinen Grund, der dagegen spricht. Welche wären das deiner Meinung nach denn noch?

    Ich für meinen Teil wollte meinen Lesern transparent darstellen, dass ich Kontakt zu Daniela hatte, alleine um spätere Beiträge zu OpenBC nicht den Verdacht von merkwürdiger Mauschelei auszusetzen.

    Du hast ja z.B: auch einen Disclaimer als OpenBC Nutzer in den Artikel platziert und ihr Edelman-Blogger seid zu jeder Zeit bei euren Einträgen freiwillig dazu verpflichtet es transparent zu machen, wenn ihr das Unternehmen, worüber ihr vielleicht bloggt, gerade professionell beratet.

    Von daher kann ich diese leichte Empörung nicht so ganz nachvollziehen. Aber ich bin sehr gespannt auf weitere Argumente.

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  7. Empörung ist etwas zu viel gesagt. Ich empfinde es so, dass Daniela so, wie es bei euch steht, keine gute Figur macht - insbesondere wenn ich mir angucke, was dann am Ende als Posting in ihrem Blog rauskommt. Das ist doch sehr defensiv und - wie man bei uns im Norden sagt - so ganz ohne "Butter bei die Fische"....

    Insofern leuchten mir deine Argumente für dich ein - aber nicht für sie :-)

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  8. Damit kann ich leben. :-)

    Allerdings liegt das dann eher am zu zögerlichen Blogpost im OpenBC Blog. Wenn schon offen & transparent, dann auch konsequent durchgezogen. Ein wenig mehr Mut und Klarheit dort, hätte das Gesamtbild sicherlich verschoben. Aber wer fragt mich schon. ;-)

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  9. Übrigens danke für das Anpassen der Schrift bei den Kommentaren. Sehr viel angenehmer jetzt!

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