8.8.06

Eskalation und Deeskalation

Dass Krieg immer schrecklich ist und Leid und Tod bedeutet, ist das eine - und für Krieg gibt es keine Entschuldigung. Dass aber aus der sicheren Perspektive des eigenen Wohnzimmers Emotionen eskaliert werden, ist das andere. Grandioses Beispiel dafür ist, dass Wolfgang Radau in einem Kommentar auf wz-online schreibt, Israel habe eine
unverhältnismäßige Vernichtungsmaschinerie angeworfen,
was an Absurdität kaum zu überbieten ist.

Andererseits haben meine Jungs gestern abend Logo gesehen, wo ausführlich über den Krieg berichtet wurde. Mir schien das im ersten Schritt recht tendenziös zu sein, weil leidende Menschen nur im Libanon gezeigt wurden. Aber mein Dritter (viereinhalb) fasste das Thema beim Insbettgehen so zusammen:
Die machen da Krieg und schießen, weil sie die Raketenwerfer kaputtmachen wollen.
Hut ab vor Logo und seinen Redakteuren, die in der Lage sind, so kleinen Kindern so gut zu erklären, was da passiert.

Da ich immer noch die Online-Lücke des Urlaubs aufarbeite, sei in dem Zusammenhang auch noch auf die auf die wahre Geschichte hinter diesem schrecklichen Bild verwiesen, auf dem Kinder Bomben für den Libanon beschriften. (via Heiko Hebig). Wieder einmal ein kleines Steinchen, die gängigen und subkutan antijüdischen Vorurteile zu erschüttern, die mir in jedem zweiten Gespräch begegnen.

Kommentare:

  1. Anonym8.8.06

    "Wolfgang Radau in einem Kommentar auf wz-online schreibt, Israel habe eine
    unverhältnismäßige Vernichtungsmaschinerie angeworfen,
    was an Absurdität kaum zu überbieten ist."

    Der Kommentar scheint mir angebracht: Ein Sprachmonster - unabhängig von der Bewertung der politischen Hintergründe. Die Vorstellung einer verhältnismäßigen Vernichtungsmaschinerie scheint mir ebenso absurd.
    Gruß aus Frankfurt
    Martin Flörkemeier

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  2. ja das auch, denke ich - aber auch einen Krieg mit je 1000 Toten auf beiden Seiten (so schrecklich die sind) sprachlich auf eine Ebene mit dem Vernichtungskrieg Deutschlands in Russland zu heben, ist mehr als grotesk. Ob ihm das bewusst war?

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  3. Ich schätze Dein Eintreten für Israel und die Israelis. Im Grunde.
    In der aktuellen Situation finde ich es jedoch schwer, Dir zu folgen.
    Ja, es gibt ein Recht auf Selbstverteidigung. Ja, Rhetorik und Handeln der Hisbollah sind verabscheuenswürdig.
    Aber nein, all das kann nicht rechtfertigen, was die israelische Armee derzeit dem Libanon antut. 1000 Tote gab es übrigens auf Libanesischer Seite. Auf der Israelischen waren es - schlimm genug - nur 100.
    Zum Abschluss ein Zitat von Meir Shalev aus dem aktuellen Spiegel: "Der Grund für den Krieg war ein gerechter, die Kriegführung ist es nicht."

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  4. naja, du wirst von mir kein Wort lesen, das das Vorgehen Israels bejubelt. Aber immer wieder und ganz viele, wenn eine verzerrende Berichterstattung in Hass oder Ablehnung umschlägt.

    Beispiele? Jenes Radau-Zitat, Teile der taz- und FR-Berichte, der groteske Stern-Titel.

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