2.5.06

Cor incurvatum*

Ich musste lächeln, als ich es heute früh auf der Fahrt nach Berlin hörte. Denn ich genieße in diesem Monat einmal die Audioversion der Zeit, um auf zumindest mal einer Bahnfahrt ein bisschen was vorgelesen zu bekommen. Ganz gut, auch wenn mir die männliche Stimme etwas zu pointiert-aggressiv erscheint.

Mit dabei ist jedenfalls immer nicht nur Martensteins wunderbare Kolumne, sondern auch Finis. Und da geht es diese Woche um eines der hübschen Themen, die Journalismus ausmachen:
Man kann ja mit Fug und Recht sagen, dass Journalismus, wie weiland Mörikes Lampe, erst da Größe erlangt und wirklich zur Kunst wird, wo er sich in schöner Freiheit von aller Faktenschwere löst und jenem Gegenstand sich widmet, worin er wahrhaft sich auskennt ? nämlich sich selber. (Die Zeit)
Es gehört ja zu den aparten Nebensträngen der langweiligen Blogs vs. Journalismus Diskussion, dass ausgerechnet Vertreter einer Zunft Blogs und Bloggern Selbstreferentialität vorwerfen, die derart selbstreferenziell ist, dass ich es manchmal nur mit beruflich bedingtem Intresse aushalten kann.

Anlass war in diesem Fall übrigens, auch das hübsch, jenes merkwürdige Stück über Wagner, das Thomas Leif für den NDR gedreht hatte...

David Weinberger hat damals beim Hamburger Vortrag bei Edelman auf dieses Thema ja gekontert, dass gerade Medien im Web derart in sich gekrümmt sind - indem sie nienich nach draußen linken, sondern bis zur Ekelgrenze die Leser auf der eigenen Seite zu halten suchen -, dass sich jedes hohe Ross durch ihre Vertreter von selbst verbiete. Recht hatte er. Und das Argument leuchtet meinen Schülern auch immer wieder ein.

* "das in sich gekrümmte Herz": Jene Mischung aus Hybris und Selbstbezogenheit, aus der der Mensch nach reformatorischer Lehre nur durch Glauben und Gnade erlöst werden kann.

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