30.9.05

wieder da, immer noch wandern

Eigentlich, meinte sie am Anfang des Sommers, sollte Schluss sein mit der Wanderarbeit. Sie vermisste ihre Kinder so sehr und irgendwie auch ihren Mann. Immerhin säuft der nicht. Aber Arbeit findet er trotzdem nicht. So wie sie. Sie hatte fast ein Jahr bei einer der Familien in der Straße geputzt, auch bei anderen in der Gegend, jeden Morgen kam sie mit der U-Bahn hier raus.

Ihre Idee war, einen Laden aufzumachen zu Hause in Polen. Kann sie bestimmt, meinte L., denn sie ist nett und kommunikativ und serviceorientiert. Hatte nie ne bessere Putzfrau, schade sie zu verlieren. Das war im Juni. Gestern war sie wieder da.

Sie hatte eine Menge gespart das Jahr in Hamburg und hätte wirklich anfangen können. Sie brauchte nur noch einen von den Existenzgründerkrediten. Ja, das gibt es auch in Polen. Super Sache. Und sie würde mit ihrem Mann und der ältesten Tochter zusammen im Laden stehn.

Sie hat den Kredit nicht bekommen. Denn dafür muss man die letzten beiden Jahre Arbeit gehabt haben. Im eigenen Land.

Müde sieht sie aus.

Das ist das Problem


Ja! Damit drückt Jörg Möllenkamp sehr genau und ganz undestruktiv aus, was die NLP-Kampagne Du bist Deutschland wirklich sagt und meint. Und artikuliert auch mein Unbehagen angesichts des massiven Auftritts der Medienhäuser.

Überhaupt finde ich ja, dass Medien eher die Aufgabe hätten, zu berichten, Reportagen zu machen und - getrennt davon - zu kommentieren. Und nicht Kampagnen zu fahren und selbstreferenziell Anlässe zu schaffen. Dafür gibt es Blogs. Ha! Vielleicht bin ich auch irgendwie altmodisch.

29.9.05

Du hast keine Zeit, denn du bist Deutschland

Nein, das ist keine Miesmacherei oder so was. Aber klar, dass bei einer starken Beanspruchung durch blöde Kampagnen manches durchs Rost fällt, was irrelevant ist. Beispielsweise der Versuch, im Vorfeld der WM darauf aufmerksam zu machen, dass die dafür massiv ansteigende Nachfrage nach Prostitution in diesem Land überwiegend durch Sklavinnen befriedigt werden wird.
Nun hat der Deutsche Frauenrat berühmte Fußballer angeschrieben, sich mit ihrer Vorbildfunktion gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel einzusetzen. Aber der DFB und auch die Sportler haben bessere, vielleicht ja auch lukrativere Kampagnen, für die sie sich einsetzen müssen. (Katja Husen, nicht im Mädchenpensionat)

Ich finde das ärgerlich.

Du bist Hotzenplotz


Mein Beitrag zur Kampagne Du bist Deutschland:

Du wunderst dich, dass die Kasper und die Seppl dich schon wieder überlistet haben? Das kann passieren und das geht vielen ebenso. Aber du musst auch nicht verstehen, warum die beiden dich für den Oberhalunken hielten. Schließlich haben sie dich jetzt lieb.

Es bringt ja auch nichts, immer nur schuld zu sein an der Misere dieses Landes, weil du der Großmutter die Kaffeemühle wegnehmen wolltest, die ihr die Enkel geschenkt hatten. Sei froh, dass die Kasper und die Seppl dich jetzt doch noch brauchen. Denn wenn du so lustig bist wie sie, sieht alles wieder gut aus. Und deine Räuberhöhle ist doch auch ganz nett, was willst du im schmucken Dorf?

Du bist Räuber Hotzenplotz.
Du bist Deutschland.


Hintergrund im Spreeblick.
Alle Beiträge sind in der Flickr-Group.
Mein Gegenmanifest.

28.9.05

Hahaha. Ich könnte mich ausschütten vor Begeisterung

Denn nun wissen wirs: Die Kampagne* löst Begeisterung aus:

Pressemitteilungsüberschriften können kaum eindeutiger sein - "Du bist Deutschland": Kampagnenauftakt löst Begeisterung aus. Fein so was.

Insbesondere die einschlägige Google-Suche zu dem Thema löst sicher auch Begeisterung bei den Initiatoren der Kampagne aus. Wie nett, dass ich Ende Oktober eine Podiumsdiskussion über Blogs moderiere, bei der auch Lars Cords, Partner von fischerAppelt, auf dem Podium sitzt...

* ab sofort blende ich hier im Blog in der Seitenleiste immer die zehn aktuellsten Motive ein. Sind ein paar hübsche Schätzchen dabei.

Topfen

Nein, nicht das Pseudohauptgericht, das ich nicht mag. Sondern die Tätigkeit, die zum gewünschten Ergebnis im Töpfchen führt.
Abgesehen davon, dass es eher eklig ist, das übers Töpfchen zu lösen. Wir haben alle drei bisher möglichst sofort aufs Große gesetzt. Irgendwie leicht wirr hier gerade...

Lila zieht einen hübschen und sehr treffenden Vergleich zur aktuell ambitionierten Regierungsbildung:
Warum erinnert mich das Zum-Vorschein-Kommen, das endlose Locken, Drohen, Spekulieren, Abstreiten, Schmeicheln und Knurren um die Regierungsbildung an die Töpfchensitzung mit der ehrgeizigen Mutter? Die Bevölkerung dagegen, vermute ich mal, ist bereit, so wie ich, die Berliner Hosenmätze noch eine Weile in Pampers rumlaufen zu lassen, bis das Ergebnis dann ins Töpfchen plumpst, ohne daß wir deswegen in großes Jubelgschrei ausbrechen. Erinnert nur mich die Ernennung des Kanzlers an den Töpfchen-Blues? (die wunderbare Lila in ihrem Blog aus der Entfernung)

Jetzt nicht mehr, Lila...

Das Deutschland bin ich schon eher


von diaet im Pool du bist deutschland bei Flickr, wo wunderbare Motive gesammelt sind

Ich liebe dieses Land. Wirklich. Es ist wunderschön: Die Marschen an der Nordsee, die Rhön, die Ostsee-Küsten, schroffe und liebliche Berge, weite Sicht.

Ich kenne hier viele Menschen, die ich mag und auf die ich stolz bin. Die kreativ sind und selbst denken können. Die nichts glauben, was ihnen merkwürdig vorkommt. Die jeden Tag aufs Neue aufwachen und leben wollen.

Ich freue mich, wenn die Nationalmannschaft guten Fußball spielt und meine Jungs glücklich macht. Ich freue mich, wenn ich wieder nach Hause komme, das für mich auch Heimat ist. Ich mag unsere Sprache. Ich bin einverstanden, wenn wir bescheiden und selbstbewusst zugleich sind.

Aber ich mag keine Ideologen des vermeintlichen Verfalls. Ich mag die Extremisten nicht, die andere als Gutmenschen diffamieren. Mich beschämen Flachdenker und Blödtexter, die von einer fehlenden Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Deutschlandbahn faseln. Und deren Deutschland bin ich nicht...

Update 29.9.:
Mein Motiv zur Kampagne

26.9.05

Das Deutschland bin ich nicht

Ich hatte mir fest vorgenommen, nichts drüber zu schreiben. Aber dann habe ich eben den TV-Spot zur Du bist Deutschland Kampagne gesehen. Und muss nun doch schreiben und mich dem anschließen, was Johnny, Pictor, Don und andere schon im Laufe des Tages gesagt haben:

Die ist so scheiße, dass man es gar nicht laut genug sagen kann.

Das ist nicht nur die ewig gleiche beknackte Volksverdummung und undemokratische Gleichschaltungsidiotie, es ist auch noch geschmacklos, weinerlich, eklig und schleimig. Pfui. Das Deutschland bin ich nicht.

Was mich übrigens daran am meisten ärgert: Dieselben Pfeiffen, die erst jahrelang dieses Land schlecht geredet und geschrieben haben, schwingen sich jetzt als Pseudo-Muntermacher auf mit der NLP-Botschaft, dass ich alles schaffen kann, wenn ich nur will. Das ist Sektengewäsch und vordemokratische Ruck-Romantik. Nochmal Pfui. Doppelpfui sogar.

25.9.05

wilde HSV-Euphorie


Nach dem Sieg gegen die Bayern: HSV wird das erste Wort sein, das die Lütte lernen wird. Wer wird Deutscher Meister ist das erste Lied, das Jul auswendig kann. Mein lauter HSV-Fanchor jedenfalls...

Dan hat gerade festgestellt, dass der letzte Sieg seines HSV gegen die Bayern wenige Tag nach seiner Geburt war. Wenn das kein gutes Omen ist. Wofür auch immer.

23.9.05

Was ich an der FTD mag

Ja, merkwürdig: Obwohl im Prinzip recht eindeutig neoliberal positioniert; obwohl weitgehend ohne Tiefe; obwohl auf unmöglichem Papier - irgendwie mag ich die FTD oft. Und das liegt vor allem daran, dass sie eine für Deutschland ungewöhnlich Debattenkultur und Meinungsstärke hat.

Nun sind Medien in Deutschland immer sehr voller Meinungen. Aber während die sich sonst oft fast unkenntlich in "normaler" Berichterstattung verstecken oder - überzeichnet - in Kommentaren latent bigott gefeiert werden, hat die FTD Kolumnen ihrer Redakteure und Experten. Das ist was anderes. Und es ist oft überraschend.

Hin und wieder stolpere ich beispielsweise über ihren "Chefökonom" Thomas Fricke. Heute beispielsweise schreibt er über beknackte Reformpäpste und klügere Wähler:
Seit Sonntag wird über uneinsichtige, weil angeblich reformunwillige Wähler lamentiert. Dabei sind die Leute womöglich ziemlich schlau gewesen, und Deutschland bräuchte dringend bessere Reformpäpste. (FTD)

Und dann führt er noch einmal kompakt vor, dass es unplausibel ist, dass die Allheilrezepte, die seit Jahren angewendet werden, nun endlich das bringen sollen, was sie seit Jahren nicht gebracht haben. Das mir einleuchtendste Beispiel hat er aus Dänemark.

(Ich bring das mal hier, weil ja die Skandinavier von uns Grünen Reformern immer als Beispiel gebracht werden und dann die Neoliberalen einwenden, dass dort ja sehr schmerzhafte Reformen gemacht worden seien, die hier nie durchkämen, was nur dann stimmt, wenn man eben einzelne Maßnahmen betrachtet und nicht auch die Trostpflaster, die mitverteilt wurden, Björn)
Im viel gelobten Dänemark gibt es keinen Kündigungsschutz, dafür erhalten Entlassene vier Jahre Arbeitslosengeld bis zu 90 Prozent des letzten Gehalts. Auf so einen Deal ließen sich wohl auch die angeblich so scheuen Deutschen ein; hier soll es weniger Kündigungsschutz und weniger Leistung geben. Das fänden auch die Dänen nicht so prima. (FTD)

Die Kolumnen gehören inzwischen zu meinen liebsten RSS-Feeds. Hier ist die Feed-URL.

Ach nee...

Vollkommen überrascht kam Stoiber aus den Gesprächen zwischen Union und Grünen:
Es sei klar geworden, dass die Gegensätze "doch sehr groß" seien, sagte Stoiber. (so die Netzeitung)

Wie kommt das bloß? Ich dachte immer, die wären quasi Zwillinge in Haltung und Geist!

Hochzeitsgeschenk

Vom Schulleiter meines Gymnasiums hieß es, er habe einem Lehrer, der unmittelbar, nachdem seine Braut das Abitur an seiner Schule bestanden hatte, heiratete, das deutsche Scheidungsrecht als Buch geschenkt. Das war vor dem Internet. Ob die Geschichte stimmt, weiß ich nicht - zugetraut hat es ihm damals jeder (ebenso wie dem Lehrer, der angeblich seine Schülerin geheiratet hat - und wofür es, wenn ich es Recht bedenke, ebenfalls keine Bestätigung gab).

Ab nächster Woche kann jeder mit Sinn für Zynismus und besten Feinden es ihm jedenfalls nachtun. Denn am 28.9. erscheint erstmals eine neue Zeitschrift: RosenKrieg - das Magazin für Trennung, Scheidung und Neuanfang. Worum es geht, verrät die Pressemitteilung, die vor wenigen Minuten veröffentlicht wurde:
(D)as neue Magazin befriedigt den immensen Informationsbedarf. ... Wir bringen unseren Lesern aktuelles Recht verständlich und mit vielen Fallbeispielen näher und damit die Gefühle nicht auf der Strecke bleiben, geht es in RosenKrieg auch um Herz und Schmerz.

Wie scheiße.

22.9.05

Starttermin Hotzenplotz

So - nun steht es fest. Dass er kommt, hab ich ja schon geschrieben. Nun schon mal vormerken: Am 30. März 2006 geht es los.

Obwohl: Ob B das sehr witzig findet, wenn ich mit den Jungs an ihrem Geburtstag in Kino renne? Oder sollte ich sie damit überraschen?

Gebucht

Am 3.1. dieses Jahres habe ich angekündigt:
Wir werden es wieder tun, nächstes Jahr. Auch, weil auf den Osterberg ganz überwiegend nette Menschen kommen...

Es ging um die Sylvesterfeier als Familienkurs auf dem Osterberg bei Plön. Und ja: Wir gönnen es uns wieder und haben gebucht. Es war immerhin das schönste Sylvester, das wir je hatten.
(Was uns die Menschen, mit denen wir ansonsten schon gefeiert haben, bitte nicht übel nehmen mögen - mit euch war es auch toll, aber da könnt ihr mal sehn, wie unglaublich gut die Tage dort waren. Vielleicht, weil es eben nicht nur die Feier ist, sondern auch ein Innehalten und ein echter Abschluss. Und weil die Kinder sich dort so wohl fühlen.)

Einmal alles in einer Grafik


Von Tim O'Reilly zusammengestellt: Eine Meme-Map zu Web 2.0. Nicht beliebig übersichtlich, aber für mich als latent enzyklopädisch veranlagten Menschen sehr hilfreich.

Vom Prinzip her könnte so was der Ein- oder Ausstieg meiner Vorträge zu diesem Thema sein. Eher Ausstieg wahrscheinlich, man will die Leute ja nicht gleich verstören. Mal sehn.

via Lummaland
Klick aufs Bild für große Grafik...

liberale Gesellschaft mit Werten

Was geht mir das Gejammer über das Wahlergebnis auf den Keks. Und was lache ich, wenn ich dieser Tage die Neocon-Blogs lese, die zwar keinen Wahlkampf mehr machen, aber wahrscheinlich aufgrund ihrer grenzenlosen Dummheit (oder - da sich eine Reihe IP-Adressen ihrer Autoren mit Unis verknüpfen lassen - vielleicht auch einfach nur, weil sie sehr jung und aufgestachelt und lebensunerfahren sind) greinen und geifern. Vorläufiger Höhepunkt heute: Das Staatsstreich-Genöle. Hihi. Und das ausgerechnet von diesen Leuten.

Was mich aber wirklich stört, ist, wenn die Flachdenker das Wort liberal besetzen. Was bitte soll liberal sein an dem Wunsch, diese Gesellschaft zu zerstören? (Und - Hallo! - ich rede von Gesellschaft, nicht von Republik oder System. Ich unterstelle denen nicht automatisch, dass sie neben der Zivilgesellschaft auch den Staat und die Verfassung ummodeln wollen. Das nur mal zur Klarstellung.)

Eine sehr gute Replik auf die Pessimisten von der Neocon-Front und aus den Reihen der Ex-Liberalen schreibt in der heutigen Zeit Gunter Hofmann: Der Wähler, dieser Lümmel

*soifz*

Auch nach so vielen Jahren im Verkauf ist es für mich schwer, wenn es erst nicht schnell genug gehen kann - und sich dann immer länger hinzieht. Aber Geduld war noch nie meine herausragendste Eigenschaft.

21.9.05

Ein Wort zu Fischer

Nein, wirklich mochte ich Fischer nie, das hab ich ja auch oft und immer wieder gesagt. Sein Abgang hatte aber Stil und passte zu ihm. Wäre er bloß nicht Außenminister damals geworden, sondern Innenminister. Naja.

Wie immer treffend kommentiert Weltregierung:
Joschka ist der Mann, der Demokratie verkörpert, die von Menschen gemacht wird, die wütend und selbstbewusst in das PArlament gehen.....

Für die großkopferten, opportunistischen Pfründe-Sicherer ist seine Steinewerfer, Turnschuh Vergangenheit ein rotes Tuch - für mich hat Herr Fischer dadurch mehr Cred als die ganzen Krawatten-Anzug-Schwuchteln, die ich mir die letzten 20 Jahre in diesem Theater anschauen musste.

Eben. Und nicht nur deshalb wird es nix mit Jamaika, was immer die Flachpfeiffen trällern mögen angesichts dieses Rückzugs...

EDIT 22.9.
In der Zeit von heute ist dann noch ein mehr als nur lesenswerter als Zwischenruf getarnter politischer Nachruf auf Fischer von Bernd Ulrich, der ihn zwanzig Jahre begleitet hat...
Und auch in der FTD ist eine mehr als nur freundliche Kolumne von Thomas Klau aus Brüssel zu lesen.

Eine persönliche Bemerkung dann noch von mir:
Ich bin nach dem großen Parteitag Himmelfahrt 1999 (?) bei den Grünen eingetreten, als sie die aus meiner Sicht falsche Entscheidung für Krieg gefällt haben - das aber nach einer ergreifenden Diskussion, die ich aufgeregt und aufgewühlt am Fernseher verfolgt hatte. Fischer war ganz großartig, wenn auch anderer Meinung als ich. Für mich die Sternstunde an politischer Kultur in den sieben Jahren rotgrün und eine stellvertretende Diskussion für eine ganze Gesellschaft.
Vorher war ich ja lange (und zwei Mal) in der SPD - und ausgetreten, als niemand bereit war, gegen Schröder zu kandidieren um den Parteivorsitz (zum ersten Mal ausgetreten war ich nach den unsäglichen Petersberger Beschlüssen, die der Anfang vom Ende Björn Engholms als Vorsitzender waren).

ARD auf schwarzgrünem Kurs

Schon lustig: Jens Riewa mit grünem Schlips zu schwarzem Anzug um Viertel nach Acht. Nix mehr mit Neutralität. Das waren noch Zeiten, als Werner Veigel mit rosa Hemden auftrat. Hachja.

(außerdem gucken seine Manschetten etwas zu weit raus. Will wohl die teuren Manschettenknöpfe zeigen. Fatzke!)

20.9.05

Jamaika

Ich bin kein Typ für Fernreisen. Mit vier Kindern ist das ohnehin fast nie finanzierbar. Das nur mal am Rande.

Trotzdem wird dieses Reiseziel gerade an der grünen Basis diskutiert. Ich hätte nicht gedacht, dass es jenseits der "Lager" dabei eine Grundsympathie für diese Option gibt. Lustig. Gebe ich also auch mal meinen unmaßgeblichen Senf dazu ab:

Habituell steht mir die CDU näher als die SPD, das habe ich ja schon öfter gesagt. Politisch sind beide ohnehin gleich weit weg von Grüner Programmatik. Ich habe auch in Hamburg schon für schwarzgrüne Bündnisse plädiert.
Anders sehe ich das aber bei der FDP: Sie ist unser eigentlicher Konkurrent um Stimmen jenseits des klassischen Stammpotenzials aus den emanzipatorischen Bewegungen. In vielen Familien in meinem Umfeld fällt heute die Wahlentscheidung zwischen FDP und Grün. Eine Zusammenarbeit schließt sich deshalb schon strategisch eher aus.

Gleichzeitig entsteht zurzeit eine große Welle der Sympathie für eine Jamaika-Ampel, die Grüne insofern reiten sollten, als wir sie nicht ausschließen. In den Trollhöhlen der FDP-nahen Neocon-Blogs wird ja schon gegreint, dass die Grünen den Preis hochtreiben wollen und die wahren Kanzlermacher sein werden. Das ist doch eine geile Situation!

Wenn wir uns durchsetzen - was spricht dann dagegen? Zumal das nicht wahrscheinlich ist (außer, die Rechten wollen soooo dringend an die Macht, dass sie uns weit entgegen kommen). Ich glaube, die Grünen hatten noch nie eine so gute strategische Situation wie heute. Zumal auch ein Linksbündnis denkbar ist. Wenn bei dieser Perspektive die ersten Neocons in den Kommentaren die Maske fallen lassen und den Lieblingsartikel aller Verfassungfeinde zitieren (Art. 20 Abs. 4 GG), wäre das allein dafür schon den Spaß wert....

EDIT
Auf neue Gedanken, die mir nach der Lektüre des Artikels von Joachim Raschke heute in der taz gekommen sind, gehe ich im Wahlblog ein. Es bleiben die Bedenken, aber ich sehe auch die Chancen.

19.9.05

Was denken die denn?

Manchmal glaube ich ja fast, manche von den jungen Akademikern leben auf dem Mond. Eben fragt mich jemand, ob ich einen Tipp geben könnte, was so in unserer Unternehmensgruppe verdient werden könnte und so weiter. Abgesehen davon, dass ich das weder kann noch will - es stellte sich raus, es geht um eine promovierte Volkswirtin, die den Berufseinstieg sucht, eine Anzeige gesehen hatte und überlegt, sich zu berwerben.

So weit fein, ist ja nun wirklich nicht trivial zurzeit einen Einstiegsjob zu bekommen. Und dann Kontakte anzuzapfen, finde ich gut. Aber ihre Idee ist offenbar, dass sie nicht unter 5000 EUR anfangen will. Und mein Gesprächspartner, der das ungefähr genauso lächerlich fand wie ich, berichtete davon, dass dieser Realitätsverlust kein Einzelfall sei, der ihm in letzter Zeit begegnet sei. Bitte?

Naja, sie wird sicher in ein bis zwei Wochen auf dem harten Boden der Realität aufschlagen...

Willkommen in der Normalität

Ich weiß wirklich nicht, was an dem Wahlergebnis so überraschend sein soll. Mal abgesehen von den sieben ihrer knapp zehn Prozent, die die Ex-Liberalen von der CDU abbekommen haben. Das Ergebnis zeigt doch vor allem, dass wir in diesem Land in der Normalität der meisten Demokratien und Demokraturen angekommen sind: Das Land ist gespalten in zwei fast genau gleich große Lager. Ob in Frankreich, in Italien, in den meisten skandinavischen Ländern, den USA oder wasweißichnoch - überall haben die beiden Lager ungefähr je 50%.

Mir zeigt das vor allem, dass die Welt zu kompliziert für einfache Lösungen ist. Und ob ich dann eine Hauruckmethode bevorzuge mit Mehrheitswahlrecht oder besser finde, dass die "Lager" gezwungen werden, hin und wieder einen Kompromiss zu schließen, das ist dann fast mehr Geschmackssache als Ideologie, oder?

Lustig eher, dass formal langsam Willys Vision von der Mehrheit links von der Mitte Wirklichkeit ist (wenn ich die Linkskonservativen als links bezeichnen will). Dass Schröder Recht hatte, als er 1998 von einer Epoche sprach, die eine "natürliche" Mehrheit links von der Mitte habe.

Nett auch, dass die CSU dieses Mal den Löwenanteil (rund 50% gehen allein auf das Konto der CSU) zu den Verlusten der Union beigetragen hat. Auch wenn das sicher nicht an ihrem grottigen Internetwahlkampf lag.

Schade um meine Grünen. Aber immerhin beruhigend, dass sie acht Prozent stabil als eigene Wählerschaft haben. Denn die Wanderungen von der SPD zu uns waren ja minimal. Und in Hamburg über 14% ist auch schön. Hoffentlich reicht es für zwei Abgeordnete...

Ansonsten bin ich überrascht, dass nicht nur Journalisten, sondern - wenn man den Call-In-Sendungen im Radio und den Reaktionen in den Büros so glaubt - auch viele echte Menschen Schröder echt ätzend fanden gestern. Und nicht so witzig wie ich es fand. Die werden dann auch nur halb so viel Spaß wie ich an all dem haben, was Don Alphonso gerade raus rotzt (jedes Wort ein Link, doo).

Zweimal im Jahr muss das sein, immer

Obwohl es mir damit in manchen Gegeden der Körpers nur mittelgut geht heute - gestern war das erste von ungefähr zwei Malen, die ich im Jahr auf Zwiebelkuchen und Federweißem bestehe. Und da es schon Pfälzer gab, haben wir das Fingerfood, das es vorm Fernseher geben sollte für die Wahlparty, neben Pizza um eben diesen Zwiebelkuchen erweitert (obwohl er dann doch nicht mit den Fingern zu essen war, aber das ist eine andere Geschichte). Lecker. Und der Saale-Unstrut-Sekt blieb zu. War auch nicht nötig - bei der Brause, die dieser Most so früh im Jahr noch ist...

18.9.05

Die Katze ist aus dem Sack

Da! Hat er es doch rausgelassen - er will eine Große Koalition unter seiner Führung. Lustig fand ich, wie der Merkel das Gesicht rausgerutscht ist und das Lächeln zur Fratze gerann. Und der blöde Brender hat erst mal gestottert. Warum war das so schwer zu erraten?

Ich bin mal gespannt auf die Überhangmandate aus dem Osten - es sieht ja so aus, als ob die SPD fast alle Wahlkreise im Norden und Nordosten gewonnen hat...

EDIT
Tja, und da lässt die ARD genau das vermuten. Das wird noch so was von lustig....

Merkel ist völlig durch den Wind

B meint ja, dass die Jungs da im Studio voll frauenfeindlich sind. Aber ich biege mich vor Lachen, wie überrascht sie war, als Schröder sie voll auflaufen ließ. Fischer ist irgendwie schwach, aber er hats auch schwer neben dem grinsenden Tanzbär. Das ist so geil. Und jetzt greint auch noch die Bayernfresse, bekommt aber sogar ein paar Sätze zusammenhängend heraus.

Der Guido aber hat wahrscheinlich Recht, als er fragte, was der Schröder vor dem Auftritt genommen hat. Ich schätze ja, der ist total besoffen oder zugekifft oder so was. Das ist sooo geil. So viel Spaß hatte ich lange nicht beim Fernsehen....

Vielleicht spielt Schröder auch nur auf volles Risiko: So wie Merkel und Co sich aus dem Fenster gelehnt haben (die stärkste Fraktion stellt den Kanzler) - was ist, wenn es doch noch dazu kommt, dass die SPD etwas stärker wird? Die Überhangsmandate scheinen ja eher für die SPD zu kommen. Das wird immer witziger hier...

Merkwürdige Art von Humor

Der Kanzler hat schon eine merkwürdige Art von Humor. OK, der Depp vom ZDF hat es ihm auch allzu leicht gemacht in der BonnerBerliner Runde - aber wir haben jedenfalls herzhaft gelacht über den Auftritt. Irgendwie in Straußchem Format, finde ich.

Was mich nur wundert: Warum redet niemand davon, dass Schröder offenbar eine Große Koalition will unter seiner Führung? Und dass die Jungs vom Andenpaktck da sicher mitspielen werden, damit sie die doofe Angie los sind. Jungs sind so. Ich weiß das. Ich hab selbst drei und war ja auch mal einer. Alle keine Eier.

17.9.05

Ein Humor, den ich mag

Christiane hat gestern den Rollstuhlplatz in der TriBühne Noderstedt ausprobiert. Ihr Fazit:
Gut, wenn man einen Freund hat, der blind ist und der gerne den Platz tauscht.

Behindertenparkplatz » Blog Archive » Exquisiter Rollstuhlplatz

16.9.05

Man muss sich ja ranhalten

Irgendwie pervers - aber wenn wir jetzt nicht buchen, bekommen wir keine Häuser mehr für den Sommer. Eigentlich wollten wir nach Finnland, aber die Fahrt ist uns mit der Lütten etwas weit. Wird also mal wieder Laesoe werden, oben im Kattegat:



Die Insel mögen wir wirklich gern und die drei Großen erinnern sich auch noch dran. Im Sommer wird es richtig schön da. Das Haus ist nicht spektakulär, aber schön, halbwegs neu und groß genug.

Auch hier: Wahlempfehlung

Regelmäßige Besucher dieses Notizbuchs werden nicht überrascht sein, wenn ich dazu stehe, dass ich grün wähle und euch empfehle, es auch zu tun. Vor allem deshalb, weil eine Stimme für die Grünen die einzige Möglichkeit ist, nicht schuld an Merkel zu sein.



Ich denke, wir haben faktisch drei Möglichkeiten: Entweder Rotgrün bekommt die Mehrheit, Schwarzgelb bekommt sie, oder es gibt eine Große Koalition unter Merkel. Eine Zweitstimme für die SPD kann die Große Koalition nicht verhindern. Für die Linkskonservativen zu stimmen, führt ebenfalls ziemlich direkt dahin. Insofern steht wirklich, wie Merkel es auch meint, eine Richtungswahl an - und für die Richtung sozialer und liberaler Reformen steht so eindeutig nur grün.

Ich selbst werde schweren Herzens mit der Erststimme den SPD-Kandidaten Ortwin Runde wählen, den ich allerdings persönlich auch ganz gerne mag und lange kenne - denn in unserem Wahlkreis wird es eng werden.

Mit der Zweitstimme aber will ich
Reformen, Umweltpolitik und Freiheitsrechte.
Da wähle ich grün.
Macht das auch!


Fischer mag ich an sich nicht so sehr, das hab ich ja auch schon oft betont. Aber mir geht es um die Sache. Und darum auch noch der Hinweis auf seinen Brief an uns Wählerinnen und Wähler (pdf, 497kB), in dem er um eure Unterstützung bittet.

Und wem das immer noch nicht reicht, dem sei das Drei-Minuten-Spiel empfohlen, das etwas lahm beginnt, aber eine überraschende Pointe entwickelt...

15.9.05

Parallele Welten

Nein, ich sage auch nichts zu dem SpOn-Artikel über Wahlblogs, weil er vor allem eines illustriert: Patalong hat wieder einmal nicht verstanden, was für Blogger den Reiz des Bloggen ausmacht. Damit steht er nicht allein. Die Erfahrung mache ich jedes Mal, wenn ich mit Berufskommunikatoren zusammen komme: Die meisten haben inzwischen schon mal das Wort Blog gehört. Fast keiner habt eine nur halbwegs genauere Vorstellung, was das sei. Und wenn mal jemand eine Andeutung macht - wie gestern abend Cornelia Kunze, die Chefin von Edelman Deutschland, auf dem Podium, das ich moderiert habe -, ist bei den anderen eine Mischung aus nickendem und betretenem Schweigen zu vernehmen.

Aber so weit ist es klar und normal. Blogs spielen nun einmal außerhalb ihrer Szene faktisch keine Rolle - solange, bis mehr oder weniger durch Zufall eine Geschichte aus Blogs in die richtige Welt schwappt. Das wird auch zunehmen, vor allem durch Blogs, die von unzufriedenen Mitarbeitern geführt werden. Aber zunehmen ist ja auch relativ. Und wenn man vom Nullpunkt aus kommt, sind Kleinstschritte mit riesigen Prozentzahlen verbunden.

Überraschend aber ist für mich immer wieder, wenn selbst PR-Menschen, die sich schon intensiver mit Blogs auseinander gesetzt haben und die vielleicht sogar verstanden haben, dass Blogs Gesprächsräume sind und keine Verlängerung von klassischen Online-Medien in den Amateurbereich (was wiederum offenbar die meisten Medien glauben, die Blogs starten, was - das nur mal am Rande - meines Erachtens der Hauptgrund ist, warum es außer Thomas Knüwer irgendwie fast kein anderes Blog innerhalb von Online-Medien gibt), wenn also selbst solche Kolleginnen und Kollegen beispielsweise noch nie vom Frosta-Blog gehört haben.

Mehr und mehr wird mir klar, dass Blogs und Blogger in einer parallelen Welt leben, die nur hin und wieder in die andere hinein reicht. Will ich Menschen in jener Welt erreichen, muss ich selbst reingehen. Aber fast nie wird das etwas für diese Welt bedeuten. Macht nix.

14.9.05

Noch mal zur Flat Tax

Und dann soll auch Schluss sein damit. Aber es ist ja schon merkwürdig, dass immer wieder damit argumentiert wird, Kirchhof oder auch schon das CDU-Modell würde dazu führen, dass endlich die "Reichen" auch mal wieder Steuern zahlen.

Dieses Argument geht wie die meisten Argumente der CDU leider auch völlig ins Leere. Denn: Seit Kohl abgelöst wurde, zahlen die Reichen auch wieder Steuern. Nicht zu kanpp übrigens. Auf die dafür immer gerne exemplarisch herangezogene Statistik eines der reichsten Orte in diesem Land - Bad Homburg - weist Andre Fiebig von finanso.de hin. Er zitiert aus dem nicht frei im Web zugänglichen Artikel der linker Eiferei unverdächtigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Während in Bad Homburg 1996 noch -2 Mio Steuern aufliefen (also Geld ausgezahlt wurde), stiegen die Einnahmen auf über 100 Mio, 2002 sogar auf über 180 Mio. Ein Baustein dabei war der Abbau von Schlupflöchern durch Rotgrün.

Fazit:
Während also die unteren Einkommensgruppen entweder gar nicht entlastet oder sogar noch belastet werden sollen, würden obere Einkommengruppen massiv entlastet - da die vermeintlich noch ausstehende Belastung durch das Ende der Ausnahmen bereits in den letzten sieben Jahren eingeführt wurde.
Damit ist die CDU in Bezug auf die Steuern eigentlich nur noch für sehr Reiche oder für sehr Kinderreiche (durch die sehr hohen Freibeträge) wählbar. Und auch das nur, wenn deren Interesse an Gemeinwohl oder Gerechtigkeit nahe 0 ist.

1-A Kompetenz

Heute noch als Kommunikationsagentur eine Website mit Frames zu haben ist das eine. Das andere ist die ungewöhnlich originelle und aussagekräftige Selbstbeschreibung, wie sie die "einzige Kommunikationsberatung in Deutschland, die unabhängig im Markt operiert und gleichzeitig Exclusive Associale Partner des Marktführers ist", in ihrer Anzeige formuliert (beispielsweise auf der Rückseite des aktuellen Pressesprecher, 07/05):
Unser Grundsatz: Schärfen der Identität von Unternehmen und Marken zur Schaffung einer nachhaltigen Differenzierung in Markt und Medien unter Berücksichtigung der Werttreiber unserer Klienten.

Schön, oder?

geht doch

OK, Norwegen ist nicht das größte Land Europas. Und ja, dort haben die Rechtsradikalen massiv gewonnen. Aber der eigentlich Wahlsieger ist Rotgrün. Nehmen wir das doch einfach mal als Ermutigung. Und noch ein oder zwei solche Aktionen der Union oder ein weiterer Merz oder so was, und wir brauchen uns gar keine Sorgen mehr zu machen.

13.9.05

Somalia

Normalerweise mag ich seinen Zynismus nicht in den Kommentaren im Wahlblog. Heute aber macht S. Wallmann einen passenden Kommentar zu meinen Beobachtungen über die Verunsicherung so vieler Menschen in meinem Umfeld:
Der einzige Ehrliche ist Gysi. Er sagt, er will nicht regieren. Als er mal in Berlin an der Stadtregierung beteiligt war, hat er das auch schnell wahr gemacht. Die Schwarzen und die Gelben wollen nur zusammen regieren oder gar nicht. Die Roten und die Grünen halten es ebenso.
Also regiert bald keiner. Wäre doch ein Experiment wert. Keine Regierung gibt es nur in Somalia. Deutschland könnte zum Vorbild für die gesamte Welt werden. (Kommentar Wallmann im Wahlblog)

Wie gut, dass das Szenario nicht eintritt, weil Rotgrün gewinnt und die Ex-Liberalen unter fünf bleiben...

sauber verlassen

So ist das, wenn man mit lauter Kommunikatoren in einem Haus zu Gast ist, das normalerweise eher von normalen Mittelständlern genutzt wird. Das lautstarke Schild an der Toilettentür war jedenfalls ein wichtiger Gesprächsgegenstand:
Bitte die Toiletten sauber verlassen!

Haben wir gemacht. Alle.

12.9.05

Als Ami darf er das sagen

Was ist das Geschrei groß, wenn Blogs als Bürger-Journalismus oder so bezeichnet werden. Da sind die Diskussionen in der Fachwelt teils weiter. Ich war nicht auf der Medienwoche in Berlin, sondern lese jetzt nur, was die Fachdienste zusammen fassen. Und ein Zitat von Nick Wrenn, Chefredakteur von CNN International, das der kress* Freitag brachte, ist doch hübsch:
Citizen Journalism ist zur neuen Realität und zu einer wichtigen Quelle geworden. ... Ob Augenzeugenvideos und Fotos vom Handy, E-Mails oder Weblogs - das ist die neue Form der Agentur, und wir sehen sie als Verbündete, nicht als Konkurrenten.

Fettung von mir - denn das ist ein eher neuer Aspekt, finde ich. Bin gespannt, wie die Großmutter meines Arbeitnehmers das sieht.

Christiane, was denkst du?

* das sind die, bei denen ein wirrer Liebling des Monats rauskam.

11.9.05

Anstrengung, Entscheidung


So ein verkaufsoffener Sonntag ist anstrengend. Irgendwie blöd, sich mit hunderttausend anderen Verrückten in die City zu begeben - aber was will man tun, wenn die Sonnabende mit Fußball draufgehen. Außerdem sind wir für freie Öffnungszeiten, da muss man so was ja unterstützen, oder?

Vorher noch mal auf die Suche gegangen nach einem Hof, auf dem Til und vielleicht auch wieder B reiten gehen können. Schade, dass der beste bei uns in der Gegend so sauteuer ist. Werden wir wohl trotzdem machen, er ist einfach um Klassen besser als alles, was es sonst so gibt. Und Til liebt Tölt...

9.9.05

passende Begleitung

Schön, bei einer kleinen ambulanten Operation von einer vertrauten Stimme begleitet zu werden. Ich höre ja kaum noch Radio, aber in der Praxis lief NDR2 und um die Zeit glücklicherweise mit Jan Malte Andresen nicht nur die imho schönste Stimme, die zurzeit hier im Norden im Radio zu hören ist, sondern auch ein sympathischer Mensch, mit dem ich häufiger beruflich zu tun habe. Gerade als der Arzt dann schnibbelte, spielte er auch noch Belfast Child die vollen guten sechs Minuten. Tat trotzdem weh.

8.9.05

Wort der Woche

Für einen unpolemischen Beitrag über fehlende lesbare Journalistenblogs auf Arbeitgeber-Domains findet Felix eine hübsche Überschrift, die mein Wort der Woche ist:
proidiotische, rechtsdrehende journalisten-kulturen

7.9.05

Premiere


Nach 13 Monaten und 10 Tagen bin ich heute abend das erste Mal unsere Wendeltreppe runter gefallen, die Wohnzimmer und Küche verbindet. Klar, dass ich die Lütte auf dem Arm hatte. Uns beiden ist glücklicherweise nichts passiert.

Wie in echt: der Wind dreht, das Wetter ändert sich

Lustig. Heute morgen sprach ich mit Nico im IM noch über die Frage, wie lange unser Wahlblog gehen wird:
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach says:
ich denke, bis nach der Wahl des Bundeskanzlers (sic!) geht es in jedem Fall.
Nico Lumma says:
du meinst, angie wird es nicht?
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach says:
weiß nich
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach says:
ich hab so das Gefühl, dass es noch dreht...

Tja, und dann kommt um kurz vor eins diese Nachricht rein: Der Wind dreht sich langsam. Und wer weiß, falls - was ich nicht glaube - die Ex-Liberalen doch noch etwas über 4,9% kommen - dann wollen die bestimmt lieber ins Bett als in die Opposition, die Opportunisten, und machen ne Ampel.

Hör ich da jemanden kotzen?

neu entdeckt: gutes Dialog-Blog

Gefällt mir: Kein Mädchenpensionat. Katja Husen aus Hamburg - das ist die mit dem Wiki zum Wahlprogrammpunkt über Neue Medien und so - und Marie Ringler aus Wien haben ein wunderschönes Dialog-Blog begonnen. Netter Titel, ironisches Design, gute Idee, elegant umgesetzt bei twoday. Und zwei wirklich gute grüne Frauen aus meiner Generation. Lesen!

Ja zu intelligenter Umweltpolitik

Auch wenn vor allem die Ex-Liberalen sie immer wieder zu Bremsern für dieses und jenes erklären: Moderne Umweltpolitik ist mehr als das Management von Katastrofen*. Sie hat vor allem damit zu tun, dass Kultur und Natur in einen sich gegenseitig vertragenden Zusammenhang gebracht werden. An der Basis ist dabei die Zeit der intensiven ideologischen Grabenkämpfe vorbei - mir scheint sogar eher, dass die oft unbedarften Umweltaktivisten vor Ort vor andere Karren gespannt werden (wie beispielsweise die Interessen von schon angesiedelten Hausbesitzern gegen Neuzuzieher). Und vieles ist auch leise und unspektakulär durchgesetzt worden in den letzten Jahren. Große Überschwemmungen wie diesen Sommer im Süden sind oft die letzten Ereignisse, die noch einmal den Blick auf das richten, was andernorts funktioniert mit Überschwemmungsflächen und gezielten Flutungen und so weiter. Dass Klimaschutz dazu gehören sollte, ist klar.

Schade, dass aus den anderen Parteien mit ganz wenigen Ausnahmen nahezu die gesamte umweltpolitische Kompetenz ausgewandert ist. Das war vor ein paar Jahren noch anders. Aber der Wechsel von Töpfer zu Merkel im Umweltministerium war ja schon damals grotesk und sagte alles. Scheer ist bei der SPD auch weitgehend isoliert. Und von den 4,9-Prozentern hat man auch seit Jahren nichts substanzielles mehr gehört (also auch nicht zu diesem Thema).


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* Weil neulich angesichts von profetisch schon mal jemand gefragt hat und zugleich als Freude für die Kaltmamsell: Einer meiner Lehrer an der Uni war Klaus Koch, der große Alttestamentler. Er war der Meinung (lange vor der Rechtschreibreform), dass es ziemlich beknackt sei, einen Buchstaben im Griechischen und im Hebräischen mit zwei Buchstaben in der lateinischen Schreibweise zu übersetzen. Das hat ihm nie eingeleuchtet. Zugleich hat er das seinerzeitige Standardwerk über die Profeten der hebräischen Bibel geschrieben, wo dann eben immer von Profeten die Rede war. Ein Schrulle, sicher, aber eine sympathische und freundliche und einleuchtende. Als er weg ging, haben wir die Fachschaftszeitung mit dem Satz aufgemacht: Er wird eine schwer zu phüllende Lücke hinterlassen...

6.9.05

Knülle

Wie machen die das hier in München? Das hab ich mich schon oft gefragt. Heute wieder. Ich bin jedenfalls nach einem Maß Hellem mitten am Tag ziemlich knülle. Essen die mehr dazu? Ich hatte durchaus eine Grundlage, mittags waren wir mit Kunden Essen. Am Ende des Tages - heute nehme ich einen späten Flug, das ist der, in dem es nach dem Start recht zügig nach Bier stinkt - jedenfalls dachte ich mir, dass bei diesem Wetter ein bisschen ausruhen im Biergarten am Chinesischen Turm fein wäre. Vielleicht hätte ich doch mehr als nur einen Obatzda essen sollen? (Wobei ich den wirklich mag, kenne ich als G'rupfter von der hessischen angeheirateten Verwandtschaft.)

Seitdem gehe ich ein bisschen wie auf Watte. Macht nix, ist auch nett, der Lärm der Stadt etwas gedämpft. Im Hofgarten war dann eine Gruppe, die eine aparte Mischung aus Zigeuner-Tango und Klezmer gespielt hat auf recht hohem Niveau. Das weckte wunderbare Erinnerungen und die Sehnsucht, die Klarinette selbst mal wieder auszupacken. Die allerdings ziemlich aufgearbeitet werden müsste, was wir erstmal verschoben haben - vielleicht auf die Zeit, bis Til sie spielen will. Redet er in letzter Zeit mehr von. Wäre schön. Ich freu mich auf zu Hause...

5.9.05

Amerika

Diese Mischung aus grenzenlosem Optimismus und einer tief verwurzelten Liberalität - das ist es, was ich immer schon an Amerika liebte, auch wenn ich nie länger als einige Wochen am Stück da war. Und auch wenn ich damit immer wieder mein Umfeld schocke: Die Mädchenfilme sind etwas, für das ich diesem Land dankbar bin. Komisch, oder? Aber im Kern geht es vielen - zumindest denen, die ich wirklich mag - auch immer wieder um genau dieses beides: Optimismus und Liberalität.

Damals in den 80ern, als Dirty Dancing in den Kinos war, fühlte ich mich etwas zu intellektualistisch und blasiert, um das zu erkennen. Zwar haben meine Tanzpartnerin und ich (obwohl wir uns nichts zu sagen hatten und uns nicht mal wirklich mochten) einen Mambowettbewerb nach dem anderen gewonnen. Aber den Film? Ibähbäh. Inzwischen gehört er zu meinen liebsten. Heute abend wieder einmal, beim Bügeln. Nicht dass ich immer noch heulen könnte, aber ich liebe diesen Kitsch.

Die beiden besten Sätze fallen ja ganz am Schluss: "Mein Baby gehört zu mir" und - wenig später - "Nun weiß ich, dass du deine Partnerin nicht in Schwierigkeiten gebracht hast". Warum nur musste ich bei dem zweiten diesmal plötzlich an Peter Hahne denken, der mir heute im Pressebereich des ZDF-Standes auf der IFA über den Weg lief?

2.9.05

FDP profetisch



Das ist doch mal ne Aussage, auch wenn sie - wie Nico anmerkt - damit die Idee der Grünen kopieren, mit Zustimmungsquoten zu werben.

Überhaupt die Ex-Liberalen. Auch sehr fein ist das neue Blog vom General. Auch dafür, Danke, Nico.

Da freu ich mich schon auf Felix bei der FDP - heute bei der CSU ja mal wieder sehr groß, wirklich, alles...

NewsReader2go

Ein bisschen stolz bin ich schon darauf. Denn es ist eine gute Idee gewesen. Denn es ist sehr gut umgesetzt. Denn es ist eine wirkliche Innovation.

Der ots.NewsReader ist mobil geworden

Erstmals können wir also eine wirkliche Alternative zu Web-Newsreadern anbieten, die trotzdem von verschiedenen Rechnern aus bedienbar ist*. Siegfried Hirsch hat ihn auch beschrieben und den Download verlinkt.

Was machen wir?

Zunächst ist der ots.NewsReader2go ein ganz normaler Newsreader mit der vollen Funkionalität (interne Volltextsuche, alle Formate, Vorschau usf.) und ein paar Kleinigkeiten, die besser sind als bei anderen (Tagging statt Ordner, Such-Agenten, Level, Abofunktionen, die direkt auf Portale zugreifen usf.). Neu ist, dass alle Komponenten, die für den Betrieb nötig sind, komplett auf einen USB-Stick kommen - und keine Einträge beispielsweise in die Registry machen. Auch alle Feeds werden auf dem Datenträger gespeichert, so dass alles überall dort zu Verfügung steht (auch der Status der Meldungen: read/unread), wo ich den Reader dann nutze. Der Reader ist also wirklich mobil und ich muss meine Feeds nicht mehr synchronisieren - hat also genau den bestechenden Vorteil, den bisher nur Web-Reader hatten. Zugleich hat er bei Geschwindigkeit, Datensicherheit und Funktionalität die Vorteile eines herkömmlichen Clients.

Weiterer Pluspunkt: Ich muss keine Software auf meinem Rechner installieren, was vor allem für unsere Nutzer in Unternehmen spannend ist, die ja oft genau das nicht einmal dürfen. Wir machen damit RSS zugänglich für Menschen, die sonst an ihrer IT vorbei nicht da dran kämen.

Ich bin gespannt, wie die Nutzer ihn annehmen. Für uns als news aktuell ist damit ein weiterer Schritt getan, um RSS zu helfen, eine "Normalanwendung" in der Online-Kommunikation zu werden. Das nämlich halten wir für hilfreich. Nicht nur, aber auch für uns. Logo, sonst täten wir es nicht.

* Das Ganze geht für Windows. Die allermeisten unserer Kunden und Nutzer bedienen wir damit optimal - auch wenn ich weiß, dass es nicht nur mich gibt, der zwischen den verschiedenen Plattformen hin und her wechselt.

Wahlkampfwirkungen der Neocons

Im Wahlblog hab ich noch mal auf die Wirkungen der Neocons auf den aktuellen Wahlkampf hingewiesen - am Beispiel der Kampagne gegen Trittin. In dem Zusammenhang ist auch Jörg-Olaf Schäfers in lautgeben.de sehr instruktiv mit seinem sauber recherchierten Hinweis auf die SpOn-Kampagne.

Die gesamte Kampagne ist auch deshalb so spannend, weil Trittin allein schon als Person ja bereits viele Menschen polarisiert. Die Neocons können hier also auf langfristig wirksamen Ressentiments in der Mitte der Gesellschaft aufsetzen und an die aktuelle Bild-Kampagne gegen den Minister anknüpfen, die sich rund um die Benzinpreise so hübsch macht. Dass er es dem Mainstream so leicht macht, ist einersetis schade. Andererseits lässt er die Grünen in dieser Phase des Wahlkampfs mal wieder sichtbar werden mit ihrem Kernthema. Das finde ich gut. Zumal er entgegen seinem Ruf der so ziemlich erfolgreichste Minister der Regierung Schröder ist.
(Jaja, ich weiß, das könnte auch gegen die Regierung sprechen. Tut es zum Teil auch. Ich halte ihn dennoch für erfolgreich. Echt.)

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