Lasst uns einen Verein gründen. BgBS e.V. oder so. Denn so kann es nicht mehr weiter gehen. Immer wieder werden Blogger in Verbindung gebracht mit Onlinesucht. Doch damit ist jetzt Schluss!
Darum kurz vorweg: Mir ist klar, dass es schlimme Fälle von Onlinesucht geben kann und bestimmt auch gibt. Ich finde es toll, wenn Menschen sich ehrenamtlich um Süchtige kümmern. Ich finde es wichtig, wenn neue Süchte in das Blickfeld der Öffentlichkeit kommen, denn nur so können Menschen für die Probleme, die Süchte mit sich bringen, sensibilisiert werden. Schade, wenn aber bei Protagonisten der Verdacht nicht nur des besinnungslosen Amateurtums aufscheint, sondern es auch noch zu einer grotesken Verknüpfung mit Geschäftsinteressen kommt. Dass so jemandem dann auch noch eine große Plattform gegeben werden soll, ärgert mich. Auf diesen Fall bin ich gestoßen, als ich die Moderationseinladung zu den diesjährigen Medientagen erhielt.Es ist schon schlimm. Denn die selbst ernannte Expertin für Onlinesucht,
Gabriele Farke aus dem schönen Buxtehude, definiert diese Sucht so:
Onlinesucht nennt man den exzessiven Gebrauch des Internets. ... Ein Verzicht auf das Internet erscheint ihm (dem Betroffenen) völlig undenkbar. (aus onlinesucht.de)
Damit sind alle Menschen, die ich kenne, onlinesüchtig. Ich mein: Wer findet diesen Verzicht schon denkbar?? Aber Frau Farke schließt mal eben von sich auf andere und schüttet jedes erreichbare Kind mit ihrem eigenen Bade aus. Damit hat sie es im Februar nicht nur bis in die
Süddeutsche geschafft, in der sie Blogs explizit als große Gefahr darstellt, die der Onlinesucht eine "neue Qualität" hinzufügten. Ha!
Und nun ist sie sogar eingeladen, mit auf dem Podium zu sitzen, wenn ich die Diskussion über Blogs bei den
Medientagen München moderieren darf. Noch hat sie offenbar nicht zugesagt. Aber ein bisschen schräg ist es schon, dass sie da überhaupt auftaucht - geht es doch darum, dass Entscheider aus dem Medienbereich sich mit aktuellen Themen der Branche beschäftigen. Naja.
Es lohnt der Blick auf ihre Seiten:
Am 18.06.1999 gründete ich aufgrund einer selbst erlebten damaligen "Onlinesucht" den Verein HSO e.V. - Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige. ... Zum 30.04.2001 mussten wir unsere Vereinsarbeit einstellen, da wir leider keinerlei Unterstützung öffentlicher Stellen erfuhren. (Private Homepage von Gabriele Farke)
Guckt man auf die
Seiten des Vereins (O-Ton:
Willkommen auf den Original-Seiten zum Thema Onlinesucht!), dann fällt auf, dass die überwiegend Farkes Buch vorstellen und promoten. Geile Idee eigentlich. Hut ab. In der Rubrik
Was ist Onlinesucht? wird dann lang und breit erklärt, was die Symptome sind und wie man ihnen begegnet, bevor am Ende der Seite der treuherzige Rat folgt:
Sie möchten endlich wieder etwas Sinnvolles tun? Sie suchen Heimarbeit? Sie wollen Geld verdienen? Dann vertrauen Sie mir und machen Sie mit: (von Was ist Onlinesucht?)
Es folgt ein Link auf den "Tintensparmarkt", dessen Lizenznehmer ausweislich des
Impressums - wer hätte das gedacht - Gabriele Farke ist.
FUD at it´s
bestworst, würde ich sagen. Die Frau hat kein Podium der Welt verdient. Naja, wenn sie wirklich die Stirn hat zu kommen, kann ich sie ja mal danach fragen...