31.5.05

Das ist ein wirklich guter RSS-Reader geworden

Heute nun ist er in der offiziell fertigen Version online: Unser ots.NewsReader. Es ist mein jüngstes Projekt für meinen Arbeitgeber news aktuell - und Siegfried (der auch der RSS-Blogger ist) und seine hhS haben ihn fein hinbekommen. Wir haben gemeinsam eine Reihe guter Ideen gehabt, wie sein alter NewsBee sinnvoll weiter entwickelt werden kann.

Vor allem, wie wir ots und speziell den ots.FeedManager eingebunden haben. Noch vor allemder, wie Suche, Suchagenten und Kontextsuchen gelöst sind. Am vorallemsten, wie die Organisation und Filterung der Feeds mit Tagging funktioniert. Zu Hause auf Windows nutze ich ihn die gesamte Zeit der Beta-Phase und beneide mich, wenn ich im Büro dann nur den NetNewsWire nutzen kann. Schade, dass er (zunächst?) nur für Windows ist. Dafür kann man ihn auch installieren, wenn man keine Admin-Rechte auf seinem Rechner hat - was für viele unserer Kunden sicher hilfreich ist, weil sie dann nicht unbedingt ihren User-Support bemühen müssen, um RSS zu nutzen.

In dieser Woche werden wir sicher auch noch den offiziellen Release bekannt geben - aber es ändert sich jetzt nichts mehr in dieser Version.

Sehr freue ich mich aber darauf, wenn wir uns jetzt an eine richtig tolle Idee machen, über die ich noch nicht reden kann - die aber eine Antwort auf die Fusion von FeedDemon und NewsGator sein wird. Unser ots.NewsReader wird einen anderen, überraschenden Weg gehen...

30.5.05

Auf zum Hamburger Dialog

Eines der Probleme, die der Hamburger Dialog im Reigen der Medienkongresse hat, ist sicher, dass er immer noch vor allem als Veranstaltung rund um Werbung wahrgenommen wird. Heute wieder im leider unumgänglichen einzigen Regionalblatt dieser Stadt. Dabei hat er dreieinhalb Themenstränge: Werbung, Publishing (womit der Medienmarkt gemeint ist), Corporate Communiaction (womit ein bestimmter Teil der PR gemeint ist und worin auch unser Blog-Panel heute um 15 Uhr stattfindet) und etwas am Rande die Hamburger Mediendebatte.

Dass wir auf einem der drei großen Medienkongresse also über Blogs und ihre Nutzung im Unternehmenskontext reden dürfen, freut mich. Noch mehr, dass es gelungen ist, wenigstens ein kleines bisschen die Diskussion schon in Blogs beginnen zu lassen, die ich mit meinen Thesen am Freitag für das Podium anstoßen wollte.

Weil blogspot.com, bei dem dieses Blog liegt, irgendwie immer noch keine Trackbacks zuläßt (*stöhn*), sei hier ein bisschen was dazu nachgetragen:
* Klaus Eck, der auf dem Podium sitzt und mit dem ich immer und immer wieder über das Für und Wider von Corporate Blogs diskutiere, antwortet schon am Freitag. Spannend sind auch die Kommentare, die er erntet - und die die Diskussion vorantreiben werden. Auch heute legt er noch mal nach und stellt die Frage, auf die ich tendenziell mit Nein antworten täte (nicht zuletzt mit der Begründung, die Klaus auch aus meiner Beratungspraxis in die kritischen Anfragen aufnimmt: Die Fallhöhe, die allzu hoch wird): Können Bosse Bloggen?
* Mario Sixtus wiederum bereichert das Gespräch mit einem feinen Beispiel für ein Corporate Blog (das von deli.icio.us) und einem gewohnt feinsinnigen Kommentar (keine Ironie meinerseits, muss man wohl dazusagen).
* Martin Röll wird auch auf dem Podium sitzen und weist freudiger Erwartung auf die Fragen hin.
* Im Corporate Blog von Contentmetrics macht sich jawereigentlich im Anschluss an Klaus' Posting Gedanken um Corporate Blogs. Obwohl eher gut geschrieben, illustriert doch allein schon der nur mit Recherche halbwegs wahrscheinlich erschließbare und also fehlende Autor eines der mich so skeptisch machenden und latent langweilenden Probleme.

Wir sehen uns im CCH, falls ihr da seid.

29.5.05

gegen den HSV


1:3 zwar, aber kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Ihr habt richtig gut gespielt - und keiner hat diese Saison so knapp gegen den HSV verloren. Es hat richtig Spaß gemacht zuzuschauen...

so was wie Sommer


Nicht nur, dass wir das Planschbecken aufgebaut haben. Wir haben auch noch Krocket gelernt. Und Rad fahren ohne Stützräder. Was für ein Tag!

27.5.05

Corporate Blogs? Och nö.

Wie Unternehmen und Medien ihre Konturen schärfen - so lautet das Motto des Hamburger Dialogs, der kommenden Montag und Dienstag im CCH statt findet. Dort darf ich, wie schon erwähnt, eine illustre Runde von Bloggern und Blogberatern moderieren. Das Thema Nicht blocken, sndern bloggen lassen ist ja lustigerweise in zwei Richtungen zu interpretieren, je nachdem wie das lassen gemeint ist - aktiv oder passiv...

Der eine Fall (offen zu sein, wenn jemand was bloggt) dürfte unstrittig sein. Den anderen Fall (da geht es dann um Corporate Blogging) möchte ich gerne kontrovers führen. Denn ich bin mehr als skeptisch, was diesen Bereich angeht.
Ein bisschen was mag durchschimmern in dem zickigen Kommentar, den ich eben bei Klaus Eck hinterlassen habe.

Meine Fragen und meine Anfragen sind in etwa so (und darüber werden wir sicher auch, nicht nur, diskutieren am Montag. Das ist ja das Nette daran, wenn ich selbst moderiere - wenigstens zum Teil kann ich es steuern. Obwohl die Zeit so knapp ist, dass das auch wieder nicht gesagt ist.):
* Wo sind sie, die spannenden Corporate Blogs? Wenn wir von Nischenfirmen und Freiberuflern einmal absehen? Immerhin sprechen wir zu einem Gutteil in einem Rahmen, der von Großunternehmen und Medienhäusern geprägt ist...
* Was sollen sie, die Corporate Blogs? Welche Kommunikationsziele lassen sich überhaupt damit verfolgen? Ich bin sehr skeptisch, dass Blogs wirklich zielgerichtet geführt werden können...
* Ist es nicht andersrum, die Sache mit dem Bloggen? Sei es Robert Scoble für Microsoft, Steve Rubel für CooperKatz oder - lokales Beispiel - Heiko Hebig für Six Apart - sie alle waren anerkannte Blogger, bevor sie Business-Blogger oder gar wie Scoble und Hebig als Blogger fürs Bloggen und andere Aufgaben eingekauft wurden. Wo aber ist der Blogger, der durch sein Bloggen für seine Firma als Stern aufgegangen ist? Das gilt noch nicht mal hier bei uns für Nico Lumma von Blogg.de, bei dem es in gewisser Weise parallel lief.
* Die besten Businessblogs sind Privatblogs von Mitarbeitern. Das ist meine Kernthese. Und wunderbar zusammengefasst von Christopher Abraham - ein Text, den ich übrigens immer den Teilnehmern meiner Seminare mit auf den Weg gebe. Wie ich jenseits von privaten Blogs jene Authentizität hinbekommen will, die aus meiner Sicht notwendig ist, um ein Blog zu führen (und nicht nur das Blog als einfaches CMS zu nehmen), finde ich spannend. Vielleicht habt ihr da ja Antworten drauf...

Wir könnten wahrscheinlich auch zwei Tage lang diskutieren. So aber werden wir es am Montag nur anreißen - immer mit dem Übermotto im Blick. Wir sehen uns.

26.5.05

Ja, eine Kündigung ist ein Ende

Die NRW-Grünen haben Recht, wenn sie die Berliner Koalition für beendet erklären (irgendwie noch nicht bei ihnen slebst online zu finden, naja). Wer nicht will, hat schon. Wenn die SPD sich abseilen will und wenn sie ohne Rücksicht und ohne echte Rücksprache mit dem Partner Neuwahlen postuliert, dann ist das eine Kündigung. Und das bedeutet, dass etwas zu Ende geht.

Heißt ja nicht, dass nach der Wahl keine Koalition möglich wäre. Aber sicher nicht noch mal so billig wie beim letzten Mal. Das sollte allen in Berlin handelnden Grünen zumindest eine Lehre aus den letzten drei Jahren sein. Irgendwie freue ich mich auf den Wahlkampf, auch wenn ich bei den anderen Parteien noch keine Inhalte erkennen kann, um die sie streiten wollen.

Lakritzliebe

Ich dachte immer, das wäre so ein Männerding, die Liebe zu extremem Lakritz. Nun stellt sich raus, dass Lila sie teilt. Als ich ihren Eintrag über das tolle Geburtstagsgeschenk las, hatte ich sofort dieses Bild vor mir. Eine der ältesten Urlaubserinnerungen:

Meine Eltern sitzen in Sesseln im Schein einer Kerze oder anderen Fuzel im dänischem Ferienhaus und wir Kinder tun so, als ob wir in unseren Zimmern schlafen. Sie sortieren Piratos, oder zählen sie oder machen irgendwas anderes geheimnisvolles damit. Jedenfalls hat jeder ein paar Stabel vor sich, beide sind über den niedrigen Tisch gebeugt. Auf dem Boden steht das Radio mit Europawelle Saar auf Mittelwelle.

Ich habe immer auch den einen oder anderen abbekommen. Damals konnte man die in Deutschland noch nicht kaufen. Und auch heute sind die angeblich so scharfen Piratos noch Meilen entfernt von den richtigen, den Super-Piratos. Aber auch die sind nur der Notnagel, die Ersatzdroge. Lakritz muss so salzig sein, dass es einem die Fußnägel aufrollt. So ist das.

Das ist doch nett von der Frau Merkel

Eigentlich brauchte Merkel doch gar nichts zu tun. Irgendwie würde ihr der Wahlsieg wahrscheinlich dann in den Schoß fallen, wenn es ihr gelingt, die pubertären Wähler nicht zu verschrecken, die nicht merken, dass das, was sie an Schröder nicht mögen, bei ihr noch schlimmer würde. Naja.

Insofern ist es sehr freundlich von ihr, dass sie wenigstens uns Grünen immer wieder Vorlagen liefert, indem sie sich zu Themen äußert, die nicht nur uns wichtig sind, sondern auch vielen anderen Menschen. Kann man dann gut drauf reagieren, wenn sie voll auf Atomkraft setzt. Fein.

25.5.05

Sterben einer Epoche

Erst gestern auf dem Rückweg erfuhr ich aus der Zeit, dass schon letzten Freitag Paul Ricoeur gestorben war. Ein weiterer Großphilosoph des letzten Jahrhunderts ist tot, vielleicht des letzte seiner Epoche. Einer jedenfalls, zu dem ich immer recht leicht Zugang gefunden habe. Vielleicht, weil er einen ethischen Ansatz hatte?

Jedenfalls war Ricoeur einer der sehr, sehr spannenden Denker Europas - auch wenn er die meisten seiner wichtigen Werke in den USA verfasst hat (was ja nicht untypisch ist), nachdem er von den Modephilosophien verdrängt oder vertrieben worden war. Irgendwie gehört er zu den Phänomenologen, recht deutlich in die Heidegger-Nachfolge, auch wenn er sehr über ihn hinaus geht und eine ethische Klarheit gewann, die Heidegger und die meisten seiner deutschen Epigonen nicht hatten (weshalb sie für radikalkonservative und später auch faschistische Konzepte anfällig wurden oder ihnen erlagen). Ricoeurs Betonung der Sprache und des Sprechens zusammen mit dem ethischen Ansatz des Anderen, der uns Aufgabe und Anruf ist und unser Selbst wesentlich konstituiert (was in Deutschland manchmal falsch und billig mit Altruismus verwechselt worden ist), haben mein theologischen und ethisches Denken und Arbeiten geprägt.

Was mich an Ricoeur, dem Protestanten, und dann vor allem an Emanuel Levinas, dem Juden, fasziniert hat und fasziniert, ist zum einen die ruhige und tiefe Religiosität, die nie thetisch daher kommt; und zum anderen, dass ihr Denken und auch Handeln quer zu klassischen politischen Entwürfen lag. Manche haben sie des Konservatismus geziehen. Mir scheint, dass eine solche Schublade ihnen selbst in der revolutionären Zeit um 1970 nicht gerecht wurde.

Freak? Spinner? Träumer?

Irgendwie habe ich immer an Oskar gehangen. In meiner Juso-Zeit war er einer der spannenden Rebellen, der gegen die Verkrustungen löckte. Legendär sein Sekundärtugenden-Ausfall gegen Helmut Schmidt. Später dann, als ich schon zwischen allen Stühlen saß als undogmatischer Linker, war er der Modernisierer mit Kritik an unbeweglichen Gewerkschaften. Als ich dann eher orthodoxer Marxist war und immer noch in der SPD war er so ziemlich der Einzige von den Enkeln, den ich ernst nehmen konnte - trotz seiner Weigerung, nach der verlorenen Wahl den Parteivorsitz zu übernehmen. Ich trat dann bald aus, als die Partei unter Engholm, den ich doch so mochte, in der Asylfrage umgekippt war.

Seine Mannheimer Rede und sein Sieg haben mich dann elektrisiert. Ich bin sogar wieder in die Partei eingetreten! OK, er war nie so richtig der tiefe Theoretiker. Aber obwohl selbst recht gut in der Theorie geschult, war ich doch schon immer boulevard genug, um das zu verschmerzen. Ohne Oskar hätte ich auch 98 die SPD nie gewählt, den Schröder mochte ich noch nie. Er hat noch nie für irgendwas gestanden - es lohnt sich, mit Leuten zu sprechen, die ihn schon als Juso kannten...

Sein Abgang, seine Fahnenflucht, hat mich verletzt. Und ich nehme es ihm immer noch übel. Dennoch kann und werde ich auch ihm nicht einfach nur niedere Motive unterstellen. Vielleicht diskutiere ich deshalb auch in dieser Frage mit Björn, der es unter dem Thema Freakshow abhandelt.

Die Zeit mag reif sein für eine USPD - wenn die grundkonservativen Konzepte der alten Linken und der Mehrheits-Sozis nicht an sich überholt wären. Aber ich bin ja nun auch schon lange nicht mehr bei denen dabei...

24.5.05

Lafontaine tritt an!

Oh Mann, was das wohl gibt. Oder auch in der Netzeitung. Quelle ist übrigens die Bild.

Nun ist er auch aus der SPD ausgetreten.

Eigenständige Positionen

Nicht nur die SPD tut gut daran, ohne Koalitionsaussage in die Wahl zu gehen. Auch für die Grünen ist das wichtig und richtig. Ich denke, in der jetzigen Situation ist es falsch, nur auf "weiche" Themen zu setzen. Es wird vielmehr darauf ankommen, eine klare wirtschaftspolitische Position zu beziehen. Sonst wird leicht der Eindruck entstehen, die Grünen dächten da wie Oswald Metzger. Das tun sie aber nicht.

Nicht umsonst bin ich ein Kind des Boulevard. Hier meine ersten Gedanken:

Wie könnte eine plakative Position aussehen?
* Die deutsche Krankheit hängt damit zusammen, dass die deutsche Wirtschaftspolitik seit 20 Jahren einen Sonderweg in der Welt geht. Damit muss Schluss sein.
* Eine grüne Wirtschaftspolitik orientiert sich an skandinavischen Vorbildern und ganz besonders an der US-Politik der Clinton-Ära.
* Wir sind die einzige Partei, die in dieser Frage europäisch denkt und handelt und bereit ist, von Amerika zu lernen.

Das feine ist ja, dass es außer in Chile kein Land gibt, das so sehr auf neoliberale Konzepte setzt wie Deutschland. Im Kern wird es in der Auseinandersetzung darum gehen, ob wir weiterhin uns diesen Sonderweg leisten wollen (SPDCDUFDP mit allerdings noch klaren Nuancen), oder ob wir den Anschluss finden wollen an die internationale Diskussion und Praxis. Dafür stehen allein Grüne und manche (wenige) linke Sozialdemokraten.

Grüne sollten eine Regierungsbeteiligung davon abhängig machen, ob mit der neoliberalen Politik der letzten 20 Jahre gebrochen wird und auf ein skandinavisches oder amrikanisches Modell umgeschwenkt wird. Sonst hat es keinen Sinn. Deshalb wird es sich dann auch lohnen, für starke Grüne zu kämpfen.

Nienichmehr zu Jumicar

Einer meiner Söhne war mit der Geburtstagsfeier eines Freundes jumicar-Fahren (Achtung, völlig beschissene Seite, die ein Popup öffnet und nur für manche Browser optimiert sei). Gestern hatte er dann einen an ihn (!!) adressierten Brief mit Werbung von denen in der Post. Hallo? Ein Siebenjähriger wird mit Werbung per Post bedacht?? Ohne uns zu fragen?

Wenn er sich richtig erinnert, hat es damit folgende Bewandnis:
Zum Geburtstag bei jumicar gehört es offenbar, dass die Kinder eine Art "Führerschein"-Prüfung machen. Da sollte er auch seinen Namen und seine Adresse angeben. Jedenfalls erinnerte er sich daran, als er im Flyer Kinder sah, die an Tischen schrieben.

Nun kann man drüber streiten, wie toll eine Geburtstagsfeier bei Jumicar oder McD ist oder im Kino, aber das ist mir relativ egal. Wir gehen auch kegeln oder in eine Fußballhalle. Nicht streiten kann man aber, finde ich, über die Dreistigkeit, einem Kind erst die Adresse rauszuleiern und es dann mit Werbung zu beballern. Mein Sohn sieht immerhin ein, dass wir also diesen Laden nicht aufsuchen werden.

Weiß irgendwer, ob die das überhaupt dürfen, was sie da getan haben?

23.5.05

Und was machen wir nun?

Die Frage, wie denn wir Blogger mit dem Wahlkampf umgehen wollen oder sollen oder können, stellt Nico heute und erntet einen ersten Gehirnsturm. Wenn es nur nicht so langweilig politikdigitalich wird! Die ersten Vorschläge gehen ja gleich wieder in die Richtung.

Was ich mir gut vorstellen kann und wo ich auch sofort mitmachen täte: Ein kontroverses, meinungsstarkes Blog, in dem lauter engagierte Blogger zu Wort kommen, die aus ihrer Position keinen Hehl machen. DAS wäre eine echte Alternative zu den latent gleichgeschaltetenförmigen Mainstream-Medien. DAS wäre ein attraktiver Mehrwert für den Wahlkampf und seine Beobachtung. DAS wäre für viele spannend, denke ich.

Daneben wird es ohnehin die klaren, überzogenen oder polemischen Positionen der einzelnen Blogger geben, wie beispielsweise heute morgen zu ungewöhlicher Zeit gleich bei Alphons oder beim girl. Und auch, dass so Klugscheißer wie ich oder Blörn gleich mit abseitigen Erklärungsversuchen aufwarten, gehört dann dazu.

Ein Wahlblog wäre fein, ohne Frage. Na, wem gehört wohl blogfuerdeutschland.de? Hihi.

Mensch, immer ist was los, wenn ich mal so gar nicht kann, weil ich, was ja auch super spannend war und Spaß gemacht hat, einem ganzen Raum PR-Profis Blogs beibringe...

22.5.05

OkOk, schon gut.

Ich hätte es fast übersehen. Aber will mich dennoch nicht drücken, weil es immerhin ein Thema ist, das mich interessiert. Also nehme ich das Stöckchen von Andreas Kunze auf, und versuch mich mal:

You're stuck inside Fahrenheit 451, which book do you want to be?
Schwer zu sagen. Auswendig lernen mochte ich nie, ich hab mir immer lieber gemerkt, wo was steht. In jedem Fall Lyrik. Ich denke, August Stramm: DU, die schönsten Liebesgedichte, die es gibt. Und auch ohne F451 dicht am vergessen werden...
The last book you bought is:
Am Freitag für meinen Sohn: Peter Härtling, Ben liebt Anna (vielleicht sollte ich auch dessen Schubert-Buch nehmen oben?)
The last book you read:
Zurzeit noch Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet, grandios übrigens. Davor den Prantl, ansonsten siehe links...
Five books you would take to a desert island:
1. Die Bibel, weil sie unerschöpflich ist.
2. William Goldman, Die Brautprinzessin, weil es auch beim siebzehnten Mal noch urkomisch ist.
3. Thomas Mann, Doktor Faustus, weil es mein absolut allerliebstes Buch überhaupt ist und ich es wahnsinnig lange nicht mehr gelesen habe...
4. James Joyce, Ulysses, weil ich selbst die Übersetzung schon zig mal abgebrochen habe und mich die Situation nach fünf mal Brautprinzessin und drei mal Rilke dann doch dazu zwänge.
5. Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, weil es nicht nur der erste moderne Roman war, sondern auch immer noch einer des faszinierendsten und fesselndsten, die ich kenne.
Who are you going to pass this stick to (3 persons) and why?
Herrn Hufner, weil es mich wirklich interessiert;
Christiane, weil sie wieder zurück ist;
OliverG, weil ich da bestimmt was bei lernen kann...

Und nu?

Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Und was für ein Risiko. Vielleicht will Schröder auch nur verhindern, dass das Szenario greift, das Jörges in seiner stern-Kolumne dieser Woche skizziert hat - also dass Lafontaine Zeit bekäme, seine Linkspartei aufzubauen?

Gerade hat der Kanzler geredet und es live noch mal gesagt, dass er zügige Wahlen will. Ob erstmals die Runde bei Christiansen spannend sein kann? Immerhin ist Lafontaine da, für ihn ist es wohl der größte Schock...

Uns Grüne trifft die Ankündigung unvorbereitet und in denkbar schlechtem Zustand. Aber auch die Sozis sind ja nun wirklich in keiner guten Verfassung, oder Nico?? Besonders schlimm, dass wir in NRW erstmals auch selbst verloren haben. Vielleicht ist es insofern auch gut, dass wir die Chance bekommen, uns aus der Gefangenschaft der SPD zu befreien.

21.5.05

Noch mal Prerow


Vor allem, weil ich es so nett finde:
Die Farben, das Wetter, das Meer.
Und bald haben die drei eine Schwester...

20.5.05

Erst denken, dann reden

Das sag ich mir auch immer mal wieder und meistens zu spät, wenn ich meinen Mund nicht halten konnte. Und dass manche es selten in dieser Reihenfolge tun, macht ja auch den Reiz vieler Blogs aus. Ganz übel ausgerutscht aber ist heute Nacht der gute DonAlphons, als er über Nutzer von RSS-Readern herzog. Selten hat er so wenige (bis jetzt: Null) zustimmende Kommentare an der Blogbar bekommen. Zu Recht. Wobei ich zugeben muss, dass - wenn ich länger drüber nachdenke - eigentlich vielleicht doch Nico Recht haben könnte und alles irgendwie keinen Zweck macht hat.

So oder so: Immerhin werde ich am Montag zeigen können, dass auch der Schrecken meiner Kunden nur mit Wasser kocht. Und es gibt mir die Gelegenheit, noch mal darauf hinzuweisen, dass in der kommenden Woche die Beta-Phase des ots.Newsreaders zu Ende geht und wir ihn offiziell herausgeben (und dann auch richtig verlinken) werden. Die neue Version, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht online ist (auch nicht auf der Beta-Seite), sieht wirklich gut aus, das hat Siegfried fein gemacht.

19.5.05

Wer ist da Journalist?

Jaja, ich weiß: Spiegel Online als Journalismus zu bezeichnen ist ohnehin umstritten. Schon gut. Aber wenn ich mir Lilas Hintergründe heute anschaue, möchte ich doch Blogs immer weniger missen als inzwischen vielleicht wichtigste Informationsquelle.

Sicher: Subjektiv. Aber Lilas Einschätzung ist nicht nur tiefer und substanzieller, sondern auch ausgewogener und "journalistischer" als der Spiegel-Artikel.

Und nun leg ich mich wieder hin mit dem Thema Blogs und Journalismus, weil es mich wirklich eigentlich nicht interessiert. Ich hab nur gestern den Vortrag von Wiesbaden ausformuliert und da kam es noch mal hoch. Nun aber Schluss damit.

18.5.05

Missverständnis im Heu oder was?

Nee, nee. Ich mag den Vergleich nicht wirklich. Dennoch offenbart die Eigenanzeige des Handelsblattes, die Thomas Knüwer präsentiert doch ein erschreckendes Maß an mangelnder Differenzierung. Wobei zur Ehrenrettung des Blattes immerhin gesagt werden kann, dass es mit dieser Engführung nicht allein dasteht.

Aber mal im Ernst: Glaubt ihr wirklich, dass ihr eure Zeitung nur für das internationale Casinogeschäft macht? Und nicht auch für den so genannten Mittelstand?? Oder missverstehe ich da jetzt was?

Durch mein Herkommen habe ich viel zu tun sowohl mit 68ern als auch mit Unternehmern - und nicht zu selten mit der Schnittmenge aus beidem. Und spannend ist, dass viele von ihnen gerade dabei sind, wieder links zu werden. Und zwar vor allem, weil sie kotzen über das, was in den Konzernen zurzeit passiert.

Nehmen wir mal einen familiengeführten unbekannten Mischkonzern aus Hamburg. Die Erben haben keine Lust mehr, dies eine kleine, halbwegs profitable Geschäft im Hafen weiter zu führen, das zwar nicht die übliche und gewünschte Rendite abwirft, aber doch stabil liquide ist und noch nie rote Zahlen schrieb. Was sollen wir damit? Weg mit. Nehmen wir nur mal einen der Angestellten dort: Einen gut über 50jährigen Familienernährer. Weg mit.

Einer der Unternehmer oben, auch im Hafen aktiv, hat ihn übernommen. Trotz Liquiditätsengpass. Trotz einer leicht schlechteren Rendite seines Unternehmens. Nicht mal aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern weil der Mann wirklich gut ist. Von den Großen wollte ihn keiner, zu alt.

Es sind nicht nur die gediegenen alten Familien. Es sind auch die Unternehmer, die etwas unternehmen und dafür Menschen brauchen, die sie mitnehmen müssen. Was wir brauchen - und was, so habe ich es bisher verstanden, auch Münte und Prantl und Müller so sehen -, sind mehr Unternehmer und weniger Manager. Ich kann nicht erkennen, wo irgendwer Unternehmer als Heuschrecken bezeichnet hat. Eher schon bezeichnend war, dass es Manager aus dem so genannten Unternehmerlager gab, die das sofort auf Unternehmer bezogen haben, so wie auch das Handelsblatt mehrfach. Das ist Desinformation, meine ich, und sie wirkt, als ob sie bewusst wäre. Pfui. Was für eine Haltung...

17.5.05

Beam Me Irgendwohin

Ich traute meinen Augen kaum, als ich im Urlaub die Zeitung aufschlug und mich jenes Gesicht angrinste, das nun auch wieder nicht soooo überraschend auf dem Chefsessel des Leib- und Magenladens meiner Großmutter gelandet ist - hatte er doch, ungewöhnlich genug, schon als Aufsichtsratsvorsitzender einen eigenen Pressesprecher.
Also habe ich noch mal jenes uralte und zu Recht nur wenige Ausgaben überlebende Heft Business 2.0 aus dem September 2000 zur Hand genommen, das ich beim Aus- und Einräumen des Babyzimmers aus dem Altpapier gefischt hatte. Wozu Nestbau nicht alles gut sein kann. Middelhoffs Vorvorgänger lässt sich darin nicht nur als Mentor der Postille feiern, sondern gab auch ein lesenswertes Interview: Bis 2002 wollte Urban den Umsatz aus dem Web verzehnfachen - und überhaupt den ganzen Konzern am Internet neu ausrichten und erfinden. Besonders die erfolgreiche Kooperation mit EM.TV hebt er hervor. Nett. Damit war er alles in allem wohl ähnlich erfolgreich wie sein Nachnachfolger bei seinem letzten Umbaujob, oder?

Liebe Karstandtianer, ich muss bei eurem kommenden Chef ja immer an jenes Bild denken, das heute in vielfacher Ausfertigung in den Kellern in Gütersloh schlummert, weil es nach dem Ende der Ära schneller aus den Büros der Führungskräfte abgehängt und mitsamt Rahmen verstaut wurde, als es nur kurze Zeit vorher begeistert aufgehängt worden war: Commander M mit seinen Vorstandskollegen in so irren hautengen Kostümen, die selbst mir als Nichttrekkie irgendwie unecht vorkamen, vor dem Planet M auf der Expo, als sie sich noch aufmachten, aus der Provinz fremde Galaxien zu unterwerfen. Später konnte ich noch mal einen Blick auf dieses Foto werfen, als ich einen Bekannten dort besuchte, bei dem in einem Rahmen, den er sich hatte kommen lassen, um die Bilder der Kinder aufzuhängen, noch dieses Bild steckte. Denn Wegschmeißen wollte man es ja irgendwie doch nicht.

Klaus Arnhold

Ich kann nicht sagen, dass ich ihn als den Guru erlebt habe, der er war. Dafür bin ich auch im Internet wohl zu sehr ein Spätentwickler gewesen. Immerhin musste ich mir ja erstmal die Grundzüge dessen beibringen, was Computer sind, denn meine Eltern haben, was ich ihnen ausdrücklich nicht übel nehme, ihren Kulturkampf gegen diese Kisten doch sehr auf meinem Rücken ausgetragen. Hihi.
Durch Zufall bin ich heute darauf gestoßen, dass er viel zu jung gestorben ist. Hier ein paar qualifiziertere Nachrufe. Immerhin habe ich ihn aber kennen lernen dürfen, wenigstens auf der einen oder anderen Veranstaltung auch im richtigen Leben.

Begegnet bin ich ihm das erste Mal, als es um Cluetrain ging. Rund um die Baerentatze, die ich immer noch mag irgendwie, ist er mir dann häufiger über den Weg gelaufen. Hin und wieder tauchte er in den allerersten Anfängen der inzwischen auch fast toten Mailingliste rund um Brand eins auf. Seine Radikalität und oft überraschenden Positionen und auch seine rabiate Art habe ich immer sehr gemocht. Jetzt weiß ich, warum ich lange nichts von ihm oder über ihn gehört habe.

Als alle Welt von Netzwerken faselte und davon, dass nun alles anders werde, ist er bei seiner einfachen und klaren und immer noch wahren Regel geblieben: First give, then take. Daraus habe ich viel gelernt, was mir noch heute wichtig ist und mir auch heute noch hilft: Dass ein Netzwerk nur hilft, wenn jeder Werker auch ohne das Netz gut leben und arbeiten kann. Dass zum eigenen Netzwerk nur Werker gehören sollten, die selbst bereits stark sind - und die geben ohne Berechnung. Auf Wiedersehen, Klaus.

12.5.05

Prerow

Wir sind zum ersten Mal in Prerow auf dem Darß. Wenn es nicht zu kalt wäre, wäre es noch toller - aber auch so ist es wunderschön. Noch einmal mit der Familie Urlaub, wenigstens ein paar Tage, bevor das Baby kommt. Mit den Jungs geht es sogar einigermaßen im Hotel...
Vor allem die Landschaft ist für Ostsee unglaublich - fast nordseeartig. Langsam verstehe ich, dass mein Vater immer Sehnsucht hierher hat, wo seine Familie herstammt und er in den 50ern seine Sommerferien verbrachte.

10.5.05

PC Welt empfiehlt 20six

Wer noch Zweifel an der Zielgruppe von PC Welt hatte, bekommt Gewissheit: Laut Pressemitteilung empfehlen sie 20six, wenn jemand ein Blog starten will. Aha.

Ansonsten warnen sie ihre Leser davor, dass Blogs gelesen werden und in Suchmaschinen zu finden sind. Das ist gut zu wissen. Im Zweifelsfall wird der Satz
Die Computerexperten raten daher, in Weblogs besser nichts zu schreiben, was man dem Chef oder Bekannten auch direkt sagen würde. ( Pressemitteilung)

zwar auch banal bleiben, wenn das letzte nicht eingefügt wird, das noch fehlt - so aber ist es wenigstens ein gutes Hirnfutter.

.../2005/19/inderzeit

Bevor die nächste Ausgabe kommt und gelesen werden will, doch noch kurz ein paar Hinweise auf die Zeit der vergangenen Woche. Um es vorweg zu sagen: Es war eine der großen Ausgaben. Zum Aufmacher mit Günter Grass mag ich nichts selbst schreiben (nicht zuletzt, weil ich dieses erfürchtige Erstarren vor dem Meister, das mir überall begegnet, irgendwie albern finde), sondern verweise auf eine sehr feine Auseinandersetzung damit bei Hella Streicher.

Statt dessen werden vier meiner Themen verhandelt:
(1) Götz Hamann schreibt zwar nicht neu, aber intelligent und in dieser Form meines Wissens erstmals im Mainstream über die Machenschaften der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft - auch mit einem wichtigen Abschnitt über willfährige Journalisten. Das perverse Beispiel der Welt sei besonders hervorgehoben, die sich nicht entblödete, bei der ISNM ein großes Dossier zu bestellen und es dann zu veröffentlichen.
(2) Anlässlich der Speer-Filme, die gestern angelaufen sind im Ersten, beleuchtet u.a. Volker Ullrich im Feuilleton den Umgang mit Speer und die grottenschlechte Arbeit von Joachim Fest an diesem Objekt. Dazu habe ich selbst ja auch mehrfach etwas geschrieben, zuletzt anlässlich des Untergangs. Leider, leider sind die Artikel nicht online verfügbar.
(3) Susanne Gaschke schreibt wieder einmal brillant über Familienpolitik. Diesmal sehr diffenrenziert und mit Hinweisen auf die Studien von Hans Bertram, auf die sich auch Bischof Huber im SpOn-Interview bezieht (danke für den Hinweis, Lila). Spannend finde ich die Diskussion mit einer Kollegin, die das Herangehen der Zeit an familienpolitische Fragen empörend frauenfeindlich empfindet (in dem Sinne, dass die Frauen schuld seien - kann ich nicht nachvollziehen, wollte es aber wenigstens vermerken).
(4) Ganz groß mal wieder: Jens Jessen. In einem Proundcontra zur Frage, ob man "den Deutschen" trauen könne, sagt er klar Nein. Und begründet dies fulminant. Zum Erbe des Nationalsozialismus schreibt Jessen:
Es steckt im gereizten Kern der Gesellschaft. Es steckt in den Aufpassern, den Liebhabern des Verbietens und Strafens, den hysterischen Beobachtern jeder Abweichung. (...) Es steckt in dem Nachbarn, der die Kehrwoche kontrolliert, in dem Passanten, der den Falschparker anzeigt, ohne behindert worden zu sein, in der Mutter, die anderen Müttern am Spielplatz Vorhaltungen macht. Es steckt, mit einem Wort, in dem guten Bürger, der seine eifernde Intoleranz auf Befragen wahrscheinlich als zivilgesellschaftliches Engagement ausgeben würde.

Es ist nämlich nicht so, dass die 1945 heimatlos gewordene Sehnsucht nach der Volksgemeinschaft vor der Unmöglichkeit ihrer neuerlichen Umsetzung resigniert hätte. Sie hat sich vielmehr aus der Politik in den privaten Terror zurückgezogen. Sie inspiziert die Treppenhäuser, sie kontrolliert die Kleidung des Büronachbarn, sie missbilligt abweichendes Konsumverhalten und straft jeden Ehrgeiz, der sein Haupt aus der Menge hebt. (Jens Jessen)

Ein weiteres Beispiel übrigens, warum es lohnt, der Singularitätsfalle zu entgehen.

9.5.05

Blogs und Journalismus

Ich habe mich bisher noch nie in der Frage positioniert, ob Blogs Journalismus seien oder nicht. Das interessiert mich auch nicht wirklich. Dieses hier nenne ich Journalismus, aber das ist eine andere Geschichte. Am Wochenende aber hatte ich die Aufgabe, bei einer Fachtagung des Netzwerk Recherche eben dazu was zu sagen - genauer: zum Einfluss von Blogs und Bloggern auf Journalismus und PR. Zusammengefasst hat das, was ich gesagt habe, und das, was wir diskutiert haben, Jan Michael Ihl - knapp aber richtig, finde ich. Meine Folien finden sich übrigens hier (abgesehen von der falschen Schreibweise meines Namens im Dateinamen. Und ja, ich weiß, dass ich damit Gefahr laufe, missverstanden zu werden. Bitte, bitte vorher diesen Eintrag zu Ende lesen).

Warum also habe ich mich so weit aus dem Fenster gelehnt? Und was ist mir daran wichtig?

Für mich hat Bloggen viel mit Open Source zu tun. Gerade mit den gesellschaftlichen Implikationen von Open Source habe ich mich oft und lange beschäftigt. Viel mehr als Wikinews, das von Erik Möller vorher vorgestellt worden war, verbinde ich mit Blogs eine Form von Open-Source-Journalismus. Vor allem aber ist eine These wie Blogging ist Journalismus zum einen im Rahmen der Freie-Rede-Diskussion wichtig - und zum anderen als Provokation gedacht. Sehr viel ernster sind mit die Thesen, dass Blogs Boulevard, Cluetrain und Gonzo (oder Punk) seien. Denn DAS denke ich in jedem Fall und wirklich.

Spannend war, wie sehr hier die Vertreter einer hehren und so fast nur noch theoretisch praktizierten Berufsauffassung in die Luft gegangen sind. Sowohl in der Diskussion um Eriks Thesen als auch in der nach meinem Statement kamen mir zunächst Gedanken wie selbstgerecht oder -gefällig oder hin und wieder bei einzelnen Äußerungen auch bigott. Im Laufe der Tagung und im weiteren Kennenlernen verflüchtigte sich dieser Eindruck weitgehend und wich einer entspannten und sehr politischen Atmosphäre. Auch dass Thomas Leif eher rüde moderiert hat und nicht nur mich recht unfreundlich anmoderierte (was in meinem Fall damit zusammen hing, dass er ots so gar nicht mag und es offenbar richtig doof findet, dass unser Unternehmen zur dpa-Gruppe gehört), machte nicht wirklich etwas aus.

Dafür habe ich eine ganze Reihe sehr spannender Menschen kennen gelernt und eine Menge noch spannender Ideen und Initiativen, die ich weiter verfolgen werde.

Blogs vs. Foren

Sehr oft werde ich in konkreten Beratungsstituationen gefragt, was denn Blogs anderes seien als Foren. Neben ein paar technischen Fragen, die auch nicht zu unterschätzen sind (und der weniger monolithischen Struktur und Vernetzung), ist es eine Frage der Kultur. Das stellt besser, als ich es könnte, heute Mario Sixtus dar.

Fazit: Es geht um Cluetrain und um die online-Verlängerung des Dorfplatzes. Und gegen Herrschaftsstrukturen. Obwohl es ja auch in der Blogwelt Trolle gibt...

gemeinsame Hoffnung

Es lohnt sich, je einen Eintrag von zwei so unterschiedlichen Bloggern wie Huflaikahn und DonAlphons einmal über einander zu legen und gemeinsam zu lesen. Ergibt ein neues Bild auf die Gegenwart:

Huf zur Hoffnung für die SPD - und zur historisch nicht ungewöhnlichen Lösung eigener Probleme.
Alphons zur Hoffnung in Berlin - und sonst in der Welt und einen guten Kommentar der Diakonie dazu.

Vielleicht schon mal als Ausblick: Ein wesentlicher Bestandteil der Tagung am Wochenende war, wie das Internet von emanzipatorischen Bewegungen und kritischem Journalismus genutzt werden kann. Hinweisen mag ich schon mal auf das Filmprojekt neueWUT von Martin Keßler

8.5.05

sehr erschöpft zurück

Zwei anstengende Tage. Gestern um Fünf hoch. Morgen schreib ich ein bisschen was, versprochen. Bis dahin sei auf die sehr gute Mitschrift von Jan verwiesen...

7.5.05

in Wiesbaden


Der Bildblogger und der Haltungsturner beim Netzwerk Recherche in Wiesbaden. Aufgenommen mit dem Handy durch den PR-Blogger. Erstaunlich hohes Niveau bytheway...

6.5.05

Sehr kühl

ist ja auch das neue Logo der Bundesagentur für Arbeit. Noch kühler, was Bernd ClüverThomas Knüwer dazu zu berichten weiß, von dessen Blog ich - sein Einverständnis erhoffend - dieses Bild mal hier rüber ziehe, das so um und bei 30 TEUR wert sein soll:

Heuschrecken frittiert

Über den RSS-Feed von dailymo, dem Blog von Monika Porrmann, bin ich auf dieses Rezept für Heuschrecken gestoßen. Mo hat es irgendwie versteckt (der Link mindestens ist deaktiviert, über die Suche nur noch rudimentär auffindbar). Ist ok, sie wird ihre Gründe haben. Ich habe meine, die vor allem darin liegen, dass ich schon so viel von Dschungelreisenden über leckere Heuschrecken gehört habe und dass wir immer ein paar zu Hause haben, um den Leguan zu füttern. So also bereitet man sie für unsereins zu. Also los:
Zutaten für 4 Portionen:
400 g südafrikanische Wanderheuschrecken
Zubereitung:
Zuerst die Flügel im noch tiefgefrorenen Zustand entfernen. Sind die Tiere erst einmal aufgetaut, geht sonst auch das bisschen Fleisch mit.
Dann die Heuschrecken entweder mit Sesam panieren oder in einer dicken Tempura-Panade aus Honig, Maizena-Mehl und ein wenig Chili-Sauce wälzen. In heißem Fett frittieren, bis Panade goldbraun geworden.

Vor dem Verzehren die Füße entfernen, denn die schmecken holzig!

Insekten sollte man stets vom Züchter des Vertrauens beziehen, denn in unserer Natur frei lebende könnten bereits von Pestiziden etc. verseucht sein...
(zitiert aus dem kirchenweb.at)

Lieber Traugott Giesen,

heute, so lese ich, wirst du 65. Herzlichen Glückwunsch! Ich bleibe einfach mal beim "du", weil du ja so ein notorischer Duzer bist. Legendär, wenn du mit zorniger Stimme geschmeidig und liebevoll deinen Bischof beschimpft hast.

Wenn ich mir ihren Artikel, den ich oben verlinkt habe, ansehe, ging es Hanna-Lotte Mikuteit offenbar genau so viel den meisten, die dich erleben: Du hast sie nicht nur mit deinem Charme eingewickelt, sondern sie überlegte die ganze Zeit, ob du verrückt bist oder "nur" faszinierend. Ich denke, du bist beides - und das macht es aus.

Wusstest du, dass du "Schuld" bist, dass ich meine liebe Frau schließlich geheiratet habe? Damals saßen du und ich gemeinsam in der Synode unserer Kirche und ich hatte (es war die Zeit der Kämpfe um Segnungen und so weiter für Menschen, die zusammen leben, auch wenn sie nicht verheiratet sind) etwas merkwürdiges am Redepult von mir gegeben. Hinterher bist du zu mir gekommen, hast mir die Hand auf die Schulter gelegt (denn du bist nicht nur ein großer Duzer, sondern auch ein großer Berührer) und sehr ernst gesagt: "Darüber müssen wir mal reden". Ich habe dich als tollen Seelsorger erlebt. Und im nächsten Jahr geheiratet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine lebendigste Erinnerung neben den wirren und poetischen Andachten aber ist das Gelage der Siegesfeier, nachdem wir Linken die Mehrheit in der Kirchenleitung errungen hatten. Details wären zu indiskret, aber es war toll. Und ich der Jüngste, wie so oft.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Menschenfischer und Erotiker wie du wird aufhören können. Von deiner Frömmigkeit, von deiner kindlichen und engagierten Weise, von Gott zu erzählen, werde ich noch lange zehren, auch wenn ich nie in deiner Kirche auf Sylt war. Dennoch bin ich dir dankbar für deine Hilfe auf meinem religiösen Weg. Wenn du nicht Traugott hießest, müsste man dich ehrenhalber so nennen.

EDIT: Mir war entgangen (wahrscheinlich weil ich das Zahnärzte-Blatt* nicht lese), dass du eine wunderbare Gratulation zu Benedikt XVI geschrieben hattest, die ich nun dank Scipio fand. Auch hier wieder ist es, was ich meine.

* so nannte es ein Freund immer: Das Blatt für funktionale An-alphabeten, die sich für Intellektuelle halten.

5.5.05

Religion und Argumentation

Lila hat in ihrem Blog eine spannende Diskussion, an der ich mich auch beteilige. Ausgelöst durch eine scharfe Reaktion Lilas auf ein witzig gemeintes antijüdisches Posting, das aus den USA auch zu uns schwappt, geht es - so scheint mir - nicht nur darum, ob ein Verächtlichmachen einer vielleicht inkonsequenten Schriftgläubigkeit antijüdisch ist, wenn es um eine orthodoxe Jüdin geht, sondern auch um die gekappten Wurzeln der Kultur Mitteleuropas...

4.5.05

Doc and Dave

Über opak, den ich so sehr schätze, aber von dem ich gar nicht wusste, dass er bloggt (vielleicht weil er es bei livejournal versteckt hat?), bin ich auf die wunderschöne Gratulation Doc Searls zu Dave Winers Fünfzigsten gestoßen. Beide gehören auch zu meiner Ahnenreihe des Bloggens, denn ohne Cluetrain hätte ich nie angefangen (und übrigens auch opak nicht kennen gelernt, aber das ist eine andere Geschichte).

Wie gut, dass ich dann auch noch auf die Keynote von Doc aus Paris gestoßen bin - denn vor allem seine Begründung Blogging als Journalismus zu bezeichnen ist mir wichtig. Und werde ich für meinen Vortrag am Wochenende aufnehmen.

Heuschrecken

Ich bin sehr sensibel, was Nazisprache angeht. Das Wort Einstellung beispielsweise kommt mir nicht über die Lippen, denn es ist in seiner heute gebräuchlichen Form von Goebbels eingeführt worden, um die Manipulaton von Haltungen durch einen quasiindustriellen Prozess zu Beschreiben. Aber am Heuschrecken-Bild kann ich, jenseits von Geschmacksfragen, kein solches Unwort erkennen.

Wolffsohn hat ja ohnehin eine sehr funktionale Beziehung zum Nazitum und gelegentlich auch zum Holocaust. Gut in Erinnerung sind mir noch seine Tiraden in der Bild, in denen der die Deutschen in Schutz vor ihrer Vergangenheit nahm.

Ich persönlich würde das Wort von den Heuschrecken nicht verwenden, weil ich es geschmacklos finde (und weil ich Heuschrecken abgesehen davon zu schätzen gelernt habe, seit ich jede Woche welche kaufe, um sie an den Leguan eines meiner Söhne zu verfüttern). Aber eine unmittelbare Nazi-Konnotation kann ich nicht erkennen. Ist es nicht vielmehr ein uraltes Bild von Ausbeutern? Allein aus der Tatsache, dass Nazis Juden (und teilweise wenigstens in der Rhetorik auch die Großindustrie) als Ausbeuter bezeichnet haben, kann ich ja nicht wirklich schließen, dass man niemanden als Ausbeuter benennen darf, wenn man das so erlebt oder analysiert. Das wäre wiederum jene umgekehrte Singularitätsfalle, in die zu tappen so leicht fällt.

Heuschrecken gibt es nicht erst seit der biblischen Überlieferung als Bild für Plagen, Ausbeuter und Kriegherren. Es bleibt ein starkes und plastisches Bild. Jeder kann es missbrauchen, nur wenige Menschen werden es benutzen, wenn sie wirklich nachdenken - aber aus ihm einen Parallele zum Nazismus abzuleiten, geht nicht.

3.5.05

KrankenMachHaus

Warum ist das eigentlich so? Ich mein, dass das Essen in Krankenhäusern schlecht ist - schon klar. Dass schwache Menschen dadurch noch schwächer werden - auch noch klar. Dass die Keimumgebung irre ist - gebongt. Aber warum kommen vor allem hilflose Menschen, die sich nicht selbst beschweren können, kränker raus als rein und dann auch noch vernachlässigt?

Mir ist es schon letztes Mal aufgefallen und dieses Mal wieder:

Meine Mutter ist in einem offenbar wirklich sehr sehr guten Haus untergebracht, für das mein Vater auch eine Menge zuzahlt. So traurig es dort immer wieder ist (es ist ein geschlossenes Haus ausschließlich für demente alte Menschen), sie wird sehr gut gepflegt und in Ordnung gehalten. Nun musste sie wieder einmal ins Krankenmachhaus, um eine neue Magensonde gelegt zu bekommen.

Nur durch Zufall bekamen wir mit, in welchem Zustand sie zurück in ihr Heim gebracht werden sollte.
Der Krankenwagen stand auf einmal vor unserer Tür auf der Suche nach einem Pflegeheim unter dieser Adresse. Obwohl sie ja ganz offiziell woanders gemeldet ist. Die Jungs waren etwas verzweifelt, aber B konnte so einen Blick auf sie werfen und mit ihr sprechen, oder was man dann so sprechen nennt.
Haare zu Berge, Augen verklebt, Mund verkrustet, ungewaschen, nicht vernünftig angezogen. Hallo???

Heute abend dann war sie wieder in Ordnung, im Heim kümmern sie sich - auch ohne einen hohen Pflegeschlüssel - einfach wirklich. Warum ist das in Krankenhäusern so anders?

2.5.05

Politik mitverfolgen

Nach der Lektüre des einen oder anderen letztwöchigen Postings in Björns Artikel-20-Blog doch noch mal notiert:

Fischer-Spektakel
audible.de stellt die Erklärung und die ersten zwei Stunden der Anhörung kostenfrei als Hörbuch zur Verfügung, so kann man es noch mal in Ruhe nachhören. Fein. Vielleicht auf der Fahrt nach Wiesbaden?

Fünf-Jahres-Plan
Jaja, klar - wieder mal typisch Jusos (so liebe ich sie, seit ich als epigonaler Stamokap-Funktionär dort aktiv war in den 80ern). Drei gute Ideen mit fünf schwachen kombinieren und das Ganze dann unhistorisch mit einem Wort verknüpfen, bei dem auch die Gutwilligsten nicht umhin können, eine wenig hilfreiche Konnotation zu entwickeln. Die Netzeitung dokumentiert übrigens das entsprechende Positionspapier.
Was mich sowohl an dem Papier als auch an den meisten kopfschüttelnden Reaktionen darauf stört (und auch an der aktuelle Heuschreckenliste): Es geht so ziemlich am Thema vorbei. Vor allem, dass in der SPD wirklich welche glauben, das alles passe zur lupenrein neoliberalen Wirtschaftspolitik der letzten 20 Jahre. Da wird irgendwie eine normale und sonst in Europa übliche Wirtschaftspolitik von zwei Extremen eingekreist, die kaum in der Lage scheinen, sich auszubalancieren.

1.5.05

beinahe Sommer

beinahe Sommer

... und deshalb gibt es heute den ersten Ausflug zur Eisdiele.
(Obwohl ich so ein Eis echt eklig finde. Brrrr.)

Rhododendron

Rhododendron

Nach und nach werden die Rhododendren in unserem Garten blühen. Jetzt beginnt der erste.
Wie schön, dass vor vielen, vielen Jahren einmal eine Gartenarchitektin hier gewohnt hat und den Garten angelegt hat - davon profitieren wir noch immer.

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