26.2.05

TV Schrott

Was immer das sein soll, aber heute bin ich bei dieser grauenvollen Retro-Retro-Sendung Die größten TV-Hits aller Zeiten hängen geblieben. Gerade ist die Sängerin da, die ich jeden Abend höre, wenn sie das Sandmannlied singt. Rund um den Schrott im Studio aber immer wieder die wunderbaren Kinderserien, an die ich mich sogar erinnern kann, obwohl ich kaum eine davon gesehen habe. Meine Eltern haben ja nicht nur den Kulturkampf gegen Computer auf meinem Rücken ausgetragen, sondern auch den gegens Fernsehen...

Komisch, wie präsent sie immer noch alle sind. Und wie viel besser die Augsburger Puppenkiste als die merkwürdigen Zeichentrickdinger rund um Urmel oder Jim Knopf, die sich meine Jungs heute fast jeden Tag geben.

Offensive

Endlich, endlich geht Joschka Fischer in die Offensive und legt auch unsere Partei etwas vor, mit dem man arbeiten kann. Vor allem auf den Monitor-Bericht bezieht sich ein Flugblatt mit vier Fragen und Antworten zur Visa-Debatte. Sehr sachlich und klar - nur leider wohl nicht geeignet, um die Masse der dumpfen SPD-Wähler zu erreichen. Das ginge nur, wenn die Mainstream-Medien endlich anfingen, seriös zu berichten.

Auch Fischer kam auf dem NRW-Parteitag heute Vormittag endlich aus seiner larmoyanten Art raus und kämpft und steht zu den politischen Dimensionen grüner Außenpolitik. Selbst die beim Sturmgeschütz zitierten Ausschnitte sind da doch sehr deutlich und gut. Wie schön, dass er und die Parteispitze langsam ihre Schockstarre verlieren...

EDIT 23:30 Uhr: Inzwischen haben die Grünen in NRW die Fischerrede auch online zur Verfügung gestellt.
via Nico Lumma

gefühlt Sonntag

Es ist schon merkwürdig, wie sehr mich ein freier Tag gestern aus dem Zeitgefühl wirft. Trotz Aldi-Einkauf heute früh habe ich den ganzen Tag schon ein Sonntagsgefühl. Lustig. Vielleicht auch, weil ich nach langer Zeit mal wieder ein ganzes Wochenende allein mit der Raubtierbande bin. B ist gestern morgen nach München zu einer Freundin geflogen. Und obwohl ich ja auch sonst an den Wochenenden koche, gab es heute also nur ein typisches Papa-Essen: Bratwurst und Pommes, das Sauerkraut bewahren wir uns auf, bis die Mama wieder da ist, es lohnt sich nicht für meinen Mittleren und mich (die anderen beiden verweigern es standhaft).

Angetan war ich gestern übrigens von der Art, wie die Lufthansa mit der zurzeit rollstuhlfahrenden B umgegangen ist. Kann es sein, dass Fliegen die angenehmste Art zu reisen ist, wenn ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin? Sonst beobachte ich dies Thema ja eher von weitem. Aber auch wenn wir froh sind, dass diese Einschränkung endlich ist und im Spätsommer spätestens beendet sein sollte - es schärft den Blick.

25.2.05

Harald Schmidt Sprüche

Sehr freundlich vom Ersten. Zwar ein bisschen spät, erst im Laufe des nächsten Vormittags, aber immerhin:

Seit dieser Woche stellen sie jeweils die besten "Harald Schmidt"-Sprüche vom Vorabend zur Verfügung. Nett.

erstes Blogseminar

Nun steht es also fest: Am 15. April werde ich das erste Blog-Seminar für PR-Menschen halten. Freu ich mich drauf. Obwohl ich eher zu denen gehöre, die ein bisschen Tempo aus dem Thema nehmen wollen, ist es doch für PRler wichtig, sich mit Blogs zu beschäftigen. Da gibt es ja noch nicht so viele, die schon praktische Erfahrung mit Blogs gesammelt haben. Ich bin gespannt, wie es sich anlässt und wie die Nachfrage sein wird. Als Bonbon kommt dann auch Nico Lumma für eine Einheit mit dazu, unter anderem um den Teilnehmern bei den ersten Schritten in ihrem eigenen Blog zu helfen, das wir gemeinsam einrichten werden.

Ekel

Dass mir die perverse Pseudotoleranz ein Gräuel ist, habe ich schon oft erwähnt (im letzteren Fall auch schon mit Verweis auf einen Artikel von Jörg Lau). Mit Marieluise Beck verbinde ich auch nur unangenehme Erinnerungen - allzu platte Verleugnung der Wirklichkeit beispielsweise, schräge Schönfärberei bei einer Landesmitglieder- versammlung, auf der sie gesprochen hat.

Beim Artikel von Jörg Lau im aktuellen Leben der Zeit (es hier einzuordnen, ist schon zynisch, wo es um feige Morde an Schwestern geht) stieg mir dennoch der Ekel hoch. Vor allem, wenn es stimmt (und es spricht viel dafür, nicht nur meine Privatempirie, sondern auch die Erzählungen von Nichten und Neffen aus Deutschlands wohl ausländerreichster Stadt), dass das Tragen von Kopftüchern unter jungen Frauen massiv zunimmt - genauso wie die Desintegration insgesamt.

Ich denke, dass nur eine klare Trennlinie gegenüber diesen Haltungen helfen kann. Keine Sonderrechte im Bereich Schule, null Toleranz für Stammes- und Familienrecht. Schwierig, ich weiß, vor allem für Grüne. Aber notwendig.

Gegenläufige Bewegungen in der Visa-Debatte

Einerseits geht manchen SPDisten offenbar der eine oder andere auf Grundeis. Das kann ich sogar verstehen, obwohl schon die rudimentäre Beschäftigung mit Krisen nahelegte, sich in so einer Situation nicht ausschließlich von Panik leiten zu lassen. Naja. Beck und Schartau jedenfalls hauen noch mal drauf und betreiben das Geschäft der Opposition. Besonders krass Kurt Beck. Der sagt laut SpOn zu Bild:
Unsere Wähler finden es nicht in Ordnung, dass Menschen zu uns kommen, die dazu kein Recht haben. Und die dann mit ihnen um die Jobs konkurrieren. (Beck, laut SpOn)

Was ja nun völlig absurd ist. HALLLLLOOOO! Es geht um Touristenvisa! Was hat das mit Jobs zu tun? Beck betreibt hier Panikmache vom Feinsten.

Andererseits beginnen unterdessen die ersten Mainstream-Medien mit der Differenzierung. Zwar nur Monitor, was weitgehend unter Ausschluss einer nicht per se kritischen Öffentlichkeit stattfindet, aber immerhin: Gestern haben sie eine Reihe von Fakten überprüft und - logo - nur heiße Luft gefunden. Bütikofer hat ebenfalls gestern in Berlin Mitte diese Punkte auch noch einmal aufgegriffen und sehr ruhig und vehement vertreten. Vielleicht sind wir mit der Politisierung durch Koch und dem ersten Nachfragen durch Medien ja doch noch auf einem Weg...

24.2.05

Roland Koch sagt, was er denkt

Immerhin: Einer sagt ganz klar, worum es politisch in der Visa-Debatte geht. Das muss man dem Koch lassen: Er versucht nicht den kreidefressenden Biedermann zu spielen,sondern sagt, was er denkt. ddp schreibt über eine aktuelle Stunde im hessischen Landtag:
Koch lehnte die im für die Visa-Erteilung maßgeblichen "Volmer-Erlass" festgeschriebenen Grundsatz "Im Zweifel für die Freiheit" ab. "Im Zweifelsfall hat die Sicherheit Vorrang", betonte der hessische Regierungschef. (Quelle: Yahoo-News)

Damit macht er noch einmal deutlich, was für die Regierungsparteien das Problem oder Nichtproblem ist: Für sehr viele Wähler der SPD (und ich war lange genug in der Partei, um zu behaupten: auch für viele, viele Mitglieder) gilt dieser Satz von Koch eben auch. Und für die meisten Grünwähler nicht. Es ist seit Weimar die Tragik der SPD, dass sie Verbessungen für Menschen erstrebt und durchsetzt, die die gar nicht haben wollen.

Klar ist, dass es absolute Sicherheit und absolute Freiheit nicht geben kann. Aber man muss sich irgendwie zwischen diesen Polen verorten, um im Zweifelsfall eine Orientierung für Entscheidungen zu haben. Ich mache das dann für mich am ehesten so (wobei 0 = möglichste Sicherheit und 10 = möglichste Freiheit):

0__________________________________x_10

Verlierer?

Es ist immer wieder davon die Rede, dass Simonis die Wahl am Sonntag verloren habe, dass die Wähler sie abwählen wollten. Diese Interpretation ist nicht überraschend, denn es sieht auf den ersten Blick ja so aus: SPD verliert enorm, Grüne stagnieren, FDP verliert verhältnismäßig genauso stark wie die SPD (!), CDU gewinnt enorm. Dennoch ist es falsch und wird durch Wiederholung nicht richtiger, selbst nicht, wenn ein so kluger und besonnener Mensch wie Björn das macht, dem ich sonst fast immer zustimmen kann. Dabei nicht:
mein erster Gedanke, als ich sah, wie sie in der Wahlnacht auf die Tatsache reagierte, dass der Wähler zwar gern einen Wechsel gesehen hätte, ihr der dann aber doch erspart blieb - wegen 70 (oder 700 ?) Stimmen und einer Kuriosität im schleswig-holsteinischen Wahlsystem (Björn)

Denn was nicht nur er dabei unterschlägt: Niemand, der SSW wählt in Schleswig-Holstein, käme auf die Idee, dass die nicht sozialdemokratisch seien. Sie sind es einfach durch und durch. Und das einmal anerkannt, hat das linke Lager über 48% bekommen, das rechte aber nur knapp über 46%. Nix Wahlverfälschung oder gegen den Wählerwillen.

Dazu kommt ja auch noch, dass der SSW eben anders ist als die dänische Mehrheit in Dänemark. Leute: Die haben gerade eine rechskonservative Regierung wieder gewählt, die sich von Kryptofaschisten dulden lässt und eine Menschenrechtspolitik betreibt, die gegen jeden EU-Konsens verstößt (mal von Italien abgesehen). Das ist nicht mehr das Bullerbü-Kuschelland, das auch Schweden nie war....

Diskussion und Krisenmanagement

Dass ich die Diskussion um die Visa-Frage absurd finde, ist ja klar. Gerade im Zusammenhang mit der Blogger-Lynchjustiz im Fall Jordan ist doch aber erschütternd, wie auch Profimedien die ersten Wochen recht unreflektiert losgeschrieben haben. Ich bin weit davon entfernt, eine Medienkampagne zu wittern - das finde ich an vielen vor allem Linken in meiner Partei auch voll peinlich -, bin aber doch ein wenig ratlos, wie das passieren konnte. Ein Blick auf das, was Alphonso für eine Schweizer Zeitung rausrecherchiert hat, lohnt sich. Vor allem auch in den Kommentaren noch einmal präzisiert.

Nico Lumma beobachtet die Diskussion und fasst immer wieder aktuell zusammen.

Positiv aber merke ich, dass das grauenvolle Krisenhandling der Parteispitze und des Ministers dazu führt, einmal genauer über Kommunikation und Krisen nachzudenken - zumal ja bei uns in Hamburg gerade eine anrollt, die auch die Kreisverbände berührt und ihre Bezirksfraktionen. Schade aber, dass sich niemand von der Bundesorganisation zu meinem Vortrag am Montag in Berlin angemeldet hat. Zumal mein Coreferent ein richtiges Dickschiff im Krisenmanagement ist.

btw: Dass ausgerechnet die Wiwo meine Idee für eine Kabinettsumbildung aufgreift, betrübt mich dann doch....

22.2.05

Irrsinn

Die ganze Visa-Debatte ist ganz klar nur Irrsinn. Und das Verhalten der CDU an Heuchelei und Beklopptheit kaum zu überbieten. Heute erfahre ich, dass am 13. Januar die deutschen Abgeordenten von Union und FDP im Europaparlament in namentlicher Abstimmung geschlossen! für einen Änderungsantrag an der Resolution zur Wahl in der Ukraine gestimmt haben. Die Konservativen fordern darin in Abschnitt 12 Rat und Kommission auf:
... calls on the Council and Commission also to consider visa facilitation for Ukraine, quick recognition of market economy status and support for Ukraine's joining the World Trade Organisation (AMENDMENT 3 by Bogdan Adam Klich, on behalf of the PPE-DE Group, Paragraph 12)

Dort also die Forderung, mehr Visa für Ukrainer auszuteilen, hier der Anwurf, diese Visa-Praxis sei nicht mit Schengen vereinbar. Nur noch schräg. Naja, Rat und Kommission müssen sich nun dazu konkret verhalten, immerhin. Aber wenn man dann bedenkt, dass offenbar die Angst vor kriminellen Ausländern der SPD in der Wahl am Sonntag massiv geschadet hat (anders als den Grünen, deren Klientel nun mal nicht so leicht auf dummbarzige Kampagnen reinfällt), wird es nicht mehr nur zu einem absurden Doppelspiel mit dem Feuer, sondern eben dies: Reiner Irrsinn...

[EDIT] Nico Lumma weist auf weitere Absurditäten hin, bei denen die Opposition frei erfinden darf - und Experten nur die Köpfe schütteln. Deckt sich mit meinen Recherchen, trotzdem schräg.

21.2.05

Leser

Schon wieder Post von den Lead Awards. Fein, dachte ich, bis ichs aufgemacht hatte. Dann war ich wirklich erstaunt. Neulich hatte ich noch hier im Blog geschrieben, dass ich noch lieber als gebauchpinselt zu sein ob meiner enormen Wichtigkeit zur Party möchte. Hat anscheinend jemand gelesen, der mich auf die Liste gesetzt hat: Jedenfalls war es die Einladung zum Symposium und zur Preisverleihung samt Party.

Klar, dass es an dem Tag ist, an dem ich ein paar Stunden in Bremen bin, um einen Vortrag bei einer Tagung der Bremenports zu halten. Dennoch freue ich mich auf beides. Gerade zu den Hafen- und Logistikleuten hatte ich immer schon einen Draht - seit ich meinen Vater immer mal bei seinen verschiedenen Stationen rund um dieses Thema besucht hab.

Gonzo ist tot

Hunter S. Thompson ist tot. Offenbar hat er sich selbst erschossen, was zu seinem Leben und Werk passen würde. Sein Gonzo Journalismus hat mich beeinflusst, obwohl ich selbst ja seit der Zeit, die ich journalistisch arbeitet, eher bürgerlich bin.

Von Thompsons Konzept des radikalen Subjektivität führt ein direkter Weg (über Chris Locke) zu Cluetrain, worin ich mich als Verkäufer immer wieder gefunden habe.
Locke hat dann auch noch aus Gonzo ein Marketing-Konzept (naja, das ist etwas zu viel und zu wenig zugleich) gemacht, das ich in seinen Grundaussagen teile und das Teil meines Ansatzes ist. Und sein Blog als Chief Blogging Officer ist grandios und auf meiner Blogrole, abgesehen davon, dass es ein genialer Titel ist, den ich mir als Berufsbezeichnung wünsche...

Schade um Thompson, aber vielleicht ein Anlass, dass der eine oder die andere sich mit ihm beschäftigt. Das wäre ja auch was...

via Blogbar

Erleichterung

Nicht so ein lautes JAAAAA, wie andernorts, aber doch Erleichterung. Vor allem freue ich mich, dass es nun losgeht im ersten Bundesland mit einer intelligenten Schulpolitik. Zwei Sachen bleiben mit bitterem Beigeschmack:

(1) Meine Grünen haben überall dort verloren, wo die SPD auch besonders schlecht abschnitt. Das ist zum einen interessant, weil es die lautstarke These widerlegt, die Visa-Debatte habe uns geschadet. Und zum anderen erschreckend, weil es den Trend bricht, dass die Grünen die Verluste der SPD ausgleichen können. In den traditionellen Grünenmilieus haben sie auch in Kiel und in Lübeck weiter gewonnen und sind stabil zweistellig. Die Verbreitung der Stammwählerschaft, gerade in die Szene der kleinen Selbstständigen (dort waren wir zuletzt besonders erfolgreich), ist aber nicht gelungen.

(2) Ausgerechnet die Wirtschaftspolitik wurde als Wechselgrund gesehen - und das, obwohl in Schleswig-Holstein recht erfolgreich gegen die Ideologie des Neoliberalismus Politik gestaltet wurde. Matthias Krupa hatte dazu in dieser Woche in einem längeren Artikel in der Zeit bemerkt:
Das Bild, das sie [Heide Simonis] nach anderthalb Jahrzehnten sozialdemokratischer Regierung von ihrem Land entwirft, misst sich nicht an schnöden Zahlen. ... Nach dem Niedergang der Werften und dem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft sei eine neue Wirtschaftsstruktur mit zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen entstanden. Schleswig-Holstein, so sieht sie es, habe erst unter der SPD den Anschluss an die Moderne geschafft. ... Früher sei das Land hoch verschuldet gewesen und habe eine schlechte Infrastruktur gehabt. Heute gebe es immerhin neue Straßen und ausreichend Kindergartenplätze. ... Der kühne Ton verrät nicht nur Selbstbewusstsein, er kündet auch von einem neuen finanzpolitischen Verständnis jenseits der herrschenden Sparlehre. (Matthias Krupa in der Zeit)

Dass eine Wirtschafts- und Finanzpolitik, die sich nicht an den völlig verblendeten Vorgaben selbst ernannter Erperten orientiert sondern an den Erfordernissen im Land und bei den Menschen, dass so eine Politik als negativ und inkompetent wahrgenommen wird, macht mich traurig. Und zeigt mir, wie erfolgreich die leoliberalen Sturmtruppen selbst in einem so bedächtigen Land wie dort oben sind. Ärgerlich.

20.2.05

Schade

Vor knapp zwei Jahren (das war einer der Gründe, warum ich damals das Blog begonnen hatte) war ich kurz davor, ein sehr enger Mitarbeiter des Wirtschaftsministers von Schleswig-Holstein zu werden. Die letzten Wochen, als ich den Endspurt des Wahlkampfes verfolgt habe, war da eine Mischung aus Erleichterung und Arroganz ob der Tatsache, dass es schlussendlich doch noch geplatzt war. Immerhin kam gerade die Wirtschaftspolitik des Landesregierung jetzt in den Umfragen besonders schlecht weg - obwohl sie ja ungewöhnlich gut ist. Und war Bernd Rohwer vor zwei Jahren noch der potenzielle Kronprinz, so ist das zurzeit dieser Kasper, der Finanzminister spielt.

Rohwer hatte sich damals dagegen entschieden, mit frischem Wind in die Schlussphase der Legislaturperiode zu gehen. Und aus seinem Ziel, auch selbst und mit seiner innovativen Politik öffentlich wahrgenommen zu werden, ist offenbar auch nichts geworden. Schade, dazu hätte ich gerne etwas beigetragen - und es sicher auch besser geschafft als die aus dem Arbeitsministerium geerbten Personalbestände, mit denen er es dann versucht hat.

Erleichtert bin ich, wenn es nun so aussieht, als ob es nicht geklappt hat, dennoch: Denn unter einem FDP-Minister auf einer Vertrauensstellung wäre es nie was für mich. Brrr.

Klassiker

Das ist ein toller Nebeneffekt an der Küche, die wir in unserem neuen Haus haben: Dass wir immer mal wieder Sachen ausprobieren, an die wir vorher nie gedacht hatten. Heute beispielsweise hab ich ganz klassische Rinderrouladen gemacht (oder vielmehr: Ich bin dabei, sie zu machen, da sie die nächsten zwei Stunden erstmal nur im Ofen sein werden). Eines der wenigen Rezepte, an denen ich Senf gerne mag, zumal wir einen ganz schönen Biosenf haben zurzeit. Mit Speck, den Bs Bruder selbst gemacht hat, Zwiebel und Gewürzgurken. Die Kinder mögen es nicht sooo sehr - aber für die sind dann die Klöße....

18.2.05

Geburtstag

Heute vor zwei Jahren habe ich dieses Blog begonnen. Verrückt, dass es schon oder erst so lange her sein soll. Wie ich inzwischen weiß, war das vor dem Boom der Blogs, der dann ab dem Sommer einsetzte. Trotzdem komme ich mir noch jung vor, da ich vor allem Blogs lese, die schon länger geführt werden.

Das war jedenfalls der erste Eintrag:
Wenn sich alles ändert, wird es Zeit, etwas zu ändern. Da es saukalt ist, wird das Rad fahren etwas besonders: Hoffentlich bekomme ich keine Lungenentzündung.
Immerhin kann ich glücklicherweise das meiste heute recht entspannt sehen. Nicht mal das ewig gleiche Genöle geht mir auf den Keks. Und dass ich die beiden Großen vom Fussball abhole, wird ein Übriges tun.

Hat sich schon weiter entwickelt, oder?

17.2.05

Scheißegal

Was mich an der so genannten Visa-Affäre besonders nervt ist zum einen das grottige Krisenmanagment nicht nur meiner Partei, sondern vor allem Joschka Fischers. Das wird im E-Mail-Forum meines Kreisverbandes auch kontrovers diskutiert, wobei überraschend viele (auch solche, mit denen ich inhaltlich sonst seltenst übereinstimme) das ebenfalls kritisch sehen. Zum anderen aber, und das nervt mich noch mehr, ist diese groteske Engführung von illegal und kriminell selbst ja schon fast kriminell.

Ich denke, jeder von uns kennt Illegale. Als wir noch in Hamburg-Horn lebten, kannten wir viele. Und Illegale haben fast immer eines gemeinsam: Sie dürfen nicht auffallen, nicht straffällig werden, nicht in Probleme verwickelt werden. Wenn es mustergültige Bürger gibt in diesem Land, dann sind das Illegale.

Abgesehen davon, dass ich die Grundhaltung richtig finde, dass Reisefreiheit vor Sicherheit gehen muss, ist es absurd, was zurzeit aufgeregt diskutiert wird. Insbesondere die Pendler mit Reisevisum (und um die geht es ja in erster Linie hier) haben durch ihre recht häufigen Reisen in die Heimat einen engen Kontakt zu ihren Familien, die sie unterstützen. Erst das Ende des Erlasses drängt viele der Wanderarbeiter (die es nun einmal gibt, und das ist auch gut so) in halb- bis illegale Verhältnisse und schneidet sie von ihren Wurzeln ab - das kann mittelfristig zu Problemen führen. Vor allem Frauenhandel und Zwangsprostitution werden, wenn ich Freundinnen glauben darf, die mit solchen Opfern arbeiten, eher befördert durch die Rückname der Reisevisa. Mal wieder die perverse Doppelmoral. Und schon wieder zum Kotzen.

Abgesehen davon, dass Fischer, der arrogante Sack, zurücktreten sollte, damit die Grünen mit der SPD das Innen- und Außenministerium tauschen können. Volker Beck oder Fritz Kuhn oder Claudia Roth als Innenminister - oder Klaus Müller, sollte Schläfrig-Holstein verloren gehen, als Finanzminister. Das wäre doch eine ermutigende Perspektive.

16.2.05

Was für ein Tag

Erst Unwetter in München, so dass der Flieger erst gar nicht abheben kann (wobei ich noch Glück hatte, der Kollege ein paar Stunden vorher war schon eingestiegen, als der Flughafen München gesperrt wurde). Dann nach Stuttgart umgebucht, von dort mit der Bahn weiter. Der Mensch am Schalter hat natürlich den falschen Zug reserviert - den, der bereits aus Stuttgart abgefahren war, als ich die Reservierung kaufte. Wie lustig. Dann nur durch beherztes Arm-in-die-zufallende-Tür-Schieben noch den Zug bekommen.

Dafür ergiebigen und sehr netten Termin, bevor es erschöpft ins Hotel geht. Mal sehen, ob sie uns morgen zurück fliegen lassen (oder ich den Zug nehmen muss, was auf die Strecke auch nur bedingt sehr viel Spaß macht).

heute in München

Unwetter in München?

Offenbar ist München dicht - jedenfalls haben sie unseren Flug gestrichen wegen Unwetter und Sperrung des Flughafens.
OK, wir fliegen nun über Stuttgart (Einchecken jetzt) und dann mit der Bahn. Was tut man nicht alles....

15.2.05

Lesen

Auf dem Weg von der U-Bahn ins Büro gehe ich oft hinter Schülerinnen der Fremdsprachenschule her, denn die ist auf halber Strecke. Nicht immer lässt sich vermeiden, ihre Gespräche zu hören (obwohl neugierig, bin ich meist etwas fremdgeschämt, wenn ich anderer Leute intime Gespräche belausche). Bei diesem hab ich mich doch sehr gefragt, ob es wahr ist - wobei es fast egal ist, so schön ist die Geschichte:

Ihre Mutter, meinte die eine, sei gestern abend mit der U-Bahn nach Hause gefahren (so weit normal). Direkt gegenüber habe ein (und jetzt O-Ton der jungen Frau) männlicher Jugendlicher gesessen, der in einem Buch gelesen habe. Das habe ihre Mutter wahnsinnig fasziniert. Irgendwann habe sie gemerkt, dass es sogar ein englisches Buch gewesen sei, und überlegt, ihren eigenen Sohn (also den Bruder unserer Erzählerin) anzurufen, um ihm das zu erzählen. Also dass es männliche Jugendliche gebe, die in der U-Bahn ein Buch läsen, noch dazu ein englisches. Kurz vor der Station, an der sie habe aussteigen wollen, hätten beide hochgeguckt (die Mutter und der Junge) - und es sei der Sohn selbst gewesen.

"Stell dir mal vor", sagte die andere junge Frau, "sie hätte ihn wirklich angerufen, und bei dem Typ gegenüber klingelt das Handy und dann merken sie, dass sie miteinander telefonieren". Beide mussten kichern. Und ich hatte gute Laune, trotz Schneeregen und zugigen Straßen.

13.2.05

Sonntag

Es kommt nicht oft vor, aber immer mal wieder. Und dann gehört es zu den wunderbaren Momenten. Alle drei Jungs haben bestimmt zwei Stunden zusammen Piraten gespielt. Halbwegs laut, klar. Aber friedlich (also so friedlich, wie man als Pirat sein kann). Zwischendurch sind sie runter gekommen in die Küche und haben sich was zu Essen gemacht - Brei und Toast, je nach Vorliebe -, aber haben uns trotzdem in Ruhe im Bett liegen lassen, was direkt neben der Küche ist.

Ein Sonntag mit Ruhe und ein bisschen im Bett bleiben. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Und weil B diese Woche einen Rollstuhl bekommen hat, werden wir heute Nachmittag den Versuch unternehmen, nach Travemünde zu fahren, damit wir mal wieder raus kommen.

Und wir haben die Ruhe genutzt, um ein Wochenende in der Sonnenburg in Kühlungsborn zu buchen...
So kann es weiter gehen.

11.2.05

Kotzen

Sie sind alle drei inzwischen Mitte Zwanzig. Jedesmal, wenn sie aus der Beratung kommen, werden sie zur S-Bahn gebracht, damit sie sich nicht zwischendurch auf die Gleise stürzen. Außer ihrer Therapeutin und ein, zwei weiteren Profis haben sie nur sich selbst. Jede Unterstützung aus der Familie fehlt. Wenn sie Glück haben, sehen sie keinen von denen.

Sie waren nicht gleich alt, aber es war bei allen drei die gleiche Geschichte: Irgendwann reichten dem Vater die Frau und die Nutten nicht mehr aus, und es musste die Tochter sein. Immer und immer wieder. Ruhe war nur, wenn er mal für eine Woche auf Dienstreise war. Oder als die kleine Schwester zur Welt kam, für ein paar Wochen. Sie hat geheult, als sie hörte, dass es wieder ein Mädchen ist.

Irgendwann ging es nicht mehr. Für eine erst viele Jahre später. Die anderen etwas eher. Sie alle waren völlig zerstört. Als sie anfingen, über ihre Qual und den Täter zu sprechen, war es die Hölle. Keine der Mütter hat es geglaubt, sie wurden von den Familien beschimpft. So ist es so oft. Viel zu oft. Erst merkt es keiner oder will es nicht merken. Dann glaubt es keiner oder will es nicht glauben. Es ist verrückt und so grausam. Bei den dreien nahezu identisch.

Die Täter haben sich umgebracht. Und so haben sich die drei kennen gelernt. Fast gleichzeitig kamen sie in das Büro und sind zusammen geblieben. Gerade dachten sie, das Schlimmste wäre vorbei und ein kleines Stück Normalität würde beginnen. Peng. Und sie sind schuld. Das glauben sie nicht nur selbst, sondern vor allem ihre Familien. Die Großeltern sind am schlimmsten. Was immer der Vater getan hat, ist nicht so schlimm. Sie haben ihn umgebracht.

Sie haben keine Chance auf eine irgendwie beinahe normale Beziehung zu gleichaltrigen Männern. Sie haben Albträume und schütteln sich unter Tränen. Jeder Gang auf die Straße kann tödlich enden. Je weniger sie ihre Familien sehen, die sie eigentlich so brauchten, desto bessere Chancen werden sie haben. Es ist zum Kotzen.
Der Beratungsstelle werden seit der neuen Sozial(?)politik in Hamburg jedes Jahr mehr Gelder gestrichen. So wie allen, die sich nur um Frauen kümmern.

10.2.05

Benehmen

Mich persönlich stört es nicht so sehr, weil ich offenbar (das hätte ich nicht gedacht) hinreichend uneitel bin und glücklicherweise das pdf vom w&v-Artikel (w&v 5/2005, Seiten 30-34) bei einem dubiosen Freehoster hinterlegt habe, um es im Blog einzubinden. Es verursacht also bei mir immerhin keine Kosten, wenn der eine oder die andere direkt darauf verlinkt, ohne die Quelle - also dieses Blog - zu nennen.

Aber das Verhalten vor allem einiger mehr oder weniger selbst ernannter Starblogger erinnert mich doch sehr an Jürgen Fliege (und das ist ähnlich irritiert und abwertend gemeint, wie es jetzt klingt). Den kenne ich ja schon ewig. Seit er noch als linksradikaler Theologiestudent und heftiger Lagastheniker von ein paar jüngeren Beamten in seinem Landeskirchenamt durchs Examen geschleust wurde - gegen den Widerstand der Leitung. Er war ein guter Typ: politisch, engagiert, mit guten Ideen. Dann hat er Kirchentag und Kinderkirchentag gemacht und war mitreißend. Und dann kam der Erfolg. Fernsehen, Radio, eigene Talkshow. Und es passierte mit ihm das, was Hape Kerkeling in diesem Film Witzigkeit kennt keine Grenzen beschrieben hat: Er wurde ein arrogantes Arschloch. Jedes Mal, wenn ich versucht habe, entweder ein Interview mit ihm zu führen oder auch nur ein Gespräch, war es schlimmer als beim Versuch davor (und das ging nicht nur mir so, sondern auch allen Kollegen, mit denen ich damals drüber gesprochen habe).

Es ist schon lustig, dass ausgerechnet einige von denen, die besonders laut über Contentklau schreien, sich in diesem Fall nicht die Bohne um Rechte oder gutes Benehmen scheren. Nur mal so als Hintergrund: Dies pdf aus w&v darf man gar nicht einfach so veröffentlichen. Ich habe beispielsweise mit Verlag und Redaktion die Nutzung vereinbart (also dass ich es hier und an einem weiteren Ort verwenden darf). Die einfache Einbindung des direkten Links aufs pdf stellt also eine klare Urheberrechtsverletzung dar, die ironischerweise weit eindeutiger ist als es im Fall Izzynews oder Madzia je war. Naja, kann mir egal sein, da ich es eindeutig benannt habe.

Die Frage der Höflichkeit und des Benehmens ist eine andere - und es ist wohl auch kein Zufall, dass die meisten Blogs, gerade die von so genannten A-Bloggern eher belächelten, sich an die Regel halten, eindeutig zu benennen, wo die Quelle ist und sie verlinken. Und ein paar mit hoher Einschaltquote haben das halt nicht nötig. Wie sagte Jürgen Fliege so nett?
Erteilen Sie einem Millionär mal ein Berufsverbot.

8.2.05

Auferstehung

Kurz hinter Neustadt/Dosse ging die Sonne auf. Genau als der Chor einsetzte im letzten Satz von Mahlers Zweiter. Eine dreifache Premiere: Zum ersten Mal mit dem schnellen Morgenzug von Hamburg nach Berlin, so dass ich schon um kurz nach acht dort war zu meinen Vorträgen. Zum ersten Mal die grandiose Luzerner Aufnahme von Mahlers Zweiter unter Abbado ganz. Und zum ersten Mal in den Sonnenaufgang über dieser wundervollen Landschaft.

Nach der nebligen Marsch an der Westküste und der Hochröhn ist mir diese karge Mark das Liebste, was ich in Deutschland landschaftlich kenne. Feuerrot und kreisrund, den unteren Rand noch ganz leicht angeschnitten, hing die Sonne knapp über dem Horizont, als die Musik aus dem dumpfen Männerchor heraus zum Jubel ansetzte. Die Zweite ist für mich der absolute Höhepunkt des symphonischen Schaffens im 19. Jahrhundert. Obwohl effektvoll und vielleicht etwas pubertär ? ich liebe es immer noch, wie der Jubel immer neu aufbrandet, wie der Mezzosopran immer wieder über flirrenden Streichern klagt, wie schließlich eine gute Minute vor Schluss dann die Glocken und Becken den längsten, immer wieder neu ansetzenden Schlussakkord anstimmen. Heute konnte ich heulen, so schön war es alles zusammen. Pünktlich zur Einfahrt in Seegefeld, wo Berlin in seiner ganzen Grausamkeit beginnt, verklang er im brausenden Applaus des Luzerner Publikums, in den ich einstimmen wollte. Welcher Kontrast dann dieser Märkische Möbelmarkt mit der Postergarnitur für 399 und 0,1% effektivem Jahreszins und dann bei Spandau das Kraftwerk hinter Schrebergärten.

heute hin und zurück nach Berlin

7.2.05

Ohne Ende

Endlich habe ich einen Krimi erlebt, der kein wirkliches Ende hat: Blutiges Eis von Giles Blunt. Der Täter wird weder überführt noch gefasst, dem Polizisten, der ohnehin keine weiße Weste hat, wird der Fall entzogen, sein Vater stirbt auch noch zwischendurch - und dennoch ist klar, dass er den Fall gelöst hat. Der Täter flieht, so wird es im letzten Kapitel erzählt, das mehr ein Epilog ist. Zwischendurch halbwegs spannend, sehr viel mehr historisch-politische Erzählung mit Milieustudie - das, was ich ohnehin so liebe, da geht es mir ähnlich wie der Kaltmamsell.

Ich schlage mich ja nun schon länger mit meinem eigenen Manuskript herum und bin mir sicher, dass der Fall nicht geklärt werden soll, sondern im hoffnungslosen Dickicht aus Zufall, guten Absichten und menschlichen Abgründen versickert. Mit diesem Buch habe ich immerhin ein Beispiel gefunden, dem es ähnlich geht (und das dennoch empfehlenswert ist und schlüssig). Durchaus mit einer erkennbaren Entwicklung der Personen.

Ja!

Es wird ein Mädchen. Dieses Mal lag sie so, dass der Ultraschall ein eindeutiges Ergebnis gebracht hat (so eindeutig, wie Ultraschall sein kann). Wir haben alles dafür getan, was so an mehr oder weniger esoterischen Ideen rumgeistert. Es hat geklappt. Nach drei Jungs wird im Sommer die Prinzessin dazu kommen. Ich weiß nur nicht genau, ob ich mich einfach nur freuen, oder sie schon mal profilaktisch ein bisschen bedauern soll ;-)

Opa

Es ist immer wieder eine gute Übung. Das Familienfest am Wochenende brachte es mit sich, dass ich mich länger mit meinem Opa unterhalten habe (Da er inzwischen nicht mehr so gut hört, sucht er Seitengespräche. Und da er nicht mehr so lange sitzen kann, wandert er gerne mit mir rum. Ich sitze ja auch nicht sooo gerne). Obwohl nahezu Achtzig, hält er sich meistens ziemlich auf dem Laufenden und merkt sich das meiste, was er gelesen hat - diese aparte Mischung aus Bild und Spiegel.

Das einzige, was er zwar sehr faszinierend findet, aber wozu er keinen eigenen Zugang hat, ist alles rund um Internet. Ich hab versucht, ihm das mit den Blogs zu erzählen - und vor allem das, wo ich zurzeit Expertise aufbaue: ihre Anwendung und Auswirkung für Unternehmen. Es ist eine tolle Übung: Der Versuch, es ihm so zu erklären, dass er eine Ahnung bekommt, worum es geht. Dass er eine Ahnung bekommt von der Relevanz und von dem, was passiert oder passieren kann.

Das Hübsche ist ja, dass ich ein eigenes und einleuchtendes Beispiel bringen kann: Die Handweberei meiner Schwiegereltern, deren Seite allein dadurch, dass ich sie hier hin und wieder verlinke, in den Suchmaschinen stabil unter die ersten zehn Treffer kommt bei den für sie wichtigen Suchwörtern (Handweben, Webkurse etc.). Inzwischen bekommen sie sogar die ersten Anfragen nach Kursen über die Website.

Mein Opa jedenfalls hatte das eine oder andere im Spiegel schon gelesen (die Jamba-Geschichte war dort ja Thema) und konnte insofern ein paar Fragen stellen. Ich denke (und das ist ja bei jüngeren Menschen, die online sind, oft nicht anders), dass die Tragweite für ihn nicht klar wird, wenn und da er es nicht selbst ausprobiert, er nicht selbst eintaucht. Aber er bekommt mehr als nur eine erste Idee. Spannend.

4.2.05

HSV

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal fast mit Tränen in den Augen HSV-Lieder höre. Jedenfalls ging mir das in etwa so, als ich die CD, die ich eben noch für meinen Großen zum Geburtstag gebrannt hab, noch einmal schnell in den CD-Spieler schob.

Früher war der einzige Nazi unserer Straße so ein Idtiot mit Kutte und Dauerkarte für die Westkurve. HSV? Niemals! Noch früher waren die, die was von Fußball verstanden, Bayern-Fans. Nur Kargus war OK. Wenn ich daran zurück denke, schäme ich mich fast.

Erst durch Dan bin ich zum Fußball gekommen. Und nun voll dabei. und morgen gewinnen wir in Nürnberg. Basta.

w&v

In der aktuellen w&v (werben und verkaufen, eines der wichtigsten Marketing-, Werbungs- und PR-Blätter in Deutschland, zumindest hochauflagig) ist nun also der erste gute Artikel über Blogs erschienen, den die Fachpresse bisher zustande gebracht hat.

Freut mich sehr, zumal ich lange mit dem Autor telefoniert habe und ein bisschen zitiert werde. Unter anderem weist er auch auf die Vorspeisenplatte hin und auf die Ideen der Kaltmamsell zum PR-Bloggen. Ganz überwiegend habe ich sehr ähnliche Einschätzungen der Situation und Möglichkeiten, wie Joachim Scholz sie skizziert.

Redaktion und Verlag danke ich dafür, dass ich den Artikel (w&v 5/2005, Seiten 30-34) hier als pdf (77KB) zur Verfügung stellen darf.

3.2.05

Wanderarbeit

Einmal die Woche, wenn ich unseren zurzeit noch Kleinsten mit dem Anhänger zu seinen Tages(groß)eltern gebracht habe, fahre ich jene lange, gerade Straße mit dem Rad zur U-Bahn, die eine Wohlstandsinsel in unserem Stadtteil ist - selbst für Hamburger Speckgürtelverhältnisse. Und immer ziehen dann die Frauen zu Fuß in entgegengesetzter Richtung von der U-Bahn rauf zu den großen Häusern.

Es ist ein Typ. Das Gesicht etwas zu alt für ihr Alter, die Dauerwelle nicht mehr ganz frisch, meist in etwas ungeschicktem Rot zu den hohen, blassen Wangen. In der Hand einen Stoffbeutel mit den Puschen, der Blick gesenkt. Zehn habe ich heute morgen gezählt.

Keine von ihnen ist legal beschäftigt, fast jede hat ein paar huntert Kilometer weiter einen arbeitslosen Mann sitzen und ein paar schulpflichtige Kinder, die für sich selbst sorgen müssen, weil es unter der Würde des Manner wäre, es zu tun. Sie pendeln alle vier Wochen für einen Tag nach Hause - jeweils 30 Stunden im Bus. Und manche von ihnen haben eine Zuhälterin, die mitkassiert.

Und trotzdem sind viele von ihnen zufrieden. Sie verdienen mehr als je zuvor in ihrem Leben, lernen eine neue Sprache, die ihnen auch weiter hilft, wenn sie, wie sie hoffen, wieder näher an ihren Kindern einen Job finden. Sie werden gebraucht und gut behandelt. Es darf nur keiner wissen.

2.2.05

Warum mache ich gute Erfahrungen mit Blogs?

Ein Kernpunkt ist immer wieder, dass Gespräche in der Gegenwart beginnen, wenn ich Menschen, Freunde oder Fremde, im wirklichen Leben treffe, die ich vom Blog her kenne. Ja: Kenne. Es ist ein merkwürdiges Phänomen, dass selbst ein paar von meinen Lieblingsbloggern, die im Grunde in ihren Blogs eine Mischung aus virtueller Person und sich selbst sind, weil sie anonym bleiben und bleiben wollen, doch so dicht bei sich selbst sind. Ähhh, oder so.

Christofer Carfi bringt es anhand einer typischen Begegnung, die ich so auch schon oft erlebt habe, auf den Punkt und schreibt unter anderem:
Reason #6537 why business folk should write, podcast, or otherwise communicate often, and in their own voice: your customers, vendors, and partners get to know you before they even meet you, so when you do get together, you already have shared context and can get things done 10x faster than you ever have in the past.

Ja - wenn es keinen anderen Grund gäbe, das allein wäre schon genug. Jedenfalls wenn ich als Verkäufer Wert darauf lege, dass ich als Person erkennbar bin. und das lege ich.

via Shel Holtz

1.2.05

Siemens und die Rolex

Wahrscheinlich wäre ich auch über die Nummer gestolpert, wenn ich die Marke Siemens mögen würde, was ich nicht tue, weshalb ich bei unserer Küche auf Miele-Geräten bestand und etwas enttäuscht war, dass wir die Umlufthaube von Siemens nehmen mussten, weil es von Miele keine entsprechende gab, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls hat das Hamburger Abendblatt, sonst nicht gerade das Musterblatt seriösen Enthüllungsjournalismus, für Sonnabend die wunderbare Geschichte von der verschwundenen Rolex des Herrn Kleinfeld, seines Zeichens neuer Siemens-Boss, entdeckt - die dann von der dpa, die mächtig ärgerlich sein soll, dass Siemens ihr ein bearbeitetes Bild untergeschoben hat, aufgegriffen und mit dem schönen Doppelfoto versehen wurde, das auch beispielsweise in SpOn zu bewundern ist.

Dass das Ganze rauskam, war offenbar mehr Zufall. Wie man hört, habe ein Redakteur jenes Lokalblattes einen Uhrenfetisch und sich das Bild, in dem Kleinfeld so elegant die Rolex präsentiert, damals (irre lange her) abgespeichert und gemerkt. Und nun sei ihm also aufgefallen - zweiter Zufall -, dass da noch mal so ein Bild kam, ohne Uhr. Welche Enttäuschung. Und welche Story. So kanns manchmal gehen.

Spannend ist dann das Krisenhandling: Während das Abendblatt schon die Bestätigung der PR-Agentur vorweisen kann, dass da einer mit Photoshop gespielt hat, bringt SpOn eine - allerdings muss man zugeben: nicht wirklich als Zitat ausgewiesene und insofern etwas zweifelhafte - Behauptung, Siemens leugne das. Selbst wenn der Sprecher das nicht gesagt haben sollte, wird er die Bildmanipulation auch nicht offen zugegeben haben. Nicht sehr schlau, denn das war genau der Teil, der noch gefehlt hat, um die Geschichte wirklich rund zu machen. Schon gings los:

Ob Herr Ix, Alphonso, IT&W, das Agenturblog, der Denkpass, Elephantville oder Blogger dir einen - um nur mal die allerersten zu nennen, die mir in die Finger fielen: Die Blogger steigen sofort drauf ein und freuen sich. Denn die Häme liegt ja quasi offen rum: Erst ein Rekordergebnis, dann massenhaft Leute entlassen und dann auch noch die Rolex wegmachen. Hmmm.

Noch sind all diese Blogs nicht weit oben bei Google, wenn man nach Kleinfeld Siemens sucht. Aber immerhin schafft es die Geschichte durhc Google-News nach oben:

Nett.

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