8.12.05

Wildlachs und Riesling

Sein Herz schlug schneller. Aber das tat es immer, wenn er sie sah. Vor allem, wie sie da über den Tisch gebeugt im Kochbuch las. Thomas würde den Hintern fett nennen. Aber der hat ohnehin keine Ahnung. Pah. Sie war üppig und wunderschön.

Er blickte in die Pfanne und zuckte zusammen. Beinahe zu spät, zu lange geträumt, schiet. Aber eben und eben Glück gehabt. Die Schalotten waren noch glasig genug, als er sie mit Wein ablöschte. Sie lehnte sich an ihn und legte die Hände auf seinen Bauch. Oh Gott, wie ich sie liebe. Fertig, fragte sie. Ihre großen Brüste an seinen Schulterblättern. Hmhmm, fast. Ein bisschen einköcheln noch.

So Hungerhaken konnte er noch nie leiden. Er ging zum Kühlschrank und nahm die Sahne raus. Mit ihr konnte er essen. Wie viele hätten protestiert, wenn sie Sahne nur von weitem sahen. Diese salatkauenden Wasweißdennich. So wie Katja oder - ich hab sogar schon ihren Namen vergessen. Er seufzte. Hunger? Sie nickte und ging rüber zum Tisch. Wie gut, dass er den vorhin schon gedeckt hatte, bevor sie kam. Das gute Porzellan. Jetzt nur noch den Lachs in die Pfanne. Die Tagliatelle abgießen.

Wo hast du den Wein her? In ihren Augen konnte er das Glück sehen. Genau das Glück, das auch er immer wieder fühlte, wenn er diesen Riesling trank. Toll, oder? Sie nickte. Irre. Ein kleiner Winzer an der Mosel, kenn ich schon ewig. Hatten wir diesen noch nie? Sie schüttelte langsam den Kopf. Nicht zu schnell, den Genuss nicht zu stören, und lehnte sich zurück. Glück, ja, das war es.

Er kam rüber und nahm sein Glas. Hielt es ans Licht, sie stöhnte. Schon die Farbe. Er wusste, dass sie ihn fantastisch finden würde. Wie Bernstein. Meine Lieblingslage. Er lächelte. Wir müssen da mal gemeinsam hin, der Typ ist toll und seine Weine auch. Alle. Schade, dass das Essen fertig war, er hätte ihr noch stundenlang zusehen können. Das war der Inbegriff der Sinnlichkeit, fand er.

Sie war zum ersten Mal bei ihm, wenn er kochte. Und seine Erregung stieg. Sie wusste ein gutes Essen zu schätzen, das war klar. Aber schon ihre Reaktion auf den Wein, ihre Art, das Glas zu halten, jeden Schluck zu genießen. Ohne jede Arroganz, ganz Vergnügen. Noch nie hatte ihn eine Frau so fasziniert.

Er nahm die Teller mit an die Kochinsel. Wie zufällig lehnte sie sich so, dass er sie berühren musste, als er nach ihrem griff. Ihr geht es genauso, dachte er. Fertig, pass auf. Ich hoffe, es schmeckt dir.

Der Raum roch nach dieser Mischung aus milden Zwiebeln, Hitze und Wein, wie er es gerne hatte. Kein Laut drang von draußen herein, nur ihr Atmen war zu hören. Er wusste nicht, wann er zuletzt zugleich so gespannt und gelöst gewesen war.

Sie nahm die Gabel perfekt in die Hand. Ihm stockte der Atem. Der Anblick ihres Gesichts, als sie sie langsam in diesen riesigen Mund schob. In ihm explodierte es.

Dies ist mein Beitrag zum DADA and DALI Award 2005 von Don Alphonso.

1 Kommentar:

  1. Na, endlich ein Beitrag gegen die Anjatanjanabelfreihungerlappenunkultur!

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