12.12.05

Heute vor einem Jahr: der Jamba-Kurs

Heute vor einem Jahr hat Johnny Haeusler seinen Jamba-Kurs veröffentlicht. Ist das wichtig? Nein, nicht wirklich. Aber es war - im Nachhinein betrachtet - die Initialzündung für die PR-Branche, sich mit Blogs ein bisschen zu beschäftigen.

Ich selbst habe von Björn Ognibeni am 14.12. per Mail davon erfahren - und dann zügig in Klaus' PR-Blogger das erste Stück Sekundärliteratur dazu geschrieben. Da war noch nicht wirklich absehbar, wie sich die Geschichte entwickeln wird - vor allem aber war es, bevor die Pro-Jamba-Kommentare bei Johnny auftauchten, die allesamt von der IP-Adresse von Jamba bzw. Verisign stammten. Klaus und ich haben in den nächsten Tagen dann in seinem Blog den ganzen "Fall" ausführlich begleitet.

Bis heute gehe ich in meinen Seminaren diese Geschichte im Detail durch, weil auch, wenn ich es zur Wahl stelle, für meine Schüler (also vor allem PR-Leute) diese Nummer sehr spannend bleibt. Vor allem die falsche Reaktion aus dem Hause Jamba fasziniert immer noch und immer wieder. Ebenso wie die Tatsache, dass es wirtschaftlich für Jamba völlig irrelevant war, was da passierte.

Warum bleibt der Jamba-Fall bis heute so interessant?
Vor allem, so denke ich, weil es bei Menschen, die älter als 25 sind und nicht bei Jamba arbeiten, keine zwei Meinungen zu diesem Unternehmen gibt. Ein CEO eines großen Portals, den ich damals auf die Kiste hinwies, schrieb mir zurück, dass es ihm peinlich wäre, wenn er so ein unethisches Geschäftsmodell hätte. Uff. Jamba war also für uns Erwachsene das ideale "Opfer" für den ersten deutschen Fall von Blogs treiben ein Thema in die Medien und gewinnen. Dass Johnny den Jamba-Kurs dazu brillant und wasserdicht recherchiert und genial geschrieben hatte, tat ein übriges. und dann wir Kommunikationsleute, die schon von Blogs infiziert waren: Wir wollten ein deutsches Kryptonite - insofern hat Tilo Bonow, der Pressesprecher von Jamba, schon auch Recht gehabt, als er dann später mal sagte, sein "Fall" sei auch hochgeschrieben worden. Immerhin, mit vielem anderen hatte er nicht so Recht damals...

Und nun?
"Wichtig" war das Ding nicht. Nett aber - für alle außer Jamba und Bonow. Und es hat für 2005 das Thema Blogs nach vorne gebracht. Jede Kommunikationspostille hat drüber geschrieben, jeder Kommunikationskongress hat drüber diskutiert, der eine oder andere Berater kann von Blogs leben, ich selbst habe eine ganze Reihe Seminare gemacht dazu und einen Newsletter entwickelt und herausgebracht. Bis heute aber hält sich in allzu vielen Veröffentlichungen über Blogs das Gerücht, sie seien eine Publikationsform. Sind sie nicht, wie schon dieses erste spektakulärere Blogdingens gezeigt hat. Sie sind eine Gesprächsform mit Archiv. Und das macht sie so spannend, so nachhaltig und so schwer zu verstehen.

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