6.12.05

Am meisten Chancen werden ja von Personalern vernichtet

Das meine ich jetzt gar nicht mal speziell. OK, dazu könnte ich zwar auch manches erzählen, aber gestern sprach ich mit einem, der unter normalen Umständen nie den Job bekommen hätte, auf dem er jetzt die Idealbesetzung ist.

Human-Resource-Leute haben ja offenbar nicht nur eine höllische Angst, irgendjemanden nicht exakt gleich zu behandeln (was ja faktisch dazu führt, dass sie unumgänglich ungerecht sind. Es erinnert mich immer an meine Großeltern, die meiner Schwester eine Digitaluhr schenkten, als ich mir eine wünschte, weil sie Gleichbehandlung für gerecht hielten. Meine Schwester hat zwar später keine Drogenkarriere genommen, aber lange unter dieser Absurdität gelitten), sie haben, so scheint mir, auch das jetzt wirklich tragische und oft nicht mal selbst verschuldete Problem, nach standardisierten Methoden Personalvorauswahlen treffen zu müssen.

Da ist also dieser Mann, der damals nur mit Ach und Krach durchs Abitur kam, mit einer fünf in Mathe und einer Vier in Deutsch. Normalerweise hätte ihn keine Versicherung genommen, allein nach dem Papier. Er hatte einfach nur Glück, dass in dem Jahr so ziemlich jeder genommen wurde, der wollte. Was sie nicht wissen konnten: Er hat eine unglaubliche Sonderbegabung mit Zahlen. In der Abiturprüfung zu Wahrscheinlichkeitsrechnung hatte er innerhalb von Sekunden das richtige Ergebnis - sehr zur Überraschung der Lehrer, die erst mal brauchten, bis sie es nachgerechnet hatten. Die Frage nach dem Lösungsweg (und darauf kam es an), beantwortete er mit "Ausprobiert". Unglaublich, aber wahr!

Heute ist er der Star seiner Abteilung, der nicht nur ein Topexperte für die Gebührenordnung ist (und damit ein Schrecken aller Ärzte, denn jede zweite Rechnung geht zurück an den Absender wegen - sagen wir es mal freundlich - eines Versehens in der Erstellung), sondern auch einer, der in Sekunden in komplexen Kontoauflistungen jeden Fehler findet. Inzwischen setzt man ihn bundesweit ein, wenn die komplizierten Fälle nachzuprüfen sind. Und bis rauf zum Vorstand bitten sie ihn um Formulierungshilfen, wenn komplizierte Briefe zu schreiben sind. Er hat noch zu jedem vertrackten Fall irgendwas gefunden, was man als Begründung anführen könnte.

Nur diesen Job bekommen hätte er nie, wenn die Personaler normal agiert hätten damals. Das wäre dann echt teuer gewesen für das Unternehmen.

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