23.5.05

Und was machen wir nun?

Die Frage, wie denn wir Blogger mit dem Wahlkampf umgehen wollen oder sollen oder können, stellt Nico heute und erntet einen ersten Gehirnsturm. Wenn es nur nicht so langweilig politikdigitalich wird! Die ersten Vorschläge gehen ja gleich wieder in die Richtung.

Was ich mir gut vorstellen kann und wo ich auch sofort mitmachen täte: Ein kontroverses, meinungsstarkes Blog, in dem lauter engagierte Blogger zu Wort kommen, die aus ihrer Position keinen Hehl machen. DAS wäre eine echte Alternative zu den latent gleichgeschaltetenförmigen Mainstream-Medien. DAS wäre ein attraktiver Mehrwert für den Wahlkampf und seine Beobachtung. DAS wäre für viele spannend, denke ich.

Daneben wird es ohnehin die klaren, überzogenen oder polemischen Positionen der einzelnen Blogger geben, wie beispielsweise heute morgen zu ungewöhlicher Zeit gleich bei Alphons oder beim girl. Und auch, dass so Klugscheißer wie ich oder Blörn gleich mit abseitigen Erklärungsversuchen aufwarten, gehört dann dazu.

Ein Wahlblog wäre fein, ohne Frage. Na, wem gehört wohl blogfuerdeutschland.de? Hihi.

Mensch, immer ist was los, wenn ich mal so gar nicht kann, weil ich, was ja auch super spannend war und Spaß gemacht hat, einem ganzen Raum PR-Profis Blogs beibringe...

Kommentare:

  1. Blogs hin, Blogs her. Adorno fragte in den 40er Jahren einmal sehr deutlich: " Äußerste Ungerechtigkeit wird zum Trugbild der Gerechtigkeit, die Entqualifizierung der Menschen zu dem ihrer Gleichheit. Soziologen aber sehen der grimmigen Scherzfrage sich gegenüber: Wo ist das Proletariat? [Band 4: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Vexierbild. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, GS 4, S. 221)]
    Heute ist das ja kaum noch die Frage, nicht einmal mehr im Scherz. Das Global-Blogdorf dürfte meines Erachtens jedenfalls nicht die Adresse sein, die ebenso qualifiziert wie praktikabel öffentlich eine ähnliche Stelle einnehmen kann. Die Erosion der Gesellschaft ist viel zu weit - es bleiben nur noch individuelle Meinungen, die nicht mehr individualisiert sind. Monaden, Atome, die vielleicht noch für kurze Zeit Bindungen eingehen können. Zumindest im Bereich der elektronischen Medien.

    Ich kenne noch das 2001 gegründete Forum mehr-demokratie-wagen.de - das ähnliches einmal wagte. Aber irgendwie lief das nicht, trotz einigermaßen guter Bedingungen. Nuja.

    Und dies ist auch etwas anderes, als die politische Gruppenbildung in den 70er Jahren aus Umwelt-, Frauen- und Pratizipationsbewegung, die einmal unter anderem zur Gründung der Grünen führte.

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  2. Das sehe ich nur zum Teil so. Sicher sind Blogs nicht geeignet, eine politische Mobilisierung zu leisten oder gar inhaltliche Analyse wirklich zu befördern.

    ABER ich sehe schon, dass sie, wie andere Formen des Online-Engagements auch, zu Gruppenbildung und Meinungsbildung in Gruppen beitragen können. Ich selbst arbeite in meiner Partei fast ausschließlich über Maillisten und Blogs mit und mache auch fast nur online Wahlkampf. In meiner Bezugsgruppe ist das aber wirkungsvoll und wirksam und Diskussionen an der Basis zumindest bei den Grünen finden auch - nicht nur, klar - online statt.

    Ich bin gespannt auf das Projekt, das Nico und Heiko anschieben. Und es führt zu Gruppenbildung. Doch wirklich.

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  3. Ich bin eben doch zu pessimistisch, von Natur aus gewissermaßen wie in der Fischpredigt des Antonius von Padua.

    +++++++++++++++++++++++++++

    Die Predigt geendet,
    Ein jedes sich wendet,
    Die Hechte bleiben Diebe,
    Die Aale viel lieben.
    Die Predig hat gfallen,
    Sie bleiben wie alle.

    Die Krebs gehn zurücke,
    Die Stockfisch bleiben dicke,
    Die Karpfen viel fressen,
    Die Predig vergessen.
    Die Predig hat gfallen,
    Sie bleiben wie alle.

    ++++++++++++++++++++++++++++

    Natürlich sind die neuen Medien fein geeignet zur Kommunikation an sich, aber wie ihre Wirkung als Mittel der öffentlichen Diskurskultur ist, das scheint noch längst nicht ausgemacht. Ich stottere hier alle paar Stunden oder Tage herein. Und im Gegensatz zu Gesprächen am Tisch, hatten für meine Willensbildung die Kommunikationswechsel im Internet nur ganz selten zu Neuüberlegungen geführt. Rede und Gegenrede sind in diesem Medium meines Erachtens zu umständlich und zu unpräzise.

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  4. Das finde ich spannend, weil es mir tendenziell anders geht. ich mag heute E-Mail auch lieber als Telefon, eben weil es asynchron ist und ich mehrere Gespräche gleichzeitig führen kann.

    Andererseits bin ich auch "Erotiker", lebe also von der Begegnung mit anderen Menschen im richtigen Leben und ziehe daraus meine Kreativität. Aber ich arbeite im Großraumbüro und bin Verkäufer - habe insofern also viel mit Menschen zu tun jeden Tag.

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