8.2.05

Auferstehung

Kurz hinter Neustadt/Dosse ging die Sonne auf. Genau als der Chor einsetzte im letzten Satz von Mahlers Zweiter. Eine dreifache Premiere: Zum ersten Mal mit dem schnellen Morgenzug von Hamburg nach Berlin, so dass ich schon um kurz nach acht dort war zu meinen Vorträgen. Zum ersten Mal die grandiose Luzerner Aufnahme von Mahlers Zweiter unter Abbado ganz. Und zum ersten Mal in den Sonnenaufgang über dieser wundervollen Landschaft.

Nach der nebligen Marsch an der Westküste und der Hochröhn ist mir diese karge Mark das Liebste, was ich in Deutschland landschaftlich kenne. Feuerrot und kreisrund, den unteren Rand noch ganz leicht angeschnitten, hing die Sonne knapp über dem Horizont, als die Musik aus dem dumpfen Männerchor heraus zum Jubel ansetzte. Die Zweite ist für mich der absolute Höhepunkt des symphonischen Schaffens im 19. Jahrhundert. Obwohl effektvoll und vielleicht etwas pubertär ? ich liebe es immer noch, wie der Jubel immer neu aufbrandet, wie der Mezzosopran immer wieder über flirrenden Streichern klagt, wie schließlich eine gute Minute vor Schluss dann die Glocken und Becken den längsten, immer wieder neu ansetzenden Schlussakkord anstimmen. Heute konnte ich heulen, so schön war es alles zusammen. Pünktlich zur Einfahrt in Seegefeld, wo Berlin in seiner ganzen Grausamkeit beginnt, verklang er im brausenden Applaus des Luzerner Publikums, in den ich einstimmen wollte. Welcher Kontrast dann dieser Märkische Möbelmarkt mit der Postergarnitur für 399 und 0,1% effektivem Jahreszins und dann bei Spandau das Kraftwerk hinter Schrebergärten.

heute hin und zurück nach Berlin

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