14.1.05

Neoliberale Ideologie

Nun habe ich mich doch noch durch Albrecht Müllers Buch Reformlüge gekämpft. Auslöser war aktuell ein Artikel in telepolis, der sich mit den eschatologischen und ideologischen Aspekten des Neoliberalismus beschäftigt (und dabei positiv sich aufs Buch bezieht).

Zunächst angestoßen von Müllers Website NachDenkSeiten, hatte ich sein Werk irgendwann beiseite gelegt, weil es mir vom Tonfall teilweise zu gekränkt war und sich durch den Aufbau - es werden die Kernsätze der Reformcamarilla nacheinander seziert - immer wieder Doppler in den Argumenten ergaben. Nun bin ich also doch fertig geworden damit, auch weil es immerhin leicht und flüssig ist.

Gerade aus der Kombination des telepolis-Artikels (zu dem eine Fortsetzung angekündigt ist) und dem Buch sind mir zwei Punkte wichtig geblieben, die auch eine Anfrage an mein eigenes Denken darstellen:

(1) Der Neoliberalismus als Ideologie
Es ist wohl der radikal-monokausale Ansatz des Neoliberalismus, der ihn so attraktiv macht - gerade für gewendete Ex-Linke, die gewohnt sind, ein einfaches Weltbild zu haben. Ein Punkt, an dem ich mich ertappt fühle. Spannend deshalb auch die historische Einordnung der ersten Protagonisten dieser Ideologie, die gegen die antiliberalen Konzepte in Europa und den USA opponierten, die für die Überwindung der Weltwirtschaftskrise nach 1930 um sich griffen. Sicher ist es mehr als heikel, die frühe Wirtschaftspolitik von Schacht aus dem Gesamtzusammenhang der Hitlerregierung zu lösen. Spannend aber ja schon, dass sie sich fast im Gleichklang mit den anderen Industrienationen befand, nachdem Brüning die Krise durch eine ähnlich absurde Politik wie die der Kohlregierung nach 1990 verschärft hatte. Ich weiß, dass dieser Brüning-Vergleich zurzeit vor allem von neoliberalen Systemveränderern genutzt wird und von Goppel (CSU). Lustig aber, dass der Blick auf Brünings Wirtschaftspolitik zeigt, dass es genau anders herum ist...
Ebenso spannend und für mich neu: Die zwanzig Jahre neoliberale Wirtschaftspolitik in Deutschland stehen mit ihren Effekten nicht allein, sondern neoliberale Konzpte haben bisher weltweit immer die gleichen Auswirkungen: Das, was sie bekämpfen wollen, verstärken sie. Vor allem aus dem Grund, der sich aus dem zweiten Punkt ergibt:

(2) BWL vs. VWL
Das, was mir - denn beileibe nicht alle Schlüsse, die Müller zieht, kann ich teilen, oft sa ich auch nur kopfschüttelnd davor - besonders einleuchtet, ist die Kritik daran, volkswirtschaftlichen Fragestellungen mit Antworten zu begegnen, die betriebswirtschaftlich sinnvoll und erprobt sind - und die betriebs- oder familienwirtschaftlich ja auch oft sinnvoll sind (Sparen, prozyklisches Handeln etc.). Müller und auch Bofinger beispielsweise wird oft vorgeworfen, sie würden allein makroökonomisch argumentieren. Da frage ich mich schon, was daran ein Vorwurf ist.

Ich merke, dass ich von VWL noch weniger Ahnung habe als von BWL. Müllers Buch hat mir aber zumindest geholfen, für mich das eine oder andere Unbehagen klarer benennen zu können. Meine Skepsis, ob Neoliberalismus wirklich etwas mit Liberalismus zu tun habe, hat sich bestätigt. Hier muss ich für mich selbst und in der politischen Arbeit genauer differenzieren.

Kommentare:

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  2. Anonym25.4.07

    Ja, hat er. Das neue Buch trägt den Namen "Machtwahn".

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