31.1.05

Kishon

Als ich heute morgen las, dass Kishon tot ist, war ich vor allem deshalb überrascht, weil ich nicht wusste, dass er noch lebte. Obwohl mir nach etwas Nachdenken einfiel, dass ich es wohl mitbekommen hätte, wenn er gestorben wäre.

Für mich jedenfalls der Anlass, doch noch mal Torbergs Tante Jolesch in die Hand zu nehmen - geht doch das Gerücht, dass Kishon in Deutschland allein deshalb so erfolgreich war (und nirgendwo ja so erfolgreich wie hier im Übrigen), weil Torberg seine Satiren genial übersetzt und lektoriert habe. Nicht umsonst habe Kishon nach dessen Tod nichts Bahnbrechendes mehr veröffentlicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich fand ihn faszinierend, als ich ihn das erste Mal traf. Damals machte ich gerade ein Schülerpraktikum an den Hamburger Kammerspielen. (Ida Ehre lebte noch und die Kammerspiele waren ein Puschentheater mit unausgegorenem Profil - Boulevard irgendwo zwischen Anspruch und Klamauk. Jedenfalls wurden gleichzeitig Kishons Es war die Lerche und Williams Katze geprobt. Aber mir fiel im Aufenthaltsraum des Hinterhauses erstmals ein Exemplar von Tempo in die Hände, ich weiß noch, wie irre ich das fand.) Elegant, witzig, interessiert, gar nicht arrogant. Es hat an den ersten Sprechproben teilgenommen und mit den Schauspielern (an den Mann kann ich mich nicht erinnern, die Frau war Grit Böttcher) geübt, gelacht und gegessen.

Beim zweiten Mal, fast zehn Jahre später, musste ich ein Interview mit ihm führen. Und obwohl mit seinem Management klar abgesprochen war, worum es gehen würde (wir hatten eine Sendereihe unter dem Titel Die Gretchenfrage, in der wir uns mit Prominenten über Religion unterhielten), war er total Jürgen-Fliege-mäßig arrogant und abweisend. Ein richtiges Arschloch. Merkwürdig. Aber ok, er war auch gerade unterwegs, um kein gutes Buch vorzustellen, und wollte eigentlich nur darüber reden. Oder er mochte keine Journalisten? Mühsam wars jedenfalls. Dabei moche ich seine Satiren und bin mit ihnen aufgewachsen.

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