2.11.04

Erinnerung

Es gehört zu den schönsten Erinnerungen aus meiner Kindheit: Beim Geburtstag meiner ziemlich jungen Großeltern gab es nach dem Kaffeetrinken (und nachdem meine Schwester und ich auf dem großen Spielplatz auf der anderen Straßenseite waren, der heute so runter gekommen ist, weil das Slum sich inzwischen bis vor die Haustür geschlichen hat) ein Abendbrot am runden Tisch in der Küche. Die war immer schon so groß, wie man heute wieder in Mietswohnungen welche baut, frühe 50er eben - und meine Mutter hat dort auch ihr Bett gehabt und ihren Schrank, als sie Kind und Jugendliche war (kein Wunder, dass sie so früh es ging ausgezogen ist).

Wir saßen jedenfalls um diesen Tisch, mein Opa auf einem Hocker, weil sie nicht genug Stühle hatten, und der bog sich unter so tollen Sachen wie Beefsteakhack und Schwedenhappen und Krabbensalat und fingerdick geschnittenem Emmentaler. Das Brot war dafür so dünn geschnitten, dass man durchgucken konnte. Was für eine wundervolle Umkehrung der üblichen Gewohnheiten.

Wenn wir wegfuhren, standen sie am Küchenfenster oben im dritten Stock und winkten, bis wir um die letzte Ecke waren und sie uns nicht mehr sehen konnten. Irgendwann wurde dann auf der Brache ein weiteres Mietshaus mit Sozialwohnungen gebaut (in das meine Frau und ich dann für drei (?) Jahre einzogen), so dass man das Auto nicht mehr so lange sehen konnte.

Heute können sie es nicht mehr, sagen sie, und laden in eni Restaurant ein, obwohl es ihnen da nicht mal wirklich schmeckt. Die Erinnerung aber wird immer bleiben, und ich spüre sogar so etwas wie den Geschmack und Geruch.

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