20.7.04

20. Juli

Jedes Mal - und dieses Mal zum runden Jubiläum doppelt - habe ich ein mulmiges Gefühl bei den absurd überhöhten Feiern und Gedenken zum 20. Juli. Es ist so ein einerseits / andererseits, das sich breit macht.

Einerseits: Es gab unter den Verschwörern zwar ein paar, die schon früh im Widerstand dabei waren. Aber die allergrößte Mehrheit hat Hitler und Nazismus zunächst durchaus begrüßt - hat er doch mit der ungeliebten Demokratie aufgeräumt und die Schmach der militärischen Niederlage von 1917/18 zu ertragen geholfen. Viele schlossen sich erst an, als der Krieg verloren zu gehen drohte - denn das war der eigentliche Grund des Attentats.
Und andererseits: Zum Kreis gehörten auch Widerständler der ersten Stunde, die ruhig und still von Anfang an opponiert und auch schon vor 1939 Menschen gerettet haben, teilweise unter Einsatz Ihrer Existenz.

Pervers aber ist der heutige Kommentar der Neuen Osnabrücker - zu finden in der morgendlichen Presseschau des Deutschlandfunks. Als ich das hörte, bin ich fast meinem Vordermann aufgefahren. Wie gut, dass wenig Verkehr war der Ferien wegen. Da heißt es doch: Noch wichtiger als Rituale bleibt das ständige Bemühen, Schülern und Studenten die Ideale und Werte der Attentäter nahe zu bringen. Na Bravo: Verachtung der Demokratie, elitäres Gehabe, ostelbischer Dünkel, Militarismus. Sehr vorbildlich. Aber noch besser ist sicher, was in Chuzpe zu finden ist. Die Geschichtsklitterung ist perfekt. Igitt.

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