29.11.03

besser

Immerhin scheint das nun zu Ende zu sein. Immer noch besser, einen Schlussstrich zu ziehen, als sich wieder und wieder quälen zu lassen.

Sie hat es verdient, dass sie mal zur Ruhe kommt. Und wenn es ihr nun besser geht, ist es gut. Die reine Lehre wird im konkreten Leben allzu leicht die reine Leere.

Ist es vermessen, in so einem Moment glücklich und dankbar zu sein, dass wir bei allem Streit und bei allen Schwierigkeiten wissen, was wir wollen und dass wir uns jeder zusammen reißen müssen?

28.11.03

fies

Wer weiß, wie das nun wieder kommt, jedenfalls muss es eine Gastritis sein oder so. Wahrscheinlich die Anstrengung, wenig Schlaf, irgendwie mag ich es auch so gar nicht, so lange von der Familie weg zu sein (und - logo - muss gerade dann der Kleine ins Krankenhaus und an die "Tankstelle").

So etwas hatte ich jedenfalls noch nie. Da lob ich mir doch die Migräne.

27.11.03

Klone

Vortragsreise. Anstrengend und anregend zugleich, das ist schön. Nach der Moderation des media coffees letzte Woche und dem ulkigen irgendwie poliglot-für-Anfänger-Gefühl, nach einem Vormittagstermin in Köln noch schnell nach Berlin zum Vortrag zu fliegen.

Eine Begegnung der soundsovielten Art war dann aber gestern das Ramada Treff Hotel bei Frankfurt. Ich habe noch nie so viele Vertriebsklone auf einem Haufen gesehen. Absoluter Höhepunkt neben der schon gewohnten Oberlippen-Bart-Fraktion waren die zwei Jungs Anfang Zwanzig, die mit exakt gleichem Hemd, ebensolcher Kravatte und genau so gestalteten Anzügen samt Sticker mit nicht erkennbarem Firmennamen rumliefen. Dass beide ihre Haare mit kiloweise Gel bearbeitet hatten, bedarf da schon keiner Erwähnung mehr.

Und dann wundert es noch einen, dass so was mich in meiner Unterscheidung von Vertrieb und Verkauf bestärkt?

17.11.03

Da ich morgen...

... nach Köln und Düsseldorf fahre (und dann weiter nach Berlin, was für eine Weltreise), ist es eine große Hilfe, dass Herr Dahlmann am Freitag noch mal an das dortige Grundgesetz erinnert hat.

Danke dafür.

16.11.03

Heldengedenktag

Selbst wenn die offizielle Lesart des Volkstrauertages meistens auch die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ins Auge fasst, bleibt ein mehr als schaler Beigeschmack.

Ich konnte diesem Tag noch nie etwas angewinnen. Nicht nur die Analyse in Telepolis über den Volksbund und seine zweifelhafte Arbeit bestärkt mich darin, sondern auch die Prozessionen, die jedes Jahr in den Dörfen zu den Heldengedenksteinen statt finden.

Dieses Jahr wieder auch bei uns im Dorf: Vorneweg die Feuerwehr, dann - glücklicherweise nur eine knappe Handvoll - Zivilisten und hinterherschlurfend der Pastor, das Ganze von der Kirche zum Gedenkhügel. Brrrr. Schon der Zufall, dass ich dran vorbei fuhr, macht Beklemmungen.

14.11.03

AUS

isses.
Endlich das erste.

Sloterdijk

Von Arndt hatte ich den Tipp, das Gespräch von Sloterdijk mit seinem Kollegen Macho in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu lesen.
Der Artikel ist online nicht verfügbar, nichtmal hinter Firstgate, schade.

Ich mag ja Sloterdijk nicht so sehr, er ist oft sehr auf Effekthascherei aus. Das letzte Mal, als ich ihn gehört habe - beim Trendtag 2002 - war es zwar faszinierend, aber auch mal wieder recht plump.

Auch dieses Gespräch folgt dem üblichen Muster: hier und da echte Tiefe und analytische Schärfe - und dann wieder billige und effektvolle Bilder und Worte, die es gleich wieder verwischen.
Dennoch: Die These, dass es um das menschliche Genom keinen moralischen Zaun geben kann, ist wahr und nicht mal neu. Problematisch wird es da, wo Sloterdijk sich auf das Glatteis einerseits des Utilitarismus begibt (den er eigentlich ja nicht vertritt) und andererseits aus der Verneinung des Menschenrechtes auf Krankheit (so weit ist ihm zuzustimmen) allzu salopp das unbedingte Tötungsverbot zur Disposition stellt.
Noch mal Hohmann

Wenn sich in der brandeins-Liste mal Oliver Gassner zu Wort meldet, dann gehört das zu den besseren Momenten da. So wie heute, als er zu Hohmann anmerkte: An sich ist es eben ne Rede gegen Atheisten. Dazu mag ich ja und nein sagen.

Klar: Der rechtsextreme Flügel der fundamentalistischen Christen (zu dem Hohmann ja bekanntermaßen schon lange gehört; das ist übrigens auch nix Neues, wusste auch die CDU, vgl. Panorama heute abend) argumentiert auch so.

Daneben ist es aber eine andere Denkfigur, die der eigentliche Skandal ist (und in der Tradition steht, dass manche Deutsche den Juden Auschwitz niemals verzeihen werden):
Gerade weil Hohmann ja sagt, man könne "die" Juden nicht als Tätervolk bezeichnen, sagt er: Also kann man die Deutschen auch nicht als Tätervolk bezeichnen. Seine Pointe ist ja gerade, dass die Deutschen kein Tätervolk seien - so wenig wie die Juden. Weil aber also in seiner Sicht die Juden und die Deutschen beide gleich viel (oder wenig) Schuld sind, wird es die Ungeheuerlichkeit.

Von meinen Großeltern, die schlichte Arbeitergemüter sind, kann ich so eine Argumentationskette zur Not noch verstehen und dann kann ich mit ihnen darüber reden, warum das nicht stimmt. Hohmann und seine Freunde (von denen ich, da ich ja auch - wenn auch linker - leichtfundamentalistischer Christ bin, eine große Zahl kenne) sagen das aber kalkuliert und aus voller Überzeugung.

13.11.03

Hohmann

Allmählich lohnen sich Zusammenstellungen zur so genannten Hohmann-Affäre, in der die Neue Rechte mal wieder den Kopf gehörig weit vorstreckt.
Insbesondere der Telepolis-Artikel von heute über die Einordnung von Hohmann in das Netzwerk ist nicht nur spannend - immerhin habe ich mich bestimmt schon zwei Jahre nicht mehr intensiver mit der Neuen Rechten beschäftigt -, sondern auch ein guter Einstieg.
In der aktuellen Zeit ordnet der kluge Joffe ein bisschen was ein.
In der Frankfurter Rundschau, die seit dem Relaunch wieder lesbar ist, gibt es online ein recht gutes und immer wieder aktualisiertes Dossier. Vor allem die Richtigstellung von Hohmanns Geschichtsklitterung bezüglich der Juden im Bolschewismus ist lesenswert. Und dann das Interview mit Prof. Gessenharter von der Bundeswehruni in Hamburg über Strategien und Mitglieder der Neuen Rechten.

Muss ich wieder mehr drüber lesen...
Uff

Nun habe ich es also endlich geschafft, eine Kommentarfunktion einzubauen. Von Haloscan. Ist eigentlich ganz einfach. Warum nicht gleich so?
Auden

Noch ein Nachtrag zu gestern:
Eine mehr als liebenswerte und ähnlich wie ich spitzfindigkeitenliebende und enzyklopädisch veranlagte und selbsternannte Klugscheißerin wies mich auf dieses hier hin, was ich weitergeben mag:
Das W.H. Auden-Gedicht wurde eigentlich erst durch "Four Weddings and a Funeral" ein Trauergedicht. Der Drehbuch-Autor hat es sicher auch deshalb gewählt, weil Auden schwul war.
Als Literatur-Dozentin hingegen habe ich es in meinen Einführungskursen immer als Beleg verwendet, dass Autorenabsicht nichts mit der Rezeption eines Textes zu tun hat. Herr Auden hat das Gedicht nämlich mit "Blues" betitelt und beabsichtigte eine Parodie auf die in Nachtclubs üblichen Blues-Texte. Deshalb findest Du das Gedicht auch regelmäßig in englischen Antologien "Comic Verse".
Finde ich immer wieder ein nettes Detail.

Finde ich auch.

12.11.03

Tot

Wenn im Dorf ein Kind stirbt und einfach nach dem Mittagsschlaf nicht aufwacht und es nur ein paar Wochen älter ist als unser Kleinster.
Das Haus war dunkel, als der Martinszug dran vorbei kam. Und die anderen Frauen in der Straße haben geweint, manche auch gemeinsam und im Haus der Familie.

Es gibt bei uns ja nicht mehr diese Tradition der Trauerfrauen, wie sie manche Kulturen noch haben. Gestern dachte ich, dass das fehlt. Und ich musste beim Blick in die manche Gesichter im Martinsgottesdienst bei uns im Dorf an dieses Gedicht von W.H.Auden denken, das mich auch in Vier Hochzeiten und ein Todesfall jedesmal zum Heulen bringt.

11.11.03

doof

Nun habe ich also Flucht ins Feenland ausgelesen. Und auch das Ende war doof. Verschenkte Aufmerksamkeit. Oder ich bin für diese triviale Fantasy einfach nicht gemacht.

Nun habe ich mir Tante Jolesch besorgt. Wenn alle davon schwärmen, sollte ich es wirklich endlich lesen. Zumal Torberg ja beispielsweise Kishon erst lesbar und witzig gemacht hat.

9.11.03

Hasch

Manchmal denke ich darüber nach, ob ich ihn einfach verhauen sollte. Zumal, wo es nun schon so lange geht...

Und dann werde ich wieder zornig über die, die Hasch verharmlosen. Den Alkohol hat er offenbar wirklich zurück gefahren, und dafür den Hasch umso stärker genutzt. Er ist einfach ein kleiner, schwacher Mami-Bubi. Dass er Lehrer ist und wieder eine erste Klasse hat, ist ja dann schon schlimm genug. Dass er aber im Haus, in dem sie und die Kinder mit ihm leben, hascht, kann ich schon nicht mehr verstehen. Zumal er immer wieder in zugekifftem Zustand Aussetzer hat.

Eigentlich sollte sie ihn vor die Tür setzen, aber das will sie den Kindern nicht antun. Und er weigert sich, auch nur ein mal Rücksicht zu nehmen oder ein paar Tage mal zu verschwinden.

Vielleicht sollte ich ih wirklich mal verhauen...

7.11.03

Uff

Drei Tage am Stück sind dann schon auch anstrengend. Schön - zumal mir der Vortrag wirklich Spaß macht. und jedesmal anders ist. Es geht einfach nicht (und wäre sicher auch doof), ihn einfach so abzuspulen.
Vor allem, wenn die Zuhörer dabei bleiben und auch mal zum Diskutieren aufgelegt sind.

5.11.03

bloß wech

Jedesmal wenn ich in Frankfurt bin, denke ich, dass Berlin eine lebenswerte Stadt ist. Und ich hasse Berlin. Will also was heißen.
Aber hier ist es noch dreckiger, stinkiger und öder. Und die Menschen auf der Straße werden nur noch von Düsseldorf unterboten.

Dass ausgerechnet ich noch mal für München schwärmen würde - wer hätte das gedacht.

Aber zuhause ist es am schönsten
Sally im letzten Satz von Harry und Sally.
Ich liebe diese Bücher

Mahrendorffs erstes Buch habe ich gestern mal wieder ausgelesen - und dieses Mal direkt mit dem zweiten begonnen. Ich liebe diese Bücher, auch wenn ich sie nun zum dritten Mal lese. OK, nicht gerade Hochliteratur, aber eine herrlich dekadente Zeit, in der sie spielen, wunderbare Personen und ein eher guter und recht spannender Krimi.
Da wird der Klassiker Flucht ins Feenland mühsam - und ich muss mich zwingen, es zu Ende zu lesen. Warum war das bloß mal erfolgreich? und warum mögen es so viele? Langatmig, sperrig, gar nicht so witzig... Naja.
heute in Frankfurt

4.11.03

Soooo neu und modern

In gewisser Weise ist es eine Mischung aus Faszination und Irritation. Jedesmal (und das ist merkwürdig oft), wenn die Diskussion auf die absurde These kommt, heute sei alles neu oder alles so viel schneller oder so - oder gar auf das Thema, dass die Welt noch so klein oder so was war - , muss ich an den polemischen Artikel über "modern" denken, den ich in einem alten Philosophielexikon fand, als ich im Studium über "moderne Theologie" schreiben wollte.
Im Kern: Es ist die Komik der Menschen, die sich modern finden, dass sie in einer langen Reihe von Leuten stehen, die sich auch immer als modern empfunden haben.

Ich denke, da geht es um die zutiefst pubertäre Wahrnehmung, der erste Mensch mit sooo einem schrecklichen Liebeskummer zu sein. Wenn wir erwachsen werden, merken wir dann irgendwann, dass es schon mal Menschen gab, denen es ählich ging.

Dass jeder immer das Rad neu zu erfinden glaubt, ist sicher auch der erschreckend geringen Bildung geschuldet.

3.11.03

Nun sind also die Verträge fürs neue Haus unterschrieben. Uff. Und etwas kribbelig. Das kommt also auch noch als - ja was eigentlich? Stress? Arbeit? Zeit? - dazu. Ein Wunder dass ich dennoch zum Lesen komme. Aber es ginge nun mal nicht ohne Buch. Endlich mal wieder Mahrendorffs Buch aus dem Wien der Jahrhundertwende, in dem Mahler, den ich so liebe eine große Rolle spielt.
Ich liebe Verschwörungstheorien...

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