31.3.03

Worte I
Worte, die noch was ganz anderes meinen. Nicht nur aber immer wieder inspiriert von Klemperers LTI. Eben Worte, die ich deshalb zu vermeiden suche. Ein Anfang:

Lösung
Das ist das, was Rehe hinten rauslassen. Auf deutsch: echt kakke...
Verbraucher
Das ist einer, der kostet und Strom frisst. Ein Bohrer oder ein Wäschetrockner oder so. Wenn man ihn nicht bemerkt: echt übel...
Vertrieb
Da frage ich mich immer, wer von wem von wo vertrieben wird. Im Zweifelsfalle vertreibt es einem die gute Laune. Oder auch: echt fiese...
Einstellung
Direkt aus der LTI: Wenn einer eingestellt wurde. Lustig ist nur, dass dieses Wort außer für Diktatoren vor allem für Personal-Leute wichtig ist. Ich will jedenfalls keine Einstellung haben. Igitt. Oder vielmehr: echt böse...
Über die baerentatze bin ich auf einen Vortrag zu

Romantic Marketing

gestoßen der Kulturphilosophin und Psychologin Simonetta Carbonaro.

Spannend: Die Idee, dass die Geschichte in Zyklen verläuft. Nach der rationalistischen Aufklärung im spätern 17. und im 18. Jahrhundert folgte die gefühlige, individualistische Romantik. Und nun ist es wieder so weit: nach der rationalistischen Nachkriegs- und Aufbauzeit kommt nun - beschleunigt durch den 11.9. - eine romantische Zeit der Innerlichkeit, der Individualität.

Mir scheint, dass das stimmt. Oder dass viel dafür spricht. Für Verkaufen und für die Richtung, in die sich Unternehmen entwickeln sollten, hat das Konsequenzen. Carbonara stellt das an Konsum-Themen vor. Aber auch im B2B-Bereich ist es in Bewegung. Das merke ich jeden Tag.

Vielleicht spricht mich diese These an, weil sie mein eigenes Denken und Handeln bestätigt? Die Idee, dass es auf das Gefühl ankommt. Dass es darum geht, durch Antizipation zu Veränderungen zu kommen. Und dass Geschichten der Schlüssel zum Erfolg sind.
Naja: Einer der Schlüssel. clue...

27.3.03

Heute war ich in Baden-Baden. Auch, wenn es klar ist und ich es eigentlich weiß: Es ist immer wieder überraschend, wie viel weiter die Natur da unten ist.
Und dazu ohne den Lärm der Großstadt.
Aber zu Hause ist es am schönsten
(-> letzter Satz von Harry & Sally).

26.3.03

Ich kann schon verstehen, dass einer unruhig wird, wenn ihm was auf Grundeis geht. Aber ein bisschen Gelassenheit ist ja dennoch nicht grundverkehrt. Der Rückfall in das Verhalten eines Patriarchen wird aber nach hinten losgehen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Sind wir doch inzwischen etwas erwachsener geworden.
Heute morgen bin ich endlich dazu gekommen, die neue baerentatze zu lesen. Wunderbar, wie immer. Danke, Oliver Baer. Vor allem der Einstiegskommentar ist wundervoll.
Ausnahmeweise direkt hier zitiert:

Sprache bildet den Stil im Umgang miteinander,
nicht nur in Prospekten an die Kunden,
auch im gesprochenen Wort an die Mitarbeiter.
Und der Stil schafft eigene Sprache.


Das gehört so manchem, den ich diese Tage erlebe, ins Stammbuch geschrieben.

25.3.03

Es tut gut, ein paar Tage raus zu sein. Nach zwei Wochen anderem Alltag zu Hause in der Familie klärt sich vieles - und habe ich neue Kraft.
Auch die Mischung aus Enttäuschung und Erleichterung darüber, dass es nun doch nicht geklappt hat, ins Wirtschaftministerium nach Kiel zu gehen. Nach der Wahlniederlage und der Kabinettsreform soll die Aufgabe, die ich übernehmen wollte, nun doch nicht wahrgenommen werden. Die inhaltlichen Irritationen deuteten sich ja auch schon an - und vielleicht ist es besser: Wer weiß, ob sich die Simonis-Regierung noch mal erholt. Hätte sicher Spaß gemacht, etwas dazu beitragen zu dürfen. Hat nicht sollen sein.
An sich hätte ich mir das mit dem Minister gut vorstellen können, wobei die Heilserwartungen an Hartz und die Kritiklosigkeit und auch Kritikempfindlichkeit in Bezug auf Clement mich schon überrascht haben.

7.3.03

Es gibt Zeiten, in denen zu viel passiert. Und nicht alles so wie geplant. Immerhin fallen allmählich die Entscheidungen. Erstmal schlucken und dann vorwärts gucken.

5.3.03

Aschermittwoch. Auch, wenn Karneval oder Fastnacht nicht nur keine Rolle bei uns spielt, sondern auch ein bisschen nervt: Die Fastenzeit ist uns wichtig. Seit Jahren gibt es ja nun schon Sieben Wochen ohne, eine Aktion, die - so will es die wunderbare Legende - in einer Kneipe in Hamburg entstand, als Hinrich Westphal mit Journalisten zusammen saß und trank.
Ich werde dieses Jahr auf Fernsehen, Videos und Süßes verzichten. Und unsere Kinder werden erstmals einen kleinen Anfang machen: Die beiden Großen verzichten zunächst eine Woche lange ganz auf Süßigkeiten. Das ist schwer genug. Und mutig.

4.3.03

Das Wochenende waren wir endlich mal wieder im Standhotel Sonnenburg in Kühlungsborn. Ich finde weiterhin: Das schönste Haus im schönsten Ort an der deutschen Ostsee. Jedes Mal ist mehr fertig und aufgebaut. Wir genießen es als Kuschelwochenende - ohne Kinder. Dann ist es auch wieder schön, zurück zu kommen und sie alle zu sehen.
Einmal durchatmen und die Kälte und den Wind spüren. Einmal einkaufen ohne die Kinder. In Ruhe schlemmen und ausschlafen. Schade, dass es so kurz war.
In "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" gibt es diese Szene, in der Tom zu Charles sagt, er hoffe, dass er vor seinen Kindern sterbe. Für die Eltern ist es wohl wirklich immer am schwersten.
Auch die Demenz ist für sie eine noch größere Kränkung und noch schwerer zu ertragen als für uns andere. Nachdem es schon Jahre gebraucht hat, bis sie zugaben, dass ihre Tochter Alzheimer hat, wird es nicht einfacher durch die Verschlimmerung.

Ich hatte Angst, sie das erste Mal zu besuchen. Und ich bin traurig. Ihre Angst und Hilflosigkeit zu erleben, setzt zu. Dennoch: auch die andere Seite ist ja da, die Aggressivität, die Gewalttätigkeit, die Unruhe. Niemand weiß, wie es werden wird.

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